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Stader Bürgermeisterwahl

TKramer und Koeser im Talk: 7 persönliche und politische Unterschiede

Gleich geht es los: Die Bürgermeisterkandidaten Arne Kramer (CDU) und Kai Koeser (SPD) mit den TAGEBLATT-Moderatoren Lars Strüning und Lena Stehr (von links).

Gleich geht es los: Die Bürgermeisterkandidaten Arne Kramer (CDU) und Kai Koeser (SPD) mit den TAGEBLATT-Moderatoren Lars Strüning und Lena Stehr (von links). Foto: Richter

Im TAGEBLATT-Talk in der DeLuxxe-Bar haben die beiden Stader Bürgermeisterkandidaten ihr Profil geschärft. Ein Blick auf die auffälligsten Unterschiede. Und was sagt das Publikum?

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Von Anping Richter
24.09.2026, 05:40 Uhr

Stade. Am Sonntag treten Kai Koeser (SPD) und Arne Kramer (CDU) in der Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters der Hansestadt Stade an. „In vielen Punkten sind sich die beiden recht ähnlich. Sie sind sehr respektvoll miteinander umgegangen. Aber sie müssen ja auch nach der Wahl noch miteinander auskommen“, sagt der Stader Heinz Volmari über Kramer und Koeser nach dem Bürgermeister-Talk im DeLuxxe.

Blick in die DeLuxxe-Bar beim Talk zur Stichwahl mit den beiden Bürgermeisterkandidaten.

Blick in die DeLuxxe-Bar beim Talk zur Stichwahl mit den beiden Bürgermeisterkandidaten. Foto: Richter

Doch bei aller Harmonie im entspannten Ambiente: Die TAGEBLATT-Moderatoren Lena Stehr und Lars Strüning haben dafür gesorgt, dass politische und persönliche Unterschiede zwischen den Kandidaten klar zutage traten.

1. Der Führungsstil

„Bei mir trägt jeder Mitarbeiter Verantwortung und muss Entscheidungen treffen. Wenn das nicht passiert, bin ich auch streng“, sagt der 39-jährige Arne Kramer, der früher bei der Militärpolizei der Bundeswehr und vier Monate in Afghanistan stationiert war. Fehlerkultur, also selbstkritisch zu sein und aus Fehlern zu lernen, sei ihm wichtig.

Arne Kramer.

Arne Kramer. Foto: Richter

Kramer betont seine Erfahrung als Verwaltungsfachmann mit Jura-Studium. Er sei jemand, der die Spielräume, die das Gesetz hergibt, kenne und zu nutzen wisse. Ein Beispiel: Im Straßenverkehrsamt des Landkreises lag ein Stau von 20.000 Fällen vor, als er die Leitung übernahm. Er habe aufgeräumt und eine andere Kultur geschaffen. Als Vorgesetzter der aktuell 60 Mitarbeiter prägte er ein neues Wort: Bittbefehl. „Das ist ein Befehl, an den das Wort ‚bitte‘ angehängt wird.“

Kai Koeser.

Kai Koeser. Foto: Richter

Letzteres kommentiert Kai Koeser bissig: „Angesichts der Militärkarriere bin ich überrascht, dass es so kooperativ zugeht.“ Über seinen eigenen Führungsstil sagt der 47-jährige Bildungsreferent, der früher in der Hotellerie gelernt und in England und den USA gearbeitet hat: „Man sollte seinen Mitarbeitern Erfolge gönnen. Aber wenn es schief geht, muss der Bürgermeister den Kopf hinhalten.“

Bei diesem Amt gehe es weniger ums Verwalten als ums Gestalten. Koeser wolle - gemeinsam mit dem Rat - vor allem Leitlinien und Ziele vorgeben. „Wegen der Krankheit des Bürgermeisters sind wir zwei Jahre ohne ihn durchgekommen, und zwar ganz vernünftig“, sagt Koeser.

2. Persönliches

Koeser mag lieber Bier und Big Party, Kramer lieber Rotwein und Sit in. Koeser - verheiratet, zwei Pflegetöchter - ist „E-Autofahrer aus Überzeugung“. Arne Kramer - verheiratet, drei Söhne - fährt Verbrenner. Das E-Auto sei wegen der Reichweite als Familienauto nicht geeignet.

Die wichtigste Eigenschaft für einen Bürgermeister? „Den Überblick behalten“, sagt Koeser. „Zuhören“, sagt Kramer. Über seinen Mitbewerber sagt er, Koeser sei ein „weltoffener, netter Mensch, mit dem man sich gut unterhalten kann“. Koeser wiederum sieht Kramer als „geradlinig, Familienvater - und für mein Empfinden einen Tick zu konservativ“.

3. Die politischen Schwerpunkte

Welche Vision haben die Kandidaten für ihre Stadt? Wirtschaft - das ist für Arne Kramer „eines der wichtigsten Themen“. Wo sie floriert, fließen auch Gewerbesteuern, sagt er und will die Industrie weiterentwickeln und den Mittelstand dabei nicht vergessen.

Kai Koeser nennt als ersten Schwerpunkt den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft - vor allem durch Bildung, „damit wir uns den Entwicklungen selbst stellen können“. Ihm schwebt eine Vernetzung der Bildungsträger von Kita über Schulen bis zu Museen vor, durch die gute Synergie-Effekte entstehen könnten.

Weder Kramer noch Koeser sehen große Sparpotenziale im städtischen Haushalt - höchstens Möglichkeiten der Optimierung. Nicht verhandelbar ist für Kramer das Sparen bei Infrastruktur. Koeser will bei Bildung, Schulen und Kitas keine Abstriche machen.

4. So wollen sie für Sicherheit sorgen

Einen Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) befürworten sowohl CDU als auch SPD. Bisher war die Ausschreibung aber nicht erfolgreich. Kai Koeser reicht der KOD aber nicht. Das sei „ein Pflaster, das wir draufkleben, das aber nicht an die Wurzeln geht“. Um die Sicherheit zu verbessern, sei Prävention nötig - durch Sozialarbeit, eine Stärkung der Kommunalen Betriebe und bessere Grünpflege. All das führe wissenschaftlich erwiesen zu weniger Kriminalität. Gegen Angst in „dunklen Ecken“ will er „mit Licht“ kämpfen, mit Beleuchtung, besserem Grünschnitt, freigelegten Sichtachsen.

„Prävention, ja. Aber das dauert zu lange“, sagt Arne Kramer. Die Menschen hätten Sorgen und Ängste, denen jetzt begegnet werden müsse - durch einen KOD. „Sicherheit ist nicht verhandelbar“, sagt Kramer. Sichtachsen und bessere Beleuchtung findet er auch wichtig, und der KOD könnte das Ordnungsamt unterstützen, das die Kontrolle von abendlichen Falschparkern in der Altstadt „schon aufgegeben“ habe.

5. Eigenheime oder Nachverdichtung?

„Wir sind das Land der Häuslebauer“, sagt Arne Kramer. Um dem Rechnung zu tragen und den Flächenverbrauch in Grenzen zu halten, plädiert er für einen gut abgewogenen Mix aus Einfamilienhäusern und Nachverdichtung.

„Das Eigenheim gehört für mich zum sozialdemokratischen Aufstiegsversprechen“, sagt Kai Koeser. Allerdings nicht unbedingt als alleinstehendes Haus mit Garten, sondern auch als Wohnung. Die Zeit der großen Einfamilienhaus-Gebiete sei vorbei, „weil uns der Platz ausgeht“.

6. Wie sie das Ehrenamt fördern wollen

Arne Kramer will als Bürgermeister „alle Vereinsvorsitzenden ins Rathaus einladen“. Ob die Ehrenamtskarte wirklich das bringe, was Ehrenamtlichen nütze, sei auch nachzufragen.

Kai Koeser sagt: „Ich bin ja ein bekennender Vereinsmeier.“ Er will als Bürgermeister auch im Ehrenamtsbereich durch bessere Vernetzung für Synergieeffekte sorgen - in einer Rathausstunde mit dem Hamburger Kultursenator sei das schon einmal passiert und überraschend effektiv gewesen.

7. Was tun für Kinder, Jugendliche und Senioren?

Arne Kramer will als Bürgermeister jede Schule der Stadt einmal im Jahr besuchen und auch im Rathaus empfangen. Ein Jugend-Budget - „zum Beispiel 100.000 Euro im Jahr“ - soll von Kindern und Jugendlichen selbst ausgegeben werden, durch das Einbringen von Vorschlägen und demokratische Abstimmung. Für Senioren will er mehr in städtische Betreuungsdienste investieren und Begegnungsstätten stärken.

Kai Koeser wünscht sich, dass Stade sich gegen den Lehrkräftemangel als Schulträger gut aufstellt und präsentiert, um attraktiv für Lehrkräfte zu sein. Zum Thema „Leben im Alter“ will er in seinen ersten 100 Tagen Experten aus Dänemark holen, um sich beraten zu lassen. Dänemark sei Vorreiter: „Das ist volkswirtschaftlich unglaublich sinnvoll, Stade könnte da zum Leuchtturm für ganz Deutschland werden.“

Und wie fanden Besucher den Bürgermeister-Talk?

Heinz Volmari und Birgit Volmari aus Stade sind schon mit einer klaren Präferenz zum Duell der beiden Bürgermeisterkandidaten gekommen. „Aber es war doch sehr interessant, mal beide sprechen zu hören“, sagt sie. „Ich sehe meine Entscheidung bestätigt“, sagt er. Gestalten oder Verwalten - das sei für ihn der wichtigste Punkt gewesen.

„Der Bürgermeister ist wichtig“, sagt Henning Otto. Schließlich werde er Stade acht Jahre führen. Für ihn ist jetzt klar: „Es gibt Unterschiede, aber im Endeffekt entscheidet der Sympathiefaktor.“

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