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TKernfusion-Forschung: Deshalb fiel die Entscheidung gegen Stade

Dieses Bild zeigt, wie der Demonstrationsreaktor in Stade hätte aussehen können. Es ist die lllustration des zukünftigen Standorts von Proxima Fusion.

Dieses Bild zeigt, wie der Demonstrationsreaktor in Stade hätte aussehen können. Es ist die lllustration des zukünftigen Standorts von Proxima Fusion. Foto: Proxima Fusion/GRAFT Architects

Stade verliert eine Milliardeninvestition an München: Wie die Hoffnung auf den weltweit ersten Fusionsreaktor zerplatzte.

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Von Karsten Wisser
02.09.2026, 06:36 Uhr

Buxtehude. Proxima Fusion geht nach München – Stade verliert die erhoffte Milliardeninvestition. Die Hoffnung in Stade, Standort des weltweit ersten Fusionsreaktors zu werden, war groß. Eine Anekdote zeigt das: Die Stadtverwaltung hatte einen Willkommensbrief für Proxima Fusion vorbereitet, der sofort nach der offiziellen Verkündung des Projekts rausgehen sollte. In Stade herrschte Hoffnung – besonders nach dem 27. Oktober 2025.

An diesem Tag trafen sich Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies sowie Vertreter von Stadt und Landkreis Stade auf dem Gelände des im Abriss befindlichen Atomkraftwerks. Proxima Fusion schaltete sich digital zu. Anlass war die Orbitale, eine Kunstinszenierung im Sicherheitsbehälter des Kraftwerks als Abschied vom AKW.

Absage erreicht die Stader über die Medien

Nach dem 27. Oktober erwartete man in Stade, dass auf dem Gelände bald wieder Energie entsteht. Vor Lies’ Besuch gab es mehrere digitale Abstimmungen und einen Entwurf für eine unverbindliche Grundsatzvereinbarung.

Die enge Verzahnung mit der Stader Chemieindustrie galt als Pluspunkt. Platz gibt es auf dem Gelände des alten AKW auch. Im Herbst 2027 soll der Standort aus der atomrechtlichen Überwachung entlassen werden.

Zwischen dem 27. Oktober 2025 und dem 26. Februar 2026 lief etwas schief. „Wir erfuhren aus dem Handelsblatt, dass Proxima Fusion nach München geht“, sagt ein Stader Insider. Mehrere Beteiligte bestätigen den Ablauf. Die Staatskanzlei führte die Gespräche und erklärte die Standortwahl als unternehmerische Entscheidung.

Akteneinsicht soll Gründe für Scheitern klären

Um Klarheit zu schaffen, beantragte die Stader Landtagsabgeordnete Melanie Reinecke Akteneinsicht. Eine Nachfrage im Wissenschaftsausschuss ergab, dass die Landesregierung bis Ende des Jahres braucht, um die Akten vorzubereiten. Niedersachsens CDU-Oppositionsführer Sebastian Lechner machte die gescheiterte Ansiedlung beim Wahlkampfauftritt mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in Stade öffentlich.

Möglich, dass Proxima München vorzog, weil Bayern die Standortwahl mit 400 Millionen Euro fördert. Proxima sammelte selbst 411 Millionen Euro und ist laut Max-Planck-Institut das höchstbewertete europäische Fusionsunternehmen. Zu den Investoren zählen Google, RWE und andere.

„Stade hatte die Chance auf eine Milliardeninvestition und einen Kernfusionsstandort von internationaler Bedeutung. Dass dieses Zukunftsprojekt nun in Bayern verwirklicht wird, ist ein herber Verlust“, sagt Lechner.

Grünen-Fraktion sieht Kernfusion kritisch

Er sieht Hinweise, dass die rot-grüne Landesregierung entscheidend dazu beitrug. In Stade vermutet man, dass die Grünen das Projekt ablehnten, um den Ausbau erneuerbarer Energien nicht zu gefährden.

Die Grünen dementierten das. Allerdings steht fest, dass die Grünen der neuen Technologie skeptisch gegenüberstehen. „Kernfusion ist derzeit vor allem die vage Hoffnung auf eine Technologie, die eines Tages einen Beitrag zur Energieversorgung leisten könnte“, sagt Britta Kellermann, atompolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion.

Für die energie- und umweltpolitischen Herausforderungen der Gegenwart sei sie ein Luftschloss am fernen Horizont. Kellermann: „Klimaneutralität erreichen wir nicht mit großspurigen Versprechen für übermorgen, sondern mit den Technologien, die heute verfügbar sind: erneuerbare Energien, Netze und Speicher.“

CDU: Bayern handelt, Niedersachsen sucht Ausreden

„Ein Forschungsreaktor in Stade wäre kein Signal gegen den Ausbau der Windkraft gewesen. Windkraft und Kernfusion sind keine Gegensätze“, sagt dagegen der CDU-Landtagsfraktionsvorsitzende Lechner.

Sebastian Lechner - hier mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder - attackiert die Landesregierung. Sie habe Zukunftstechnologie in Stade verhindert.

Sebastian Lechner - hier mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder - attackiert die Landesregierung. Sie habe Zukunftstechnologie in Stade verhindert. Foto: Wisser

„Wer Zukunftstechnologien gegeneinander ausspielt, handelt technologiefeindlich und gefährdet unseren Wohlstand.“ Während Bayern investiere und Fakten schaffe, produziere die rot-grüne Landesregierung Bedenken und Ausreden, kritisiert Lechner.

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