TIn Buxtehude ist der Teufel los - Super-Star del Toro begeistert Fans
Didi Senft war nach eigener Aussage schon mehr als 30 Mal bei der Tour de France. Jetzt kennt er auch Buxtehude. Foto: Jan Iso Jürgens
Der kleine Stier posiert mit dem Teufel, die Norweger bringen echte Rennmaschinen mit, ein Profi schwärmt von Buxtehudes cooler Kulisse. Das war der Cyclassics-Sonntag.
Buxtehude. Rote Hörner, Dreizack, Rauschebart - das ist Didi Senft. Viele kennen den ikonischen Radsportfan im Teufelskostüm aus dem Fernsehen. Immer wieder taucht er in den Übertragungen auf und wird im Boulevard als „Tourteufel“ gefeiert. Laut seinem Wikipedia-Eintrag gehört er längst zum Inventar der Radsportszene.
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Am Sonntag steht der Leibhaftige vor der Bühne auf dem Buxtehuder Rathausplatz, empfängt die Profifahrer und lässt sich mit Besuchern fotografieren - im Auftrag des Veranstalters. „Ich denke, mich kennen mehr Fahrer, als ich Fahrer kenne“, sagt er und lächelt schelmisch.

„Tourteufel“ Didi Senft in seiner typischen Pose. Hinter ihm das Team UAE-Emirates um Shootingstar Isaac del Toro (rechts). Foto: Jan Iso Jürgens
Wenige Minuten vor dem Start posiert er mit dem Mexikaner Isaac del Toro, dem Dritten der diesjährigen Tour de France. Die Fotografen stürzen sich auf das Motiv. Der Radsportzirkus ist in Buxtehude angekommen.
„Respekt, mit welchem Tempo die hier hochkommen“
Zum zweiten Mal nach 2025 ist die Hansestadt Startort des 206 Kilometer langen Rennens nach Hamburg. „Buxtehude hat sich wieder von seiner besten Seite gezeigt“, sagt Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt, als sich kurz vor 12 Uhr in der Breiten Straße die 160 Profis zum Start versammeln.
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Doch Buxtehude zelebriert nicht nur die Stars, die vor Kurzem noch durch Frankreich fuhren. Bereits um 8.30 Uhr entern die ersten Jedermänner und -frauen aus Estebrügge kommend die Hansestadt. Auf der 110-Kilometer-Strecke fahren sie über den Koggen-Kreis weiter Richtung Stader Straße.
Cyclassics in Buxtehude 2026
Schon von Weitem ist dort das Summen ihrer Rennräder zu hören, wie ein herannahender Bienenschwarm. „Respekt, mit welchem Tempo die hier hochkommen“, sagt Michael Lemke, der als Streckenposten bei Café Port im Einsatz ist.
Kurze Erleichterung nach dem Anstieg
Etwas weiter oben am Jahnstadion stehen zahlreiche Anwohner an der Strecke. Mit Ratschen und Vuvuzelas feuern sie die Amateure an. So wie Hinnerk und Martin, die mit Radsport eigentlich wenig zu tun haben, aber finden: „Die Cyclassics sind einfach toll für Buxtehude.“ Immer wieder bläst Hinnerk in seine Vuvuzela, läuft neben einzelnen Fahrern her und ruft „Allez, allez!“.

Nicht nur die Fahrer, auch Hinnerk gibt alles. Foto: Scholz
Die Stimmung an der Strecke ist ausgelassen, der Strom der Radfahrer reißt nicht ab.
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Nach dem Anstieg geht es auf Höhe der Finkenstraße bergab. Die Erleichterung ist spürbar. Die Amateure treten kurz nicht in die Pedale, nehmen einen Schluck oder greifen zum Gel. „Alle da?“, fragt der Fahrer an der Spitze einer Gruppe. „Ja.“ - „Dann trinken.“ Der nächste Anstieg Richtung Wachtelburg ist bereits in Sicht.
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Wo geht es zum nächsten Bahnhof?
Von Stürzen ist anders als im vergangenen Jahr, als es im Alten Land mehrere Unfälle gab, wenig zu hören. Ein Ordner berichtet von einem ihm bekannten Sturz. Der Fahrer sei ins Krankenhaus gebracht worden.
Am späten Nachmittag stellte sich heraus, dass ein Fahrer im Krankenhaus verstorben war. Der 70-Jährige hatte am Jedermann-Rennen teilgenommen und im Hamburger Stadtteil Altona einen Schwächeanfall erlitten.
Ein anderer Teilnehmer habe auf Höhe Café Port aufgeben müssen - er sei völlig erschöpft. Ein halbes Jahr Vorbereitung sei damit für die Tonne, ärgerte er sich und erkundigte sich gleich nach dem Weg zum Bahnhof.

Die Amateure sind in Hamburg gestartet und erreichen Buxtehude aus Estebrügge kommend. Foto: Jan Iso Jürgens

Buxtehude war zum zweiten Mal nach dem vergangenen Jahr Teil der Cyclassics. Foto: Jan Iso Jürgens
Und immer wieder stehen Menschen mit selbst gebastelten Transparenten am Straßenrand und halten Ausschau nach Freunden und Verwandten. Etwa Silke aus Dortmund, die ihren Mann in einer Gruppe auf Höhe der Kloster-Apotheke entdeckt. „Jürgen!“, ruft sie. Er winkt ihr zu. Oder Yorick Reese aus Hechthausen, der mit seiner Familie seinen Bruder Rouven anfeuert. „Wir sind jetzt schon stolz auf dich!“, steht auf einem Stück Pappkarton. Noch etwa 70 Kilometer liegen vor ihm.
Norweger bringen ihre Rennmaschinen mit
Derweil beginnt sich am anderen Ende der Stadt, das Fahrerlager auf dem Supermarkt-Parkplatz am Westmoor zu füllen. Der gelbe Bus des norwegischen Teams Uno-X Mobility macht den Anfang.

