TIntelligente Stromzähler: Nutzen, Kosten und Probleme beim Umstieg
Smart Meter ermitteln den Stromverbrauch und können die erhobenen Daten direkt etwa an den Stromversorger oder den Netzbetreiber versenden. Foto: Markus Scholz/dpa/dpa-tmn
Der neue Zähler soll beim Stromsparen helfen, sorgt aber oft für viele Fragen. Wie Smart Meter funktionieren und wer für Einbau und Fehlerbehebung zuständig ist.
Himmelpforten. Smart Meter sind für viele Haushalte im Landkreis Stade noch abstrakt - bis ein Infoschreiben im Briefkasten liegt. Der Fall von Rainer Nickel aus Himmelpforten zeigt: Die Technik kann helfen, den Verbrauch im Blick zu behalten, sorgt aber beim Rollout (Auslieferung) auch für Fragen und manchmal für Ärger.
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Bundesweit werden Schritt für Schritt Millionen Zähler umgerüstet - auch im Netzgebiet von EWE Netz. Hier die wichtigsten Punkte rund um Einbaupflicht, Funktion, Sicherheit und Probleme beim Smart-Meter-Rollout im Netzgebiet von EWE Netz.
Was ist ein Smart Meter?
Ein Smart Meter ist ein intelligentes Messsystem aus digitalem Zähler und Gateway – einer Box, die Verbrauchsdaten verschlüsselt über Mobilfunk überträgt. Im Unterschied zum traditionellen Ferraris-Zähler mit Drehscheibe liefert es Echtzeitdaten, die Grundlage für flexible Stromtarife und mehr Netzstabilität sind.
Welche Vorteile bieten sie für Verbraucher?
Verbraucher können ihren Stromverbrauch genauer nachvollziehen, Einsparpotenziale erkennen und Stromfresser aufspüren. In Kombination mit flexiblen Tarifen ermöglichen sie günstigere Preise zu bestimmten Tageszeiten.
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Dies hilft insbesondere dann, wenn man im Haushalt ein smartes Energiemanagement nutzt und etwa günstig wärmt, bevor der Strompreis steigt. Langfristig trägt die Technik zur Netzstabilität bei, da Verbrauch und Erzeugung erneuerbarer Energien besser aufeinander abgestimmt werden können.
Wie ist die Situation bei EWE Netz?
Im gesamten Netzgebiet hat EWE Netz etwa 90.000 intelligente Messsysteme installiert (Stand: Ende Dezember 2025). Zahlen für einzelne Landkreise liegen derzeit nicht vor.
Die für 2025 vorgegebene Einbauquote von 20 Prozent erreichte das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits im August, im Dezember lag der Wert bei rund 26 Prozent.
Mehr als 90 Prozent der Zähler funktionieren einwandfrei. Die Fehlerquote liegt im niedrigen einstelligen Prozentbereich und entspricht dem bundesweiten Schnitt, so EWE Netz.
Wie werden die Daten übertragen und wer hat Zugriff?
Das Gateway überträgt verschlüsselte Verbrauchsdaten per Mobilfunk durch sieben getrennte IT-Systeme – eine gesetzlich vorgeschriebene Trennung zum Datenschutz. Die Daten gehen zunächst an den Gateway-Administrator, einen technischen Dienstleister, dann zum Messstellenbetreiber wie EWE Netz und schließlich zum Stromanbieter für die Abrechnung.
Erfasst wird der Stromverbrauch viertelstündlich. Zugriff haben ausschließlich Messstellenbetreiber und Stromanbieter. Die Systeme unterliegen hohen Sicherheitsstandards des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) mit Verschlüsselung und mehreren Sicherheitsebenen.
Die Verbraucher können am Gerät selbst auf verschiedene Daten zugreifen. Auf den Zählerstand sowieso, aber auch auf historische Verbrauchsdaten. Dafür benötigen sie eine PIN, die über das Kontaktformular auf ewe-netz.de angefordert werden kann.
Wer muss ein Smart Meter einbauen lassen?
Eine Einbaupflicht besteht ab 6000 Kilowattstunden Jahresverbrauch oder bei Stromerzeugungsanlagen über 7 Kilowatt Leistung, etwa Solaranlagen. Haushalte unterhalb dieser Grenzen können freiwillig wechseln.

Übersicht, für wen Smart Meter verpflichtend sind. Foto: TAGEBLATT/NotebookLM
Der grundzuständige Messstellenbetreiber ist gesetzlich verpflichtet, den Zähler zu installieren. Die Regelungen ergeben sich aus dem Messstellenbetriebs- und Energiewirtschaftsgesetz.
Wer ist mein Ansprechpartner?
Der Messstellenbetreiber ist für Einbau, Betrieb und Wartung zuständig – im Landkreis Stade in der Regel EWE Netz.
Verbraucher können auch einen anderen Messstellenbetreiber wählen. Er ist direkter Ansprechpartner bei Fragen, Terminen oder technischen Problemen.
Wie läuft die Installation ab und wie lange dauert sie?
Der Einbau wird gesetzlich mindestens drei Monate vorher angekündigt. Der Termin erfolgt meist innerhalb von ein bis zwei Wochen.
Ein Techniker tauscht den alten Zähler in der Regel in 15 bis 30 Minuten aus. Anschließend laufen automatische Prozesse – meist ist das Smart Meter nach weniger als vier Wochen vollständig funktionsfähig.
Was kostet ein Smart Meter?
Die jährlichen Betriebskosten sind gesetzlich gedeckelt. Für Haushalte zwischen 6000 und 10.000 Kilowattstunden liegen sie bei maximal 100 Euro pro Jahr.
Bei EWE Netz zahlen die Kundinnen und Kunden 40 Euro im Jahr, nach aktuellem Preisblatt. Die restlichen 60 Euro übernimmt der Staat.
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Bei geringerem Verbrauch oder freiwilligem Einbau sind es meist 20 bis 60 Euro jährlich. Die Installationskosten sind in den jährlichen Gebühren enthalten.
Warum funktioniert mein Smart Meter nicht und was kann ich tun?
Der häufigste Grund ist schlechter Mobilfunkempfang, besonders bei Zählerkästen im Keller. Das Gateway braucht wie ein Smartphone ausreichenden Empfang.
Ein weiteres Problem: Eines der beteiligten IT-Systeme erkennt den Zähler nicht. Der automatische Ablauf stoppt dann bewusst aus Sicherheitsgründen.
Kontaktieren Sie Ihren Messstellenbetreiber und beschreiben Sie das Problem möglichst konkret. Je präziser, desto schneller lässt sich der Fehler eingrenzen.
Warum dauert die Fehlerbehebung so lange?
Sonderfälle dürfen gesetzlich nicht automatisiert gelöst werden. Bei diesen muss ein Spezialist manuell eingreifen. Die gesetzlichen Vorgaben legen genau fest, welcher Beteiligte welche Daten bearbeiten darf.
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Mehrere Spezialisten müssen sich durch mehrere Systeme arbeiten und mit Gateway-Administrator, Mobilfunkanbieter oder Software-Lieferanten abstimmen.
Ein qualifizierter Mitarbeiter muss dabei manuell prüfen und sich an gesetzliche Prüfpflichten halten, die nicht beschleunigt werden dürfen. EWE Netz darf erst weiterarbeiten, wenn eine andere Stelle ihre Prüfung abgeschlossen hat.
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