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Musikerlebnis

THanse Song Festival: Zwischen Tischtanz und Nachtschwärmern in Stade

In der Seminarturnhalle kesselt Huah! und bringt die Menge zum Tanzen.

In der Seminarturnhalle kesselt Huah! und bringt die Menge zum Tanzen. Foto: Weselmann

Das Hanse Song Festival war wieder ein Garant für atmosphärische Konzert-Erlebnisse. Ein Streifzug zwischen musikalischen Entdeckungen und rebellischen Künstlern.

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Von Fenna Weselmann
Sonntag, 19.04.2026, 21:59 Uhr

Stade. Die 14. Ausgabe des Hanse Song Festivals zog am Sonnabend wieder mehr als 1000 Musikfans zu den vielfältigen Konzertorten. Rund 20 Acts standen in Stade auf dem Programm. Es ist die einzigartige Stimmung, die das Veranstaltungskonzept so erfolgreich macht.

Das Hanse Song Festival ist wie ein Familien-Fest

Julia und Benjamin Börsmann aus Cuxhaven zieht es regelmäßig her. „Die Locations in Stade haben so viel Charme und Flair“, sagt Benjamin Börsmann. Er erinnert sich noch an das allererste Konzert im Königsmarcksaal mit Lilly Among Clouds. „Ich hatte hier schon mehrfach Pipi in den Augen. Wir lernen neue Bands kennen und finden hier jedes Mal solche Perlen.“

Künstler sind ebenso angetan von der Atmosphäre. Die hat etwas von einem riesigen, bunten Familien-Fest. Musiker sind nicht nur auf der Bühne zu erleben, vor und nach ihren Auftritten stehen sie selbst mitten im Publikumsgetümmel.

Das begeistert die Künstler und das Publikum

Mattus Simons war vergangenes Jahr schon als Gast in Stade, weil seine Frau Annette (Bärchen und die Milchbubis) aufgetreten ist. Diesmal war er mit der Moderne Man in der Seminarturnhalle der Opener. „Das hat richtig Spaß gemacht“, sagt er, begeistert vom „tollen Publikum“.

Der Moderne Man beim Hanse Song Festival

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Damit sich alle wohlfühlen, tut das Team von Stade Marketing und Tourismus einiges. „Was man wirklich über den großen Klee loben muss, ist das Catering“, sagt Künstler Mattus Simons. Auch Yunus, der mit seiner humorvollen Ansprache sofort die Sympathie des Publikums hat, fühlt sich willkommen und singt „nett war`s“ in Stade.

Yunus fühlt sich super willkommen und singt „nett war`s“ in Stade.

Yunus fühlt sich super willkommen und singt „nett war`s“ in Stade. Foto: Weselmann

Besucherin Sara Krakowski geht es ebenso. Die Buxtehuderin findet die herzliche und freundliche Art, mit der ihre kleinen Kinder empfangen werden, wunderbar. Mit Kopfhörern und Ferngläsern sind die so selbstverständlich mittendrin. „Es hat sich auf jeden Fall gelohnt“, sagt die Mutter, obwohl es früh nach Hause geht.

Huah! will die Bullen tanzen sehen

Beim Hanse Song Festival lassen sich viele einfach treiben. Dazu gehört eine Gruppe von fünf Freundinnen aus Stade und Fredenbeck. Sie stöbern im Flyer und entscheiden spontan, wo es hingehen soll.

Nach dem melancholischen Sound von Anna Hauss und Dennis Kiss steht ihnen der Sinn nach energiegeladener Musik. Bei Huah! sind die Nachtschwärmerinnen da genau richtig. Im Anschluss an der Moderne Man kesselt es in der Seminarturnhalle fröhlich weiter.

Tanja, Sandra, Nicole, Maren und Silke lassen sich auf dem Hanse Song Festival einfach treiben und entscheiden spontan, zu welchem Act es sie als nächstes zieht.

Tanja, Sandra, Nicole, Maren und Silke lassen sich auf dem Hanse Song Festival einfach treiben und entscheiden spontan, zu welchem Act es sie als nächstes zieht. Foto: Weselmann

„Wir spielen hier noch um 5 Uhr - bis die Bullen kommen und vorne in der ersten Reihe tanzen“, ruft Sänger Knarf Hellöm als enfant terrible der Hamburger Schule in die aufgeheizte Menge.

