TKaum zu entdecken: Der perfekt getarnte Mini-Schmetterling
Kaum als Schmetterlingsraupe zu erkennen: Die Sackträgerraupe. Foto: Paulin
Manchmal sind an Hauswänden kleine, fest aneinandergefügte Steinchen, Blättchen oder Nadeln zu finden. In solchen Köchern leben winzige Raupen.
Landkreis. In solchen Köchern oder Säckchen leben wenige Millimeter lange Schmetterlingsraupen. Kein Wunder, dass die Tierchen, die sich in diesen unscheinbaren Köchern verstecken, erst im vorletzten und letzten Jahrhundert genauer untersucht wurden. Sackträger werden diese minikleinen Schmetterlinge genannt. Ihre Entwicklung vom Ei bis zum Schmetterling ist höchst merkwürdig.
Mit ihrem Köcher im Gepäck und perfekt getarnt klettern die Sackträger-Raupen im Schneckentempo an Grashalmen oder am Boden umher. Hier fressen sie Pflanzenreste, Algen, Flechten oder Blättern. Die Köcher werden von den Räupchen höchst kunstvoll gebaut.
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Jede Sackspinner-Art hat ihren unverwechselbaren Baustil: Zum Beispiel gibt es Sackträger-Raupen, die ausschließlich Fichtennadeln zum Bau ihrer Behausung benutzen. Andere Arten fügen Rindenteile oder Steinchen aneinander, wieder andere nutzten ausschließlich kleinste Zweige, die sie zusammenkleben. Ihre Tarnzelte werden meistens in Form eines Türmchens gebaut. Aber es gibt unter den Sackträgern wahre Architekten, die ihre Unterkunft in Form eines Schneckenhauses formen.
Sackträgerraupen verpuppen sich fast ein ganzes Jahr
Nach einer langen Raupenzeit von nahezu einem Jahr verpuppen sich die Raupen. Dabei bleiben sie in ihrem sackförmigen Gehäuse. Vorher suchen sie einen Ort auf, der sie möglichst unsichtbar tarnt.
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Sackträgerraupen mit Rindenstückchen zum Beispiel verpuppen sich an der Borke eines Baumes. Nach wenigen Wochen schlüpfen die ausgewachsenen Tierchen aus der Puppe. Die unscheinbaren männlichen Tiere besitzen Flügel. Sie schieben sich aus dem Sack und fliegen davon. Die Weibchen aber sind flügellos, haben weder Fühler noch Augen. Sie bleiben in ihrer Behausung - und warten.
Sie sind quasi Stubenhockerinnen, bewegen sich nicht, sondern aber reichlich Duftstoffe ab. Das lockt die beflügelten Männchen aus vielen Hundert Metern Entfernung an. Zielgerichtet und ohne Umwege fliegen sie zu den flügellosen Weibchen und paaren sich mit ihnen. Es gibt aber ein Problem.
Schnelle Paarung, bevor das Männchen stirbt
Die Partner leben nur wenige Stunden, ihr Sexleben muss deshalb zeitlich sehr exakt aufeinander abgestimmt sein. Die Paarung geht sehr schnell vor sich. Bald danach stirbt das Männchen. Die Weibchen leben ein paar Stunden länger und legen während dieser Zeit die Eier ab. Dann ist das kurze Falterleben der Sackträger vorbei.
Die aus dem Ei geschlüpften Raupen ernähren sich noch ein paar Tage von den kargen Resten der Mutter. Dann müssen sich die Miniraupen ihre passende Tarnung zusammensuchen und den Köcher basteln. Das versteckte Raupenleben beginnt von vorn.
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Entomologen wissen noch längst nicht alles über diese merkwürdigen Sackträger. So wurde erst vor wenigen Jahrzehnten dies entdeckt: Das verführerische Locken der Weibchen mit Duftstoffen ist vergebens, wenn kein Männchen zur Paarung erscheint. Für solche Situationen haben einige Arten vorgesorgt.
Ihre Lösung: Nach verstrichener Paarungszeit legen diese Weibchen unbefruchtete Eier ab. Diese Eier enthalten aber nur die Gene des Weibchens, und aus ihnen können sich deshalb nur Weibchen entwickeln. Deshalb müsste diese Sackträger-Art überwiegend aus weiblichen Tieren bestehen. Das ist aber nicht so. Ursache unbekannt.
Der Autor, die Serie und das Buch
Was kreucht und fleucht in der Region? Wolfgang Kurtze, promovierter Biologe und Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Die erfolgreiche TAGEBLATT-Serie „Phänomene der Natur“ rückt kurzweilig Wissenswertes aus der Natur in den Mittelpunkt. Der zweite, reich illustrierte und in Jahreszeiten gegliederte Band von Wolfgang Kurtze ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgeber ist die Lions Stiftung Stade zur Förderung des Natur- und Umweltschutzes.
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