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Naturphänomen

THungrige Wespenspinne frisst nach Befruchtung ihr Männchen auf

Die Wespenspinne fällt mit ihrer besonderen Zeichnung auf.

Die Wespenspinne fällt mit ihrer besonderen Zeichnung auf. Foto: Hajo Schaffhäuser

Im August ist das prächtig schwarz-gelb gebänderte Wespenspinnen-Weibchen ausgewachsen und bis zu zwei Zentimeter groß. Die Männchen dagegen misst nur fünf Millimeter.

Von Wolfgang Kurtze 12.09.2026, 12:50 Uhr

Landkreis. Das Leben vieler Spinnen läuft so ab: Die jungen Spinnen schlüpften unter der Obhut ihrer Mutter. Sie behütet ihre Kleinen eine Weile. Dann klettern die Jungen auf hoch aufragende Grashalme oder Büsche. Sie lassen einen möglichst langen Faden aus ihren Spinnwarzen austreten. Der Wind weht, und ab geht der weite Flug der Minispinnen in eine unbekannte Welt.

Mit Glück landen sie an einem für sie günstigen Platz. Hier spinnen sie Fäden und bauen ein Netz. Sie fangen Insekten, häuten sich und wachsen heran. Wenn die Spinnen groß und kräftig genug sind, paaren sie sich, und die Weibchen legen Eier.

Die Entwicklung einer Wespenspinne verläuft etwas anders. Im August ist das prächtig schwarz-gelb gebänderte Wespenspinnen-Weibchen ausgewachsen. Besonders auf Feuchtwiesen fühlt es sich wohl. Bei guter Ernährung kann es fast zwei Zentimeter groß werden.

Meist wird das Spinnenmännchen aufgefressen

Die Männchen sind mit nur fünf Millimeter Länge fast winzig. Die Paarung findet meistens im September statt. Einem paarungsbereiten Weibchen nähert sich das Männchen sehr vorsichtig und übergibt das Spermienpaket. Aber nur wenige Minuten ist es ruhig und friedlich.

Ähnlich wie bei vielen Radnetzspinnen verspeist das Weibchen ihr Männchen. Oft wird es noch während der Paarung eingesponnen und vom Weibchen gefressen. Das erscheint sinnvoll. Wozu das Fleischpaket verkommen lassen? Viel besser ist das Eiweiß im Körper der Spinnenmutter aufgehoben. Denn die Eier sollen sich ja gut entwickeln.

Sehr selten wird beobachtet, dass einem Männchen die Flucht gelingt. Aber ein Bein reißt vielleicht ab, und wenigstens das bleibt beim hungrigen Weibchen zurück. Es benötigt nach der Befruchtung viel Energie.

Weibchen sichert den Nachwuchs im festen Konkon

An einem Septemberabend verlässt das Weibchen ihr Fangnetz und webt für ihre Eier am Boden einen sehr aufwendigen, mehrlagigen Kokon. In den legt es mehrere hundert Eier. Die Eiablage dauert nur wenige Minuten. Um das Eipaket wird wieder ein festes Gespinst angelegt.

Gegen Mitternacht, nach vier bis fünf Stunden intensiver Arbeit, wird der Kokon mit vielen Fäden in den umgebenden Pflanzen verankert. Fertig. Nur kurz kehrt das Weibchen in ihr Netz zurück - wenig später stirbt es.

Nach dem Tod ihrer Mutter schlüpfen die Jungspinnen noch im Herbst. Mütterliche Fürsorge erfahren sie nicht. Sie überwintern im Kokon und bleiben so lange wie möglich in ihrem schützenden Zuhause. Nur zögerlich erkunden sie ihre Umwelt.

Spinnennetz mit auffälligem Zickzackmuster

Erst im Mai verlassen die Kleinen endgültig ihr Zuhause. Sie schießen ihre Flugfäden ab und landen wie andere Jungspinnen im Irgendwo. Sie bauen ein Radnetz mit einer Besonderheit: Sie weben ein auffälliges, zickzackförmiges und von oben nach unten verlaufendes Band. In diesem Geflecht sitzt die Spinne meistens in der Mitte.

Wird sie beunruhigt, versetzt sie ihr Netz in schnelle, schwingende Bewegungen. Damit entsteht ein hell-dunkles, verschwommenes Streifenmuster. Die Vermutung: Die Unschärfe könnte Fressfeinde, zum Beispiel Vögel, irritieren.

Das Jahr 2026 war im Norden Niedersachsens ein gutes Jahr für Wespenspinnen. Die große Hitze haben diese Spinnen anscheinend gut überstanden. Wahrscheinlich deshalb, weil Wespenspinnen ursprünglich in Südeuropa zuhause sind und Extrembedingungen eine Zeitlang ertragen können.

Der Autor, das Buch, die Serie

Was kreucht und fleucht in der Region? Wolfgang Kurtze, promovierter Biologe und Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Die erfolgreiche TAGEBLATT-Serie „Phänomene der Natur“ rückt kurzweilig Wissenswertes aus der Natur in den Mittelpunkt. Der zweite, reich illustrierte und in Jahreszeiten gegliederte Band von Wolfgang Kurtze ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgeber ist die Lions Stiftung Stade zur Förderung des Natur- und Umweltschutzes.

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