Ein Name macht zum Wiederholungstäter

Das Programm lebt von diesen Kontrasten - und den Entdeckungen, die eine solch musikalische Bandbreite von bekannten Namen bis zu angesagten Newcomern eröffnet. Manchmal ist es ein einzelner Name, der jemanden zum Festivalfan macht. So war es 2025 bei Melanie Wintjen und ihrer 17-jährigen Tochter Emma aus Bremervörde.

„Levka folge ich seit Anfang an auf Instagram und darüber bin ich auf das Festival gestoßen“, erzählt Emma. Dabei haben sie andere Künstler wie Aaron entdeckt, die seither auf ihrer Playlist sind. Heute wollen sie vor allem Herbst live erleben. „Und ich würde schon jetzt sagen, dass wir wiederkommen“, sagt Melanie Wintjen.

Für Stader Sänger ist Herbst der Knaller

Herbst reißt die Leute in St. Cosmae am Ende von den Kirchbänken. Voller Begeisterung strömt sein Publikum in den Mittelgang und vor die Bühne. Wie vorher schon Yunus, hat er eine Crowd junger Fans versammelt. Die stehen nachher Schlange am Merchandising-Stand für Selfies und signierte Shirts.

Für die Stader Birte Pohlmann, Martin Jäger, Achim Carstensen und Franziska Dessel-Carstensen vom Cantiamo Chor ist Herbst die Entdeckung.

Für die Stader Birte Pohlmann, Martin Jäger, Achim Carstensen und Franziska Dessel-Carstensen vom Cantiamo Chor ist Herbst die Entdeckung. Foto: Weselmann

Für die Stader Birte Pohlmann, Martin Jäger, Achim Carstensen und Franziska Dessel-Carstensen vom Cantiamo Chor ist Herbst die Entdeckung. „Wahnsinn! Die Dynamik der Stücke und die Range seiner Stimme sind der Knaller“, schwärmen sie.

Herbst reißt das Publikum in St. Cosmae von den Kirchenbänken.

Herbst reißt das Publikum in St. Cosmae von den Kirchenbänken. Foto: Weselmann

Tocotronic-Bassist bringt neues Erlebnis nach Stade

Auf dem Plan steht diesmal ein ganz neues Format. Tocotronic-Bassist Jan Müller ist mit seinem Reflektor Podcast dabei. Im Königsmarcksaal spricht er mit Julian Knoth von der Noise-Rock-Post-Punk-Band die Nerven über sein Solo-Album.

Tocotronic-Bassist Jan Müller ist mit seinem Podcast Reflektor zu Gast. Sein Gespräch mit Musiker Julian Knoth (links) bringt beim Hanse Song Festival ein neues Format ins Spiel.

Tocotronic-Bassist Jan Müller ist mit seinem Podcast Reflektor zu Gast. Sein Gespräch mit Musiker Julian Knoth (links) bringt beim Hanse Song Festival ein neues Format ins Spiel. Foto: Weselmann

„Ich bin immer beeindruckt, mit welcher positiven Aufmerksamkeit die Leute zuhören“, erzählt Jan Müller von der Live-Erfahrung mit dem Podcast. Er lobt das geschmackvolle Booking und die außergewöhnlichen Locations. „Kultur abseits der Großstädte zu organisieren, ist eine wichtige Aufgabe“, sagt der bekannte Musiker. Jede kleinere Stadt, die solch ein Festival hätte, wäre reich beschenkt.

Das Stader Festival steckt voller Überraschungen

Lars Ahlburg ist aus Hamburg hergekommen. Er hat lange in Harsefeld und Stade gelebt und hört Jan Müllers Podcast regelmäßig. Deshalb war er neugierig auf das Live-Erlebnis. „Ich bin angenehm überrascht, wie gut das funktioniert hat“, sagt er.

Einen überraschenden Moment der ganz anderen Art gibt es im Landgericht. Während Höchste Eisenbahn, Svaneborg Kardyb und die Liga der gewöhnlichen Gentlemen das krönende Festivalfinale einläuten, macht Yola hier noch mal richtig Alarm für die jugendlichen Festivalgänger. Sie ist garantiert „nicht das Mädchen von Nebenan“ und tanzt einfach mal auf dem Verhandlungstisch.

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