TKontroverse: Umsetzung des Bundesjagdgesetzes für Wölfe auf dem Prüfstand
Ein Wolf läuft in einem niedersächsischen Wildpark in der Lüneburger Heide durch sein Gehege. (zu dpa: «Mindestens 1.636 Wölfe leben in Deutschland») Foto: Philipp Schulze/dpa
Die Jägerschaft im Kreis Stade warnt vor Gefahren für Tierhalter und Jäger. Einigkeit herrscht bei der Schonzeit. Streitpunkte sind das Alter der Wölfe und der Umgang mit auffälligen Rudeln.
Landkreis. Seit Kurzem steht der Wolf im Bundesjagdgesetz. Es erlaubt Schnellabschüsse nach Angriffen auf Nutztiere und die reguläre Jagd, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind: ausreichender Herdenschutz bei Angriffen und ein günstiger Erhaltungszustand der Population in Gebieten, wo Wölfe regulär bejagt werden sollen. In Niedersachsen wird nun darüber gestritten, wie das Bundesgesetz umgesetzt werden soll.
Niedersachsens SPD beim Wolf treibende Kraft
Die rot-grüne Landesregierung hat dabei wenig Spielraum. Umweltminister Christian Meyer versprach, die Vorgaben des Bundes vollständig umzusetzen. „Die Landesregierung wird alle Möglichkeiten, die das Bundesjagdgesetz bietet, vollumfänglich nutzen“, erklärte Meyer im Landtag. Auch SPD-Ministerpräsident Olaf Lies zeigt großes Interesse an praktikablen Lösungen. Er betonte, dass die niedersächsische SPD maßgeblich zur Bundesregelung beigetragen habe. Helmut Dammann-Tamke, Präsident des deutschen und niedersächsischen Jagdverbands, bestätigte: „Die niedersächsische SPD hat erheblich dazu beigetragen, die SPD in Berlin zu bewegen.“

Helmut Dammann-Tamke aus Ohrensen ist seit fast drei Jahren Präsident des Deutschen Jagdverbandes auf Bundesebene. Foto: Schröder
Trotzdem gibt es Sorgen, Niedersachsen könnte hinter die Bundesvorgaben zurückfallen. Anlass sind Empfehlungen des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums, die in Abstimmung mit dem Umweltministerium erarbeitet wurden. Während das Bundesgesetz erlaubt, einen Wolf nach einem bestätigten Rissgutachten im Umkreis von 20 Kilometern zu schießen, schlägt Niedersachsen vor, nur Reviere in einem Radius auf einen Kilometer um den Schaden für die Jagd zu aktivieren.
„Die Jagd auf den schadensstiftenden Wolf darf ganzjährig unter Beachtung des Elterntierschutzes für die Dauer von maximal sechs Wochen in den Revieren ausgeübt werden, die in einem Radius von einem Kilometer um den festgestellten Schaden berührt werden“, heißt es in den Empfehlungen. Aus Sicht der Jägerschaft ist das ein Widerspruch zu Meyers ursprünglicher Aussage.
Jäger und Tierhalter soll anonym bleiben
Ein Kilometer Radius umfasst meist nur ein oder zwei Jagdreviere. Jäger, die dort auf Wolfsjagd gehen, wären leicht zu identifizieren, was die Jägerschaft ablehnt. „Für die Sicherheit von Tierhaltern, Rissgutachtern und Jägern ist der 20-Kilometer-Radius unerlässlich“, fordert Dammann-Tamke, 25 Jahre lang CDU-Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Buxtehude. Eine Reduzierung gefährde die Anonymität und könne Hetze sowie Hass in sozialen Medien und im realen Leben auslösen.
Dammann-Tamke verweist auf den Staatsgerichtshof in Bückeburg, der 2022 entschied, dass die Landesregierung diesen Personenkreis wegen möglicher Risiken schützen dürfe. Damals war Olaf Lies Umweltminister, während Christian Meyer als Kläger auftrat. Auch damals ging es um Wolfsabschüsse.
SPD-Landtagsabgeordnete Lange fordert Umsetzung
Auch die SPD-Landtagsabgeordnete Corinna Lange erwartet, dass Niedersachsen die Bundesvorgaben umsetzt. „Ich begrüße ausdrücklich, dass der Wolf ins Bundesjagdgesetz aufgenommen wurde“, sagte sie. Dies sei ein entscheidender Schritt, um dem veränderten Schutzstatus und der wachsenden Population gerecht zu werden.

Corinna Lange (SPD), hier vorm Schwedenspeicher in Stade, vertritt den Wahlkreis Stade im Landtag. Foto: Susanna Brunkhorst
„Ich erwarte, dass sich das Land Niedersachsen konsequent am Bundesgesetz orientiert, das ist ein wichtiges Signal für die Rechtssicherheit im ländlichen Raum.“ Die Handlungsempfehlungen des Landwirtschaftsministeriums sieht sie lediglich als Orientierung für die Unteren Naturschutzbehörden. „Niedersachsen wird alle Möglichkeiten für eine schnelle und rechtssichere Entnahme nutzen, um Weidetiere, Bevölkerung und den Deichschutz zu sichern“, betonte Lange.
Drei Monate Schonzeit für Wölfe sind unstrittig
Einigkeit herrscht bei der Schonzeit für Wölfe. Dammann-Tamke plädiert für eine dreimonatige Schonzeit im April, Mai und Juni. „Selbstverständlich gehört der Elterntierschutz zu einem Bestandsmanagement“, sagte er. Zudem fordert die Landesjägerschaft, dass die Landkreise als Untere Jagdbehörden für das Wolfsmanagement zuständig bleiben.
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Die Erstellung des Managementplans sieht er hingegen in Hannover. Weitere Streitpunkte sind, ob auffällige Rudel komplett abgeschossen werden dürfen und ob Jäger in die Jugendklasse eingreifen, also Jungtiere erlegen dürfen.
27 erwachsene Wölfe sollen gejagt werden
Für 2026/2027 plant das Landwirtschaftsministerium den Abschuss von 27 erwachsenen Wölfen in Niedersachsen. Hier leben derzeit 500 bis 600 Tiere. Die Abschusszahlen basieren auf einer festgelegten Untergrenze, zu der auch Wölfe zählen, die im Straßenverkehr sterben – die häufigste Todesursache für die Tiere.
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