Zahlreiche Fans und Interessierte kamen am Sonntag im Fahrerlager vorbei. Foto: Jan Iso Jürgens

Die Teams haben in der Regel zwei Rennräder pro Fahrer dabei. Foto: Jan Iso Jürgens
Davor werden die Rennräder der sieben Fahrer aufgebaut. Auf dem Oberrohr steht „Noah Fast“ aufgedruckt - ein Hinweis darauf, dass es sich um echte Rennmaschinen handelt. Immerhin sind die Cyclassics ein Rennen für Sprinter.
Viel werde an den Rädern jetzt nicht mehr gemacht, sagt Mechanikerin Janine Buschmeyer, die kürzlich bei der Tour de France der Frauen im Einsatz war. Nur ein Kollege befüllt die Reifen noch mit dem gewünschten Druck.

Uno-X-Mechanikerin Janine Buschmeyer. Foto: Jan Iso Jürgens
„Das Set-up steht“, sagt sie. Kostenpunkt pro Rad: ein guter fünfstelliger Betrag. Insgesamt hat das Team zwei Räder pro Fahrer dabei.
Die Stars sitzen noch hinter abgedunkelten Scheiben
Viele Radsportfans nutzen die Gelegenheit, die Profis aus nächster Nähe zu erleben. Toni und Felix etwa sind extra zwei Stunden gefahren, um das noch junge Team Unibet Rose Rockets um Vorjahressieger Rory Townsend zu unterstützen. Über Social Media seien sie Fans des Teams geworden.
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„Die Aufstiegsgeschichte ist echt krass: von nichts zum Pro-Team“, erklärt Felix. Mit einem Transparent („Let’s Go! Rockets“) stehen die beiden vor dem Teambus. Der Busfahrer überreicht ihnen eine Trinkflasche. „Best bus driver!“, ruft Felix ihm hinterher.

Isaac del Toro kurz vor dem Rennstart in Buxtehude. Foto: Jan Iso Jürgens
Viele Fahrer wie Shootingstar Isaac del Toro sitzen noch in den komfortablen Bussen mit abgedunkelten Scheiben. Der sportliche Leiter seines Teams UAE-Emirates, Andrej Hauptman, verschafft sich dagegen draußen einen Eindruck vom Geschehen: „Es ist schön, hier zu sein. Wir fühlen uns willkommen“, sagt er.
„So dicht wie hier kommt man an die Fahrer nicht heran“
Die Fans ergattern Autogramme und Selfies. Vor dem gelben Visma-Bus schreibt Lokalmatador Niklas Behrens aus Bremen Autogramme, bevor er zum Start in die Altstadt rollt. Auch die Familien Hellmig und Szillat aus Buxtehude und Nottensdorf mögen die Nähe zu den Profis. Sie waren dieses Jahr erstmals bei der Tour de France und haben drei Etappen verfolgt. Jetzt laufen sie in grünen Sprinter- und gepunkteten Kletterer-Trikots durch das Fahrerlager. „So dicht wie hier kommt man an die Fahrer nicht heran“, sagt Thorsten Hellmig.
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Nur noch wenige Minuten bis zum Start. Noch am Vorabend haben Tausende Menschen auf dem Rathausplatz beim Weinfest gefeiert. Jetzt steht dort eine Bühne, jedes Team und jeder Fahrer wird vorgestellt. Der Platz ist gut gefüllt.
Der deutsche Profi John Degenkolb, der für ein niederländisches Team an den Start geht, lobt die Atmosphäre bei seinem ersten Besuch in Buxtehude. „Es ist mit den Klinkersteinen und den Fachwerkhäusern eine coole Kulisse“, sagt der 37-Jährige dem TAGEBLATT.
Der Edelfan posiert mit dem Shootingstar
Besonders laut wird es, als der Tour-Dritte Isaac del Toro, Spitzname „kleiner Stier“, mit seinem Team die Bühne betritt. „Ich freue mich, hier zu sein“, sagt der 22-jährige Mexikaner. „Wir werden auf jeden Fall angreifen.“ Anschließend posiert er mit Didi Senft für ein Foto. Während del Toro in die Kameras lächelt, reißt der Edelfan Mund und Augen weit auf - seine typische Teufelsgrimasse.

160 Fahrer, 22 Teams: Kurz vor 12 Uhr gehen die Profis auf die 206 Kilometer lange Strecke nach Hamburg. Foto: Jan Iso Jürgens
Auch beim Start ist Didi Senft dem Fahrerfeld ganz nah. Der 74-Jährige steht direkt neben dem Startbogen und erzählt, dass er zu DDR-Zeiten selbst Amateur-Radrennfahrer war und als Zuschauer schon über 30 Mal bei der Tour de France dabei war. Und nun kennt der Mann im Teufelskostüm auch die Hansestadt Buxtehude.
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