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So tickt die Jugend

T„Höhle der Löwen“ made in Fredenbeck: Schüler präsentieren ihre Produkte

Wollen Menschen mit dieser Erfindung Mut machen: Die Neuntklässler Julian Brandes (von links), Nicklas Engel und Liyas Clasen mit ihren „Mutigbällen“.

Wollen Menschen mit dieser Erfindung Mut machen: Die Neuntklässler Julian Brandes (von links), Nicklas Engel und Liyas Clasen mit ihren „Mutigbällen“. Foto: Meyer

Gestrickte Smileys gegen ein Gesellschaftsproblem oder die upgecycelte „Lieblingshose“: An der Geestlandschule Fredenbeck widerlegen Neuntklässler ein Klischee auf ihre Art.

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Von Thies Meyer
26.09.2026, 11:50 Uhr

Fredenbeck. Wie tickt die Jugend, wenn es ums Arbeiten geht? Junge Menschen sind arbeitsunwillig und faul, folgt man einem Klischee über die Generation Z (Jahrgang 1995 bis 2010), die jüngste in der Arbeitswelt.

Noch jünger ist die Generation Alpha (ab Jahrgang 2011). Dazu gehören Neuntklässler der Geestlandschule Fredenbeck. Im Rahmen einer Projektwoche widerlegen sie das Klischee, das ihnen genauso anhaftet – mit Unternehmensideen.

Das steckt hinter dem HanSEE-Projekt

Junge Menschen sollen „Unternehmergeist“ entwickeln, „den Mut haben, ihre Ideen auszusprechen“ und das in einer „positiven Fehlerkultur“, sagt Johann Dralle. Dralle bildet mit Kollegin Melissa Heim für eine Woche das Lehrer-Duo für vier neunte Schulklassen.

Mit diesem Beispielprojekt für Upcycling des Kölner Startups „AIRPAQ“ zeigt Johann Dralle den Schülern, wie ein auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Produkt aussehen kann.

Mit diesem Beispielprojekt für Upcycling des Kölner Startups „AIRPAQ“ zeigt Johann Dralle den Schülern, wie ein auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Produkt aussehen kann. Foto: T. Meyer

Beide sind wissenschaftliche Mitarbeiter am Hansecampus Stade der Privaten Hochschule (PFH) Göttingen. Sie kümmern sich um den Workshop „Social Entrepreneurship Education in der Hanseregion Stade“, kurz HanSEE. Vereinfacht: Dralle und Heim bringen den 14- und 15-Jährigen bei, wie man unternehmerisch denkt und Produkte und Dienstleistungen von der Idee bis zur Umsetzung entwickelt.

Ziel ist es, ein Produkt mit Mehrwert für die Gesellschaft auf die Beine zu stellen, das sich an den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen orientiert. Die Neuntklässler sollten sich Gedanken machen, welche kleinen und großen gesellschaftlichen Probleme gelöst werden könnten und welches Produkt oder welcher Service dabei helfen könnte. Steht die Unternehmensidee, gehe es darum, „ins Machen zu kommen“, so Dralle. So werden die Neuntklässler zu Machern.

Warum die Geestlandschüler buchstäblich mutig sind

Wie in der Fernsehsendung „Höhle der Löwen“ werben die Nachwuchsunternehmer vor erfolgreichen Unternehmern, den Löwen, für ihre Start-ups. Die Löwen sind Kerstin Wehmeier von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Stade und Matthias Bunzel, Leiter der Stabsstelle Wirtschaftsförderung bei der Hansestadt Stade. Ihnen präsentieren die Schüler ihr Produkt oder ihre Dienstleistung. Ein Projekt beschäftigt sich mit einem gesellschaftlichen Problem, das vor allem durch Corona zugenommen hat: Einsamkeit.

HanSEE-Projektleiter Johann Dralle (links), der Leiter der Stabsstelle Wirtschaftsförderung bei der Hansestadt Stade Matthias Bunzel sowie Kerstin Wehmeier von der Wirtschaftsförderung Landkreis Stade.

HanSEE-Projektleiter Johann Dralle (links), der Leiter der Stabsstelle Wirtschaftsförderung bei der Hansestadt Stade Matthias Bunzel sowie Kerstin Wehmeier von der Wirtschaftsförderung Landkreis Stade. Foto: T. Meyer

Sie nimmt bei alten und jungen Menschen zu. Laut des Bundesinstituts für Bevölkerungsschutz fühlt sich in Deutschland jeder fünfte junge Erwachsene stark einsam. Wer einsam ist, neigt dazu, schüchterner zu sein. Manche finden dadurch keinen Anschluss oder Freunde.

Gegen diese Probleme wollen Leonie Hensch, Julian Brandes, Nicklas Engel und Liyas Clasen mit ihrem Projekt „Shyness“ (Schüchternheit) etwas tun. Sie haben sogenannte Mutigbälle entwickelt. An den selbst gestrickten gelben Bällen mit zwinkerndem Smiley-Gesicht sind kleine Anhänger angebracht. Drauf stehen Sprüche wie „Trau dich“ oder „Du schaffst das“.

