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Phänomene der Natur

THunger bei Schnee und Kälte: Wie Seeadler und Kranich sich durchschlagen

Seeadler

Seeadler Foto: Carsten Linde

Der Mäusebussard findet unter dem Schnee seine Beute nicht. Vorschnelle Zugvögel landen nach ihrer Rückkehr in den Norden in der Kälte - das Winterwetter hat Folgen.

Von Wolfgang Kurtze Dienstag, 10.02.2026, 14:50 Uhr

Landkreis. Manche Zugvögel haben es schon im Vorfrühling sehr eilig, aus dem Süden wieder in den Norden zu fliegen. Ihre Strategie: Sie wollen als Allererste das beste Revier besetzen. Das kann von Vorteil sein, kann sie aber in eine schwierige Lage bringen. Denn die Vögel, die voreilig in den Norden ziehen, können plötzlich ratlos in der weiten Schneelandschaft sitzen. Sie müssen hungern und vorübergehend in bitterer Kälte ausharren. Dann müssen sie einen Weg finden, um Nahrung zu bekommen und zu überleben.

Nonnengänse und Blessgänse sind zur Brutzeit in Sibirien zu Hause und überwinterten bei uns. Doch mit dem ersten Schneefall vor einigen Wochen verließen sie die Elbregion. Sie mussten weiter südlich gelegene Küstenregionen aufsuchen.


Das Münsterland, Rheinland oder Rheindelta waren die Ziele ihrer Wahl. Hier war die Schneedecke dünn. Doch nun sind die Flächen abgegrast, die Nahrung wird knapp. Sobald es etwas wärmer wird, werden sie sich in Richtung Unterelbe aufmachen. Hier müssen sie noch einige Wochen bleiben. Denn an ihren Brutplätzen in Sibirien oder auf Nowaja Semlja ist es mit minus 40 Grad nachts noch grausam kalt.

Kraniche in Nöten

Schwierigkeiten haben jetzt einige Kraniche: Diejenigen, die möglichst lange hier im Norden ausharren, wurden von den großen Schneemengen überrascht. Sie suchen nicht abgeernteten Mais, schneefreie Felder mit Resten der letzten Maisernte oder ein paar schwach grünende Pflänzchen.

Kraniche

Kraniche Foto: Hajo Schaffhäuser


Manchmal gibt es vom Ostwind schneefrei gefegte Bereiche, in denen sie nach etwas Nahrung stochern können. Aber sie benötigen jeden Tag mindestens 200 Gramm Nahrung und für die Strapazen des Weiterflugs noch mehr Futter. Nahrungsquellen zu finden, ist das Problem der Stunde.
Die meisten Kraniche sind vor dem Schnee eilig Richtung Frankreich geflohen. Doch dort setzt bei ihnen wieder Unruhe ein, sie wollen zurück in den Norden. Optimisten unter ihnen sind sogar wieder zurück oder warten ungeduldig vor der Schneefront. Zugstau nennen das die Ornithologen.

Seeadler weichen auch auf Aas aus

Einige wenige Greifvögel sind noch in der Region. Seeadler dürften in dieser winterlichen Extremsituation gut leben. Sie schlagen schwache Vögel oder finden Aas. Doch vagabundierende Mäusebussarde haben es auf der Suche nach Feldmäusen schwer. Denn ihre Leibspeise lebt unter dem Schnee derzeit gut und sicher. Aber ein Mäusebussard sollte am Tag mindestens acht Mäuse fressen. Woher soll er die Beute bekommen?

Was in der Not bleibt, sind vielleicht tote Tiere am Straßenrand oder unvorsichtige Maulwürfe, die sich beim Graben der Luftlöcher zu nah an die Oberfläche wagen. So sitzen Bussarde auf Zaunpfählen und halten Ausschau nach der sich spärlich zeigenden Nahrung. Ein hartes Leben, und manch einer von ihnen ist schon verhungert.

Nicht alle Störche kehren zurück

Und was machen jetzt die Störche? Auch sie werden bald unruhig werden und zu ihren angestammten Nistplätzen wollen. In Kürze werden die ersten bei uns eintreffen. Doch wir müssen damit rechnen, dass bei weitem nicht alle zurückkommen. Einige Nester werden verwaist sein. Denn viele suchten gemeinsam die Nahrungsplätze und Müllkippen in Südeuropa auf. Dabei infizierten sie sich gegenseitig an der Vogelgrippe und starben.

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