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Straßenprojekt

TKampf um A20 und neuen Elbtunnel: So geht es jetzt weiter

Die Küstenautobahn wird in der jetzigen Linienführung seit 1992 geplant.

Die Küstenautobahn wird in der jetzigen Linienführung seit 1992 geplant. Foto: dpa/Redaktion

Nach langem Ringen erreicht die Autobahn A20 eine entscheidende Phase: Am 22. April beginnt das Bundesverwaltungsgericht mit der Verhandlung zum Kehdinger Kreuz.

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Von Karsten Wisser
Montag, 23.03.2026, 20:42 Uhr

Landkreis. Nach jahrzehntelangem Planen und Streiten geht das größte Straßenprojekt Norddeutschlands in die entscheidende Phase. Erreicht die Autobahn A20 die Elbe, und wird der neue Elbtunnel zwischen Glückstadt und Drochtersen-Ritsch gebaut? Autobahngegner und Befürworter stehen sich unversöhnlich gegenüber.

Die Autobahnen im Norden im Überblick.

Die Autobahnen im Norden im Überblick. Foto: DEGES

Während Befürworter auf eine Entlastung des Hamburger Verkehrs und wirtschaftlichen Aufschwung hoffen, warnen Gegner vor massiven Umweltschäden. Die Gerichte entscheiden über das Schicksal der Küstenautobahn.

Drei private Klagen gegen das Kreuz Kehdingen

Das erste Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zum Thema A20 startet am Mittwoch, 22. April 2026. Zum Kreuz Kehdingen gibt es drei Klagen von Privatleuten. Am Kehdinger Kreuz sollen sich die A20 und die Autobahn A26 treffen. Funktioniert das, gibt es eine weiträumige Umfahrung für Hamburg und das Verkehrs-Nadelöhr Elbtunnel.

Zwei Klagen werden im April verhandelt. Eine weitere Klage wurde ausgesetzt. Wer die Kläger sind, ist nicht bekannt. Den Planfeststellungsbeschluss gibt es nach fast acht Jahren Planung seit Februar 2025.

BUND Niedersachsen klagt gegen sechsten A20-Abschnitt

Die Umweltverbände haben auf Klagen verzichtet. Das bedeutet keine Zustimmung zum Projekt. Das Autobahnkreuz südlich von Drochtersen wird nur gebaut, wenn die anderen Abschnitte rechtskräftig werden, und die bekämpfen die Gegner. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Niedersachsen hat am 10. März 2026 beim Bundesverwaltungsgericht Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss für den sechsten Abschnitt eingereicht. Dieser Abschnitt soll zwischen Bremervörde und Elm auf 12,4 Kilometern Länge gebaut werden.

Der A20-Abschnitt 6 beginnt in etwa an der Kreisgrenze und führt über die Oste und nördlich von Bremervörde bis nach Glinde.

Der A20-Abschnitt 6 beginnt in etwa an der Kreisgrenze und führt über die Oste und nördlich von Bremervörde bis nach Glinde. Foto: Autobahn GmbH

Susanne Gerstner, Vorsitzende des BUND Niedersachsen, erklärt den Widerstand gegen die Autobahn so: „Die A20 gilt als das umwelt- und klimaschädlichste Neubauprojekt des Bundesverkehrswegeplans.“ Die geplante Trasse würde unzerschnittene Naturräume und wertvolle Moorböden zerstören, wodurch Tausende Tonnen CO₂ freigesetzt würden.

Tunnel-Anschluss: Anfang April läuft die Klagefrist ab

Die zentrale Auseinandersetzung um die Frage, ob der neue Elbtunnel gebaut werden kann, spielt sich in Schleswig-Holstein ab. Für den siebten Bauabschnitt der A20 in Schleswig-Holstein von der B431 bei Glückstadt bis zur Autobahn A23 bei Hohenfelde wurde der Planfeststellungsbeschluss am 22. Januar 2026 erlassen. Damit ist das Baurecht für diesen Abschnitt offiziell erteilt.

Das Kehdinger Kreuz und der siebte Abschnitt in Schleswig-Holstein müssen beide Baureife haben, damit die Bauarbeiten für den Tunnel beginnen können.

Die Klagefrist für den Abschnitt sieben hängt von der individuellen Zustellung der Unterlagen für den Planfeststellungsbeschluss ab. Den Trägern öffentlicher Belange sowie den anerkannten Naturschutzvereinigungen wurde der Beschluss laut schleswig-holsteinischem Verkehrsministerium Anfang März zugestellt. Die Klagefrist läuft einen Monat, bis Anfang April.