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Die Idee dafür sei aus einem persönlichen Bedürfnis entstanden, so die Gruppe. Brandes spricht mutig aus eigener Erfahrung, in welcher Situation er sich schüchtern und unwohl fühlt: „Bei Präsentationen in der Klasse“. Schüchternheit kann junge Menschen psychisch belasten. Das Kneten des kleinen Handspielzeugs soll helfen, die eigenen Gefühle zu kontrollieren, und für positive Stimmung sorgen.

„Das war meine Lieblingshose“: Wie Schüler aus Altem Neues schaffen

Jaron Stabel, Hendrik Thien, Anna Best und Ayana Assing hatten eine zündende Idee: „Wir haben überlegt, eine Schülerfirma zu gründen“, sagt Ayana. Dann kam die Initialzündung, die zum Service „Wir helfen“ führte. Das Team will für hilfsbedürftige Menschen aus der Nachbarschaft und Altersheimen Einkäufe erledigen.

Das Projekt von Jaron Stabel, Hendrik Thien, Anna Best und Ayana Assing heißt „Wir helfen“ und dreht sich um eine Schülerfirma, die vor allem älteren Menschen Hilfe beim Einkaufen anbietet.

Das Projekt von Jaron Stabel, Hendrik Thien, Anna Best und Ayana Assing heißt „Wir helfen“ und dreht sich um eine Schülerfirma, die vor allem älteren Menschen Hilfe beim Einkaufen anbietet. Foto: T. Meyer

„Das war meine Lieblingshose“, sagt Joyce Offermann. Mit Constantin Lichtmess, Lina Best und Keeno Allers erfand sie „Bag to life“ - weggeworfene oder unbrauchbare Hosen, die durch Upcycling zu Handtaschen werden. An der Tasche finden sich Details: Fidget-Toys.

Kleine Anhänger zum Rumspielen, um die Hände zu beschäftigen und „um sich zu konzentrieren“, erklärt Offermann. Eine ähnliche Funktion wie die Mutigbälle. Mit der „Geestlandia“ gibt es bereits eine Schülerfirma, in der viele solcher Taschen von Schülern produziert werden könnten, sagt die Gruppe.

Constantin Lichtmess, Lina Best, Joyce Offermann und Keeno Allers designen nachhaltige Handtaschen aus alten Jeans. Dabei geht es um das UN-Nachhaltigkeitsziel Nummer zwölf: nachhaltiger Konsum und Produktion.

Constantin Lichtmess, Lina Best, Joyce Offermann und Keeno Allers designen nachhaltige Handtaschen aus alten Jeans. Dabei geht es um das UN-Nachhaltigkeitsziel Nummer zwölf: nachhaltiger Konsum und Produktion. Foto: T. Meyer

Max Reimann zeigt sein anti-verschwenderisches Projekt „Daycipies“. Eine App soll Konsumenten helfen, ein Gericht aus vorrätigen Zutaten zu kochen. Tippt man in der von Max selbst programmierten App bei den Zutaten auf Tomate, Basilikum, Käse und Olivenöl, schlägt die App einen Caprese-Salat vor.

Beim Projekt HanSEE geht es um Nachhaltigkeit, ein Beispiel: Sitzmöbel aus alten Autoreifen mit Sitzbezug.

Beim Projekt HanSEE geht es um Nachhaltigkeit, ein Beispiel: Sitzmöbel aus alten Autoreifen mit Sitzbezug. Foto: T. Meyer

Das Partymobil zeigt, was aus einer Schüleridee werden kann

Ideen von Melissa Heims und Johann Dralles Schülern aus der Vergangenheit wurden erfolgreich umgesetzt. Ein Beispiel: Luca Helmke, Bjarne Pfeffer und Jasper Tiedemann vermieten derzeit landkreisweit ein Partymobil, einen zum Feiern umgebauten ausrangierten Bauwagen. Dafür bekamen sie sogar den ECO-Preis Elbe-Weser in der Kategorie Umwelt.

Sitzmöbel und Schlüsselanhänger aus alten Autoreifen. Hier hören sich Dralle und Bunzel an, wie die Schüler ihr Projekt wirtschaftlich und finanziell umsetzen würden.

Sitzmöbel und Schlüsselanhänger aus alten Autoreifen. Hier hören sich Dralle und Bunzel an, wie die Schüler ihr Projekt wirtschaftlich und finanziell umsetzen würden. Foto: T. Meyer

Seinen jetzigen Schülern und allen jungen Menschen rät Dralle: „Sie sollen an ihre eigenen Ideen glauben, die einen gesellschaftlichen Mehrwert haben.“ Und mutig sein und machen.

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Diese Jungunternehmer brennen für das Thema Angeln und wollen aus Naturlatex und Gummi Fischköder herstellen, die biologisch abbaubar sind. Die Köder würden sich nach 30 Tagen durchgängig im Wasser auflösen, beschreibt die Gruppe.

Diese Jungunternehmer brennen für das Thema Angeln und wollen aus Naturlatex und Gummi Fischköder herstellen, die biologisch abbaubar sind. Die Köder würden sich nach 30 Tagen durchgängig im Wasser auflösen, beschreibt die Gruppe. Foto: T. Meyer

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