THitzige Debatte und eine Kehrtwende um Buxtehuder Sporthalle
Die Halle Süd ist inzwischen mehr als 45 Jahre alt. Sie soll entweder abgerissen und neugebaut oder saniert werden. Foto: Wisser
Neubau statt Sanierung? Buxtehude diskutiert über die Sporthalle am Schulzentrum Süd. Ursprüngliche Pläne geraten ins Wanken. Das sind die Hintergründe.
Buxtehude. Bekommt das Schulzentrum Süd in Buxtehude nun doch eine komplett neue Sporthalle? Nach einer kontroversen, teils emotionalen Debatte in einer gemeinsamen Sitzung von Schul- und Bauausschuss zog die Stadtverwaltung ihren Vorschlag zurück, die bestehende Halle Süd zu sanieren und um einen fünften Hallenteil zu erweitern.
So soll die erweiterte und sanierte Halle Süd aussehen. Foto: Wisser
Drei Stunden lang diskutierten die Ratsmitglieder. „Wir nehmen ihre Sorgen ernst“, begründete Stadtbaurätin Michaela Springhorn diesen Schritt.
Das Kernproblem: Sanierung und Erweiterung kosten 16,6 Millionen Euro. Viele Ratsmitglieder forderten daraufhin einen Vergleich mit einem funktionalen Neubau.
Vergleich: So teuer war die neue Halle Nord
Die im vergangenen Jahr eröffnete Halle Nord an der Integrierten Gesamtschule Buxtehude bietet eine Drei- und eine Zweifeldhalle, erfüllt neueste ökologische Standards, fasst 1500 Zuschauer, ist handballbundesligatauglich und verfügt über aufwendige Außenanlagen. Sie kostete ungefähr 28 Millionen Euro, die reinen Baukosten lagen bei 24 Millionen Euro.
Für die drei Schulen – Hauptschule, Realschule und Gymnasium – sowie die Vereinssportler am Standort Süd wäre ein Neubau kein Nachteil. Während der Sanierung und Erweiterung müsste die Halle Süd gesperrt werden. Schüler und Vereine sollen in der zweijährigen Bauzeit die alte Halle Nord nutzen. Deren Abriss wurde verschoben.
Ist ein Neubau sinnvoller als die Sanierung?
Laut Verwaltungsvorlage sollten die Arbeiten an der Halle Süd im zweiten Quartal 2027 beginnen. Ob dieser Termin noch zu halten ist, bleibt offen.
„Die Halle Süd war in meiner ersten Sitzung als Ratsmitglied 2016 schon Thema“, erinnerte Ulrich Felgentreu (Grüne), Vorsitzender des Schulausschusses, an die lange Vorgeschichte der Hallenplanung. Trotzdem müsse man sich jetzt fragen, ob ein kompletter Neubau nicht sinnvoller sei.

Es gibt viel zu bereden: Hier suchen Nick Freudenthal (SPD), Ulrich Felgentreu (Grüne) und Olaf Riesterer (CDU) nach Lösungen. Foto: Wisser
„Das soll heute ein Startschuss sein, aber ich sehe mich nicht in der Lage, eine Entscheidung zu treffen“, sagte die CDU-Frau Arnhild Biesenbach. Die Kostenschätzung sei fürchterlich. „Ohne die Alternative Neubau zu prüfen, ist der Verwaltungsvorschlag nicht tragbar“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Olaf Riesterer. „Was passiert, wenn es wieder schneit? Müssen wir dann die Halle wieder aufgrund der Schneelast sperren?“, fragte Riesterer.
Verschiedene Heizsysteme in der sanierten Halle
„Wenn Sie so viele Informationen nachreichen müssen, werden wir unseren Beschluss auch erst nachreichen“, sagte Irmgard Smerdka-Arhelger von den Grünen in Richtung Verwaltung. Viele Abgeordnete fürchten bei der Sanierung „Flickschusterei“. Die ursprüngliche Dreifeldhalle am Schulzentrum Süd entstand 1980. Alte Halle und neuer Anbau müssten zum Beispiel verschiedene Heizsysteme haben. Eine Photovoltaikanlage wäre nur auf dem Dach eines Neubaus möglich. Beim Rest bestehen Zweifel an der Tragfähigkeit.
Millionen-Projekt
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Zwischendurch kochte die Debatte so hoch, dass Stadtbaurätin Michaela Springhorn einen fairen Umgang mit dem externen Architekten und ihren Mitarbeitern einforderte. Unterschiedliche Wissensstände hatten die Eskalation ausgelöst. Einige Ausschuss-Mitglieder sprachen von einer Vervierfachung der Baukosten.
Mehrkosten: Von knapp vier auf 16,6 Millionen Euro
2021 nannte eine Verwaltungsvorlage tatsächlich knapp vier Millionen Euro als Projektsumme. Die 16,6 Millionen Euro bedeuten dann eine Vervierfachung. Im städtischen Haushalt 2026 sind 14 Millionen Euro für Sanierung und Erweiterung eingepreist. 2023 hatte die Verwaltung neun Millionen Euro genannt.

Insgesamt kostete die neue Halle Nord knapp 28 Millionen Euro, die reinen Baukosten lagen bei 24 Millionen Euro. Foto: Wisser
„Haben wir plötzlich das alles vergessen?“, reagierte Nick Freudenthal, SPD-Fraktionsvorsitzender, auf die teilweise fehlende Kenntnis der Haushaltszahlen bei seinen Kollegen. „Das ist schwer erträglich“, sagte er. Freudenthal erinnerte an den Zeitdruck: „Wenn wir nicht bald entscheiden, sind wir in 2027 und zwei Drittel der Abgeordneten sind neu“, erklärte Freudenthal. Er meint damit die Kommunalwahlen: Am 13. September wird in Niedersachsen gewählt.
Landkreis Stade soll Baukosten teilweise bezahlen
Bis die neuen Räte arbeitsfähig sind, vergehen Monate. Auch Freudenthal forderte eine Prüfung der Alternativen. Sabine Koch von den Linken schätzte die Lage ähnlich ein.
Mannschaften
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Mit Unverständnis reagierte die Politik auf diesen Punkt: Es gab keine aktuelle Absprache mit dem Landkreis Stade. Der Kreis soll einen Teil der Kosten tragen – genannt wurden 70 bis 75 Prozent. Dafür muss die Kreisverwaltung aber den Bedarf anerkennen. Derzeit sieht der Kreis in seiner Planung kein Geld für eine Halle in Buxtehude vor – weder für Neubau noch für Sanierung.
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