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Oberliga-Handball

TIst der VfL Horneburg schon bereit für die Regionalliga?

Theo Bode spielt in der A-Jugend, gehört aber auch zum Stamm der Oberliga-Herren.

Theo Bode spielt in der A-Jugend, gehört aber auch zum Stamm der Oberliga-Herren. Foto: Berlin

Horneburgs Handballer stehen schon wieder auf einem Aufstiegsplatz. Aber ist das Projekt schon reif für den nächsthöheren Schritt?

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Von Lars Wertgen
Mittwoch, 25.02.2026, 05:50 Uhr

Horneburg. Vor knapp zwei Jahren war der VfL Horneburg nur eine von vielen Handballmannschaften im Kreis Stade, spielte in der Landesliga.

Keine 22 Monate später führt das Team die Oberliga Männer Nord an - mit 29:5 Punkten und einem Torverhältnis von plus 113.

Nach zwei Aufstiegen in Folge steht der Klub nun vor der Frage: Sind wir bereit für die Regionalliga? Bevor die Frage relevant wird, müssen sie aber in den verbleibenden neun Spielen die sportliche Grundlage schaffen.

Momentum ist geblieben

„Wir sorgen zwischen den vielen etablierten Teams für einen Überraschungseffekt und haben ein Momentum“, sagte Trainer Max Alpers im November 2025. Inzwischen ist der Überraschungseffekt passé. „Wir sind mittlerweile die Gejagten“, sagt Alpers - aber das Momentum ist geblieben.

Der VfL hat in der Hinrunde erfolgreich gegen alle Spitzenteams gespielt. Letzte Woche gewann Horneburg bei der heimstarken HSG Delmenhorst und zuvor mit elf Toren gegen den Tabellendritten TV Oyten.

Es ist nur noch ein Zweikampf

Oben bilden derzeit Horneburg und Bremen-Ost das alleinige Spitzenduo. Der VfL hat auf die SG drei Punkte Vorsprung. „Es wird konkreter“, sagt Alpers, „aber wir müssen wach bleiben.“

Max Alpers.

Max Alpers. Foto: Eldorando Werbeagentur (nomo)

Er meint nicht nur das Gastspiel bei Bremen-Ost am vorletzten Spieltag, sondern auch die vermeintlich leichteren Gegner - die klassischen Stolpersteine. Horneburg kassierte eine der beiden Niederlagen beim Vorletzten TuS Haren.

Immerhin: Sechs der letzten neun Spiele bestreitet der VfL zu Hause - und ist in der Halle an der Hermannstraße noch ungeschlagen. Zudem wirkt das Team bislang nicht nervös: „Die Mannschaft spielt weiter grundsolide, der Spielwitz ist geblieben“, sagt Alpers.

Horneburg hat immer eine Alternative

Die Breite des Kaders ist Horneburgs Trumpf. Immer wieder wechseln sich Spieler im Kader ab, erledigen ihre Aufgaben, wenn sie gebraucht werden. Torhüter Nico Matthies lieferte gegen Delmenhorst nach langer Verletzungspause ein starkes Comeback.

„Unsere Gegner können sich so nie voll auf uns einstellen, und wir können Ausfälle kompensieren“, erklärt Alpers. „Das macht im Laufe einer Saison viel aus.“

Josua Schleßelmann ist derzeit Horneburgs erfolgreichster Torschütze.

Josua Schleßelmann ist derzeit Horneburgs erfolgreichster Torschütze. Foto: Berlin

Bundesligaspieler unterstützen

Wie ernst es der VfL meint, zeigte sich zuletzt: In Delmenhorst liefen vier A-Jugend-Bundesligaspieler auf, darunter Josua Schleßelmann und Luis Prochaska. Das machen sie bereits die ganze Saison, aber erstmals half die Jugend aus, obwohl sie parallel in Hamburg spielte.

Eine strategische Entscheidung, so Alpers. Die A-Jugend hat ihren Platz in der 2. Bundesliga sicher und andere Talente bekamen gegen den HSVH Spielzeit, während die Herren von den besten Nachwuchsspielern profitierten.

Das Projekt „VfL-Family“ zieht an

Die Gedankenspiele Richtung Regionalliga laufen. Trainerteam, um Alpers und Partner Nils Peper, und Vereinsführung sprechen mit Talenten und Routiniers - manche um die 40 Jahre alt. Geben Talent, Körper und alltägliche Verpflichtungen einen weiteren Aufstieg her?

Mit Torhüter Dennis Klingebiel vom SV Beckdorf steht bereits eine Neuverpflichtung fest und es dürfte neue Gesichter geben. Mehrere Spieler melden bereits Interesse am VfL.

Wirtschaftlich herausfordernd

„Wenn wir aufsteigen, soll das kein Ausflug sein“, betont Alpers. Der VfL wolle sich solide etablieren. Strukturell ist der Verein gut vorbereitet.

Die A-Jugend erfüllt im Alltag bereits die hohen Verbandsvorgaben der Bundesliga, da wäre eine Regionalligasaison organisatorisch machbar.

Wichtig sei, so Alpers, genügend ehrenamtliche Unterstützung zu gewinnen, um den Eventcharakter der Spiele aufrechtzuerhalten.

Auch wirtschaftlich gilt es, den nächsten Schritt zu planen. Der Vereinsbus alleine wäre künftig zu klein, längere Fahrten erfordern größere Lösungen - und höhere Kosten.

Doch Horneburg spürt Rückenwind. Bestehende Sponsoren fördern das Projekt, neue signalisieren Interesse.

Ein altes Derby winkt

Zurückgreifen kann das junge Trainerduo auf Erfahrung: Stefan Hagedorn, Handball-Chef und selbst Trainer des VfL, gilt als ihr Mentor. Er war auch schon prägend dabei, als Horneburg zuletzt in der Regionalliga spielte.

Der VfL stieg 2008 ab. Seitdem gab es in der Liga kein traditionsreiches Derby mit dem SV Beckdorf. Ein solches Nachbarschaftsduell wäre ein Gewinn für den Handball im Kreis Stade.

„Es wäre ein Segen, in der Wahrnehmung wieder so eine Rolle zu spielen und sich mit starken Beckdorfern messen zu dürfen“, sagt Alpers.

Horneburg will Aufstiegshoffnung nicht zu groß machen

Bei einem Aufstieg wären wohl drei Mannschaftstrainings pro Woche statt bisher zwei nötig. Dies würde zusätzliche Hallenzeiten erforderlich machen und müsste organisiert werden.

Langfristig geht es vielleicht auch um neue finanzielle Strukturen. Noch spielt Geld keine Rolle. Die Horneburger setzen auf Identifikation, Gemeinschaft und sportliche Perspektive.

Und obwohl Horneburg die mögliche Regionalliga schon bespricht und sich jede Eventualität vorbereiten möchte, mahnt Alpers: „Wir müssen aufpassen, dass das Thema in den Köpfen der Spieler nicht zu groß wird.“

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