Siebter Bauabschnitt: Noch keine Klagen aus Schleswig-Holstein

Bei allen anderen Betroffenen läuft die Klagefrist bis zum 23. April. „Bisher liegen unserem zuständigen Amt für Planfeststellungen noch keine Klagen vor. Einzelne Institutionen haben sich per Presseerklärungen Klagen vorbehalten. Dies bleibt abzuwarten“, sagt Harald Haase, Pressesprecher des Ministeriums, dem TAGEBLATT.

„Wir haben uns noch nicht festgelegt“, sagt auch Sina Clorius. Sie ist beim BUND Schleswig-Holstein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Es gebe aktuell intensive Gespräche mit verschiedenen Gruppen, Organisationen und Fachanwälten, um das zu klären. Sie nennt den 2. April als Ende der Klagefrist.

A20-Tunnelbau: Autobahn GmbH sichert Bestandskraft

Dabei könnte der neue Elbtunnel ohne die Verknüpfung mit den Anschluss-Abschnitten schon längst gebaut werden. Für ihn gibt es zwei Planfeststellungsbeschlüsse - einen für die niedersächsische Hälfte und einen für die schleswig-holsteinische Hälfte. Der Planfeststellungsbeschluss für Niedersachsen ist am 10. November 2016 bestandskräftig geworden. Der Elbquerungsabschnitt auf der schleswig-holsteinischen Seite ist seit 23. April 2023 bestandskräftig. Die Klagen von Umweltverbänden waren erfolglos.

Die Karte zeigt den Streckenverlauf der A20 im Landkreis Stade, vom Kehdinger Kreuz bis nach Behrste.

Die Karte zeigt den Streckenverlauf der A20 im Landkreis Stade, vom Kehdinger Kreuz bis nach Behrste. Foto: Autobahn GmbH

Nach zehn Jahren drohte der Beschluss auf niedersächsischer Seite auszulaufen. Planfeststellungsbeschlüsse haben nur eine Bestandskraft von zehn Jahren. Die Gefahr wurde 2025 öffentlich diskutiert. Inzwischen hat die zuständige Autobahn GmbH eine Möglichkeit gefunden, das zu verhindern.

Kauf des Gauensieker Sands rettet A20-Weiterbau

„Mit dem Grunderwerb des Gauensieker Sands auf niedersächsischer Seite durch die Autobahn GmbH des Bundes und der Umsetzung der CEF-Maßnahme auf diesem Gebiet noch in 2025 wurde der so genannte Durchführungsbeginn des Planfeststellungsbeschlusses erreicht“, sagt Ulf Evert von der Projektkoordination und -kommunikation der Projektgesellschaft Deges.

Deges steht für Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH und ist eine gemeinsame Projektgesellschaft des Bundes und der Länder. Evert: „Somit ist ein Verfall abgewendet.“ Die beiden Verkehrsministerien und die Autobahn GmbH bestätigen das. Die Deges baut die A20 in Schleswig-Holstein.

Elbtunnelbau: Umweltschützer akzeptieren Bestandskraft

Auch die Autobahngegner akzeptieren das. „Da die Durchführung von CEF-Maßnahmen zwingend vor Beginn des tatsächlichen Eingriffes erforderlich ist, ist davon auszugehen, dass sie nicht nur eine geringfügige Bedeutung für die Umsetzung des Planfeststellungsbeschlusses haben“, sagt Lara Krauße, Pressesprecherin des BUND Niedersachsen. Deshalb habe der Planfeststellungsbeschluss auch aus Sicht der BUND-Juristen Bestand. In Niedersachsen baut die Autobahn GmbH.

„Als Beginn der Durchführung des Plans gilt jede erstmals nach außen erkennbare Tätigkeit von mehr als nur geringfügiger Bedeutung zur plangemäßen Verwirklichung des Vorhabens“, heißt es im entsprechenden Verwaltungsverfahrensgesetz.

Autobahnkreuz und Elbtunnel kosten 2,1 Milliarden

Als CEF-Maßnahmen werden im Bereich der Eingriffsregelung Maßnahmen des Artenschutzes verstanden. CEF steht für „continuous ecological functionality-measures“, das sind vorgezogene Ausgleichsmaßnahmen. Sie müssen vor Baubeginn umgesetzt werden, um die ökologische Funktion von Fortpflanzungs- oder Ruhestätten geschützter Arten im räumlichen Zusammenhang zu sichern, da durch den Bau Lebensräume zerstört werden.

Autobahn GmbH und Deges beziffern die Baukosten für den A20-Tunnel und das Autobahnkreuz Kehdingen jetzt auf 2,191 Milliarden Euro. Die Gesamtkosten für die Küstenautobahn werden auf 8,5 Milliarden Euro geschätzt. Die A20 übernimmt laut Autobahn GmbH in Norddeutschland verkehrspolitisch eine herausragende Funktion für den internationalen und nationalen Wirtschaftsverkehr und ist ein wichtiger Baustein zur Erschließung des nordwestdeutschen Raumes.

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