TLeerstände in Buxtehude: So teuer sind Ladenmieten in der Innenstadt
Buxtehudes teuerster Laden: In diesem leer stehenden Ladengeschäft (Mitte) in der Langen Straße, zuletzt eine Boutique, ist die Miete höher als bei jedem anderen aktuellen Ladenflächenangebot: 30 Euro kalt pro Quadratmeter. Foto: Sulzyc
Einige Leerstände in Buxtehude halten sich hartnäckig. Der Preis könnte eine Rolle spielen: Bis zu 30 Euro kalt pro Quadratmeter - welches Geschäftsmodell geht da überhaupt noch?
Buxtehude. Innen weiße Wände, ein gepflegtes Erscheinungsbild. Außen ein Gebäude aus dem Jahr 1982 - eher unscheinbar. Direkt in der Buxtehuder Fußgängerzone wartet die „attraktive Ladenfläche“ im Erdgeschoss auf einen neuen Mieter, bewirbt das Unternehmen Von-Otto Immobilien mit Sitz in Hamburg das leer stehende Ladengeschäft. Zuletzt war es eine Boutique. Wie anziehend ist das Vermietungsobjekt wirklich?
30 Euro kalt pro Quadratmeter soll die Miete in dem 121 Quadratmeter großen Ladenlokal kosten. Macht insgesamt 3630 Euro pro Monat. Das ist der höchste Quadratmeterpreis unter den aktuellen Mietangeboten zu leer stehenden Ladengeschäften in der Buxtehuder Innenstadt.
Derart hohe Mieten in den für Buxtehude typischen 100 bis 500 Quadratmeter großen Läden lassen sich im klassischen stationären Einzelhandel nicht mehr erwirtschaften, ahnen mittlerweile offenbar manche Eigentümer.
Eigentümer senkt die Ladenmieten
Seit Februar 2025 stehen die frühere Metzgerei „Fleischerjungs“ und das E-Zigaretten-Geschäft „Hanse Dampfer“ im sogenannten Rathaus-Quartier entlang der Langen Straße leer. Bei diesen beiden Mietangeboten ist jetzt Bewegung gekommen, zumindest finanziell.

Wer die frühere Fleischerei „Fleischerjungs“ in der Buxtehuder Fußgängerzone mieten möchte, muss 21 Euro kalt pro Quadratmeter bezahlen. Das sind 3087 Euro im Monat. Foto: Sulzyc
Wer das frühere „Fleischerjungs“ in der Buxtehuder Fußgängerzone mieten möchte, muss mittlerweile nur noch 21 Euro pro Quadratmeter kalt bezahlen. Die ursprüngliche Forderung lag bei 25 Euro. Der Mietpreis für den früheren „Hanse-Dampfer“ ist auf 22 Euro pro Quadratmeter gesunken - von ursprünglich 28 Euro.
Unverändert geblieben ist die verlangte Miete einer anderen prominenten Geschäftsadresse in der Buxtehuder Altstadt: 5310 Euro Miete pro Monat kostet die Nachnutzung der früheren Deutschen-Bank-Filiale am Hase-und-Igel-Brunnen. Dazu kommen 1500 Euro Nebenkosten pro Monat. Insgesamt sind das 6810 Euro pro Monat, die ein Nachmieter erwirtschaften muss. 14 Euro kalt pro Quadratmeter kostet hier die monatliche Miete der 315 Quadratmeter großen Verkaufsfläche. Die 180 Quadratmeter Nutzfläche gibt es für lediglich 5 Euro kalt pro Quadratmeter.

Wer die frühere Filiale der Deutschen Bank am Hase-und-Igel-Brunnen in Buxtehude mieten möchte, muss 5310 Euro Miete pro Monat zahlen, plus 1500 Euro Nebenkosten. Die Geschäftsfläche steht seit Ende Januar leer. Foto: Sulzyc
Auf dem Markt ist inzwischen das Ladengeschäft des Fachgeschäfts „Foto Schattke“ an der Bahnhofstraße 1. Wie das TAGEBLATT berichtete, schließt das Traditionsgeschäft zum Jahresende seine Standorte in Buxtehude und Stade. Wer die 146 Quadratmeter große Ladenfläche mieten möchte, muss 18 Euro kalt pro Quadratmeter zahlen.
Robuster Einzelhandel, aber Leerstände halten sich hartnäckig
Im Vergleich zu vielen anderen Klein- und Mittelstädten in Deutschland zeigt sich der stationäre Einzelhandel in Buxtehude noch robust. Aber: Einige Leerstