THeino in Stade: „Wenn ich die Hymne nicht singe, singt sie keiner mehr“
Heinos aktuelle Tournee steht unter dem Titel „Made in Germany“. Foto: Benedict Bartsch
Heino kommt ins Stadeum. Im Interview verrät der Kultstar, wie viele Sonnenbrillen er hat und welchen Moment er gern noch einmal erleben würde. Eine Frage hat ihn irritiert.
TAGEBLATT: Ihre aktuelle Tournee steht unter dem Titel „Made in Germany“ und Sie singen bei Ihren Konzerten überzeugt die deutsche Nationalhymne. Was wollen Sie damit zum Ausdruck bringen?
Heino: Die Frage finde ich schon etwas seltsam. Es kommt mir fast so vor, als müsste ich mich rechtfertigen, dass ich dem Publikum bei meiner Tournee ein Versprechen abgegeben habe. Und zwar, unsere Nationalhymne mit voller Überzeugung auf der Bühne zu präsentieren: Denn wenn ich die Hymne nicht singe, singt sie - außer bei Fußballspielen - keiner mehr. Es gibt keinen Grund, nicht stolz auf unsere Hymne zu sein. Und keinen, die Hymne nicht zu singen.
Neben Schlagern und Volksmusik haben Sie immer wieder musikalische Experimente unternommen. Was ist Ihnen dabei besonders in Erinnerung geblieben?
Für mich bleiben alle Konzerte in Erinnerung. Ob es nun ein Ausflug in die Klassik war oder mein Auftritt, gemeinsam mit Rammstein, auf dem Wacken Festival. Genauso wie meine Auftritte im legendären Bierkönig auf Mallorca. Sie vereint nämlich eines: die Freude meines Publikums, wenn ich auf der Bühne stehe. Egal, welches Genre ich gerade singe, ich bleibe mir dabei selbst immer treu.
Worauf darf sich das Stader Publikum denn freuen?
Es wird ein Ausflug durch fast sieben Jahrzehnte meines Musikschaffens. Von Volksliedern über meine Schlager- und Ballermann-Hits bis hin zu Seemannslied und Rock. Für Jung und Alt ist was dabei.
Zu Ihrer schwarzen Brille kamen Sie aus gesundheitlichen Gründen, gleichzeitig ist sie so etwas wie Ihr Markenzeichen. Wie viele Brillenmodelle hat Ihre Sammlung eigentlich?
Dass ich die Brille aus gesundheitlichen Gründen tragen musste, ist schon Jahrzehnte her. Aber ich habe mich an die Brille so gewöhnt, und auch mein Publikum liebt mich mit der schwarzen Brille, so dass es mich nur mit Brille gibt.
Culture Clash
T Buxtehuder Hit-Welle rollt vom Bierkönig bis zum Wacken Open Air
Für die Brille habe ich sogar Herbert von Karajan versetzen müssen. Er wollte mich als Bariton in seinem Ensemble haben. Aber nur ohne Brille. Da musste ich ihm absagen.
Zu Ihrer eigentlichen Frage: Ich habe so zwischen 80 und 90 Sonnenbrillen, trage aber aktuell nur etwa drei. Es kommen immer wieder neue dazu.
Sie stehen seit fast 70 Jahren im Rampenlicht. Was hat Sie über all die Jahrzehnte so erfolgreich gemacht?
In erster Linie meine Stimme, denn die unterscheidet mich wesentlich von einigen meiner Kollegen. Von der jungen Generation kann heutzutage ja leider kaum jemand singen. Das war früher anders, da konnte jeder Sänger was. Natürlich auch, dass ich immer ich selbst geblieben bin.
Das Musikbusiness hat sich durch Social Media und Streaming stark verändert. Was würden Sie jungen Musikern mit auf den Weg geben?
In erster Linie, das zu erlernen, was sie sein wollen. Heißt: Als Sänger oder Sängerin Gesangsunterricht nehmen und die Stimme ausbilden lassen. Nur so kann man langfristig Erfolg haben. Wenn die künstliche Intelligenz schon besser klingt als viele Sänger heutzutage, dann ist das besorgniserregend und sollte die jungen Kollegen wachrütteln.
Was sehen Sie selbst als Ihren größten Erfolg?
Der größte Erfolg ist mein tolles Publikum. Früher war ich jung und habe für ein älteres Publikum gesungen. Heute bin ich meist der Älteste im Saal und singe auch für junge Leute. Die Welt dreht sich, und ich lasse mich mitdrehen.
Auftritte am Ballermann sind Ihnen bis zum 100. Lebensjahr vertraglich zugesichert. Haben Sie überhaupt mal ans Aufhören gedacht?
Warum sollte ich ans Aufhören denken, wenn es mir gesundheitlich ausgezeichnet geht und ich noch immer Spaß habe, auf der Bühne zu stehen. Solange mir der liebe Gott meine Stimme lässt, werde ich weiter singen. Vielen Leuten werde ich damit Freude machen, und den ein oder anderen werde ich mit meinen Liedern etwas ärgern.
Werden Sie von den Reisen und Auftritten nicht müde?
Bei mir trifft genau das Gegenteil zu. Von Auftritt zu Auftritt komme ich immer mehr aus mir raus. Die Stimmung und die Euphorie bei meinem Publikum beflügelt und trägt mich. Wir haben schon ein strammes Programm, aber ich kann mich zwischen den Shows gut erholen und weiß mit meiner Kraft zu haushalten.
Mit 87 Jahren immer noch die Bühne zu rocken, ist nicht selbstverständlich. Was ist Ihr persönliches Geheimnis, um sich körperlich und mental fit zu halten?
In erster Linie viel Schlaf, keine Aufregung und ein glückliches Zuhause. Seit dem Tod meiner lieben Frau Hannelore im Jahr 2023 wohne ich mit der Familie meines Managers Helmut Werner zusammen. Wir sind jetzt ein Drei-Generationen-Haushalt. Das funktioniert prima. Vor allem unser kleiner Lennie - zwei Jahre alt - macht mir große Freude. Es gibt nichts Schöneres als Kinderlachen und Leben im Haus. Das hält mich jung.
Wie klappt das mit diesem WG-Leben so?
Es ist kein WG-Leben, sondern ein Familienleben. Wir haben auch genug Platz. Zentraler Familientreffpunkt im Haus sind die Küche und das Wohnzimmer. Da ist immer Leben in der Bude, muss ich Ihnen sagen.
44 Jahre lang hatten Sie Ihre Frau Hannelore an der Seite. In welchen Momenten fehlt sie Ihnen am meisten?
Sie fehlt mir jeden Augenblick. Auch in meinen Konzerten erinnere ich an sie. Bei meinem Titel „Schutzengel“ laufen unsere schönsten Fotos über eine große Leinwand.
Grosse Anteilnahme
Am Grab: Wie sich Heino von seiner Hannelore verabschiedete
Die aktuelle Fernsehdokumentation „Heino – Karamba, Karacho, Kult“ will den Mann hinter der Brille zeigen. Wie würden Sie sich selbst als Menschen beschreiben?
Ich würde mal sagen bodenständig, lustig und vor allem authentisch. Ich lasse mich nicht verbiegen und auch nicht aus dem Konzept bringen. Die neue Dokuserie hat mich da ganz gut getroffen und ich lüfte noch das ein oder andere Geheimnis.
Bei all der gelebten Zeit - haben Sie noch einen Traum offen?
Ich habe mit meinem Manager einen Vertrag bis ich 104 bin. Das motiviert mich natürlich. Unser großes Vorbild ist Johannes Heesters, der noch im biblischen Alter auf der Bühne stand. Ich möchte diesen Vertrag einhalten und noch lange für mein Publikum da sein.
Wenn Sie einen Moment noch mal erleben dürften, welcher wäre das?
Den Tag, als ich Hannelore das erste Mal getroffen habe, den würde ich gerne noch einmal erleben.*
*Das TAGEBLATT-Interview mit Heino erfolgte schriftlich.
Karten für das Konzert am Sonntag, 29. März, um 19 Uhr gibt es beim Stadeum (Telefon 04141/409140), über Vorverkaufsstellen und Eventim sowie an der Abendkasse.
Zur Person
Heino - 1938 in Düsseldorf geboren als Heinz Georg Kramm - lebt heute im österreichischen Kitzbühel. Obwohl er schon zu Schulzeiten Sänger werden wollte, absolvierte er zunächst eine Lehre als Bäcker und Konditor. Mitte der 1950er Jahre begann sein Weg als Musiker. Den Durchbruch schaffte er zehn Jahre später im niedersächsischen Quakenbrück, wo er mit seiner damaligen Band bei einer Modenschau auftrat. Ralf Bendix entdeckte und produzierte ihn. Seine erste Single „Jenseits des Tales“ wurde sofort zum Hit.
Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.