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Handball-Bundesliga

THampel in Topform: Spielmacherin überzeugt mit einer neuen Qualität

Spielmacherin Anika Hampel übernimmt naturgemäß viel Verantwortung im Spiel des BSV. In Zwickau zog sie immer wieder Siebenmeter.

Spielmacherin Anika Hampel übernimmt naturgemäß viel Verantwortung im Spiel des BSV. In Zwickau zog sie immer wieder Siebenmeter. Foto: Jan Iso Jürgens (Archiv)

Beim ersten Auswärtssieg in Zwickau überzeugt BSV-Spielmacherin Anika Hampel und bestätigt ihre starke Form. Doch ausgerechnet jetzt steht eine lange Pause an.

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Von Tim Scholz
Montag, 02.03.2026, 05:50 Uhr

Buxtehude. Am Sonntag gegen 3 Uhr nachts kam der Mannschaftsbus in Buxtehude an. „Der Sonntag steht daher im Zeichen der Regeneration“, sagt Anika Hampel. Spazieren gehen, Rad fahren, Musik hören oder malen helfen ihr, die Batterien nach einer langen Auswärtsfahrt wieder aufzuladen.

Als das TAGEBLATT die 22-Jährige am Sonntagnachmittag erreicht, steckt ihr die Partie in Sachsen noch in den Knochen. Mit 31:30 (25:20) setzte sich der Buxtehuder SV am Vorabend gegen das Schlusslicht aus Zwickau durch, setzte damit die Erfolgsserie von fünf Spielen ohne Niederlage fort und kletterte auf Platz acht.

Spielmacherin mit Torgefahr und Übersicht

„Die erste Halbzeit war sehr gut, wir haben die Zweikämpfe gewonnen“, sagt Hampel. In der zweiten Hälfte hatte der BSV eine schwächere Phase, ließ sich aber nie aus der Ruhe bringen. „Wir haben nie das Gefühl gehabt, dass wir in Panik verfallen. Jede Spielerin hat an den Sieg geglaubt.“

Hampel war dabei die treibende Kraft. Sie erzielte neun Tore, verwandelte alle fünf Siebenmeter sicher und holte selbst zahlreiche Strafwürfe heraus. „Unser Spielsystem ist auf Durchbrüche ausgelegt“, erklärt sie. Dadurch steige die Wahrscheinlichkeit, gefoult zu werden und einen Strafwurf zu bekommen. In Zwickau hat das vor allem in der ersten Halbzeit sehr gut funktioniert.

Trainer Nicolaj Andersson bescheinigt der Spielmacherin eine starke Entwicklung.

Trainer Nicolaj Andersson bescheinigt der Spielmacherin eine starke Entwicklung. Foto: Jan Iso Jürgens

Mit ihrem Spielverständnis, ihrer Torgefahr und ihrer Fähigkeit, die Mitspielerinnen in Szene zu setzen, habe sie in den letzten Monaten eine starke Entwicklung, gezeigt, sagt Trainer Nicolaj Andersson. „Sie ist eine sehr wichtige Spielerin für uns.“

Mit 92 Treffern ist sie in ihrer zweiten Saison beim BSV nach ihrem Wechsel aus Bad Wildungen nicht nur die beste Werferin ihrer Mannschaft, sondern mit 31 Treffern auch die beste Siebenmeterschützin. Zusammen mit Isabelle Dölle ist sie zudem die beste Vorlagengeberin (jeweils 47 Assists).

Hampel bleibt dem BSV treu

Hampel habe ein gutes Gleichgewicht gefunden, ihre Mitspielerinnen einzubinden und selbst Torgefahr auszustrahlen, sagt Andersson. „Sie ist inzwischen eine Spielerin, auf die sich andere Teams gezielt vorbereiten müssen.“

Meist hat sie während der Partien Pause, wenn der BSV in der Defensive ist. Nach dem Angriff-Abwehr-Wechsel mit Lin Lück nimmt sie kurz auf der Bank Platz.

Hampel selbst bleibt bescheiden. „Ich nutze jedes Spiel, um mich zu verbessern. Ich sehe natürlich noch Potenzial, aber ich denke, dass ich auf einem guten Weg bin“, sagt die BWL-Studentin.

Anika Hampel ist die beste Torschützin und Vorlagengeberin des BSV.

Anika Hampel ist die beste Torschützin und Vorlagengeberin des BSV. Foto: Jan Iso Jürgens

Dass sie ihren Vertrag kürzlich um zwei Jahre bis 2028 verlängert hat, sieht sie als Bestätigung: „Buxtehude bietet optimale Rahmenbedingungen: tolle Halle, super Fans, sehr gutes Training. Hier kann ich mich persönlich und sportlich weiterentwickeln.“ Im Verein traut man ihr noch einiges zu.

„Wir schauen nicht auf die Vergangenheit“

Dass der BSV nach einem schwachen Saisonstart mit 14 sieglosen Spielen nun einen Erfolgslauf hat, führt Hampel vor allem auf Trainer Andersson zurück, der die Mannschaft nach der Entlassung von Dirk Leun im November übernommen hat. Der Däne setzte auf einen Neuanfang.

„Wir schauen nicht auf die Vergangenheit, sondern konzentrieren uns auf unser Spiel“, sagt Hampel. Die Mannschaft habe dies verinnerlicht, spiele mit größerem Selbstvertrauen und zeige inzwischen eine mentale Stärke, die auch in kritischen Phasen wie am Samstag in der zweiten Halbzeit entscheidend sei.

Jetzt steht für den BSV eine längere Pause in der Bundesliga an. Länderspiele, das Final Four im DHB-Pokal und die abgesetzte Partie gegen die insolvente HB Ludwigsburg sorgen dafür, dass Buxtehude erst am 28. März wieder auswärts in Bensheim gefordert ist. Eine Pause zur Unzeit für den BSV?

Das ist Anderssons Plan für die Pause

„Man kann es so oder so sehen“, sagt Hampel. „Wir sind gerade im Flow, aber durch die Pause haben wir auch die Chance, weiter an uns zu arbeiten und noch mehr Konstanz aufzubauen.“

Trainer Andersson will die Phase sinnvoll nutzen. Er will mit den Spielerinnen individuell an Technik, Durchbrüchen und Abwehrverhalten arbeiten. Ein weiterer Schwerpunkt: „Wir wollen noch schneller spielen.“ Es geht darum, unter Druck die richtigen Entscheidungen zu treffen und dabei den Ball sauber laufen zu lassen.

Allerdings gestaltet sich die Suche nach einem Testspielgegner als schwierig. Entweder scheitere es an der Distanz oder daran, dass die Gegner die Belastung in der Pause reduzieren wollen, so Andersson. „Ich hoffe, dass sich noch eine Möglichkeit ergibt.“ Er würde gerne gegen einen Bundesligisten, einen guten Zweitligisten oder ein dänisches Team testen.

Kreisläuferin Huhnstock reist zur Nationalmannschaft

Verzichten muss der BSV zu Beginn der Pause auf Jolina Huhnstock. Die Kreisläuferin wurde von Bundestrainer Markus Gaugisch für die beiden EM-Qualifikationsspiele gegen Slowenien nachnominiert und wird deshalb diese Woche in Buxtehude fehlen.

Bereits nach dem ersten Spiel unter Andersson vor etwas mehr als zwei Monaten hatte Anika Hampel gesagt, dass sie sich trotz der anhaltenden Durststrecke keine Sorgen um den BSV mache. Heute bestätigt sich das. Hampel sieht die Mannschaft auf einem guten Weg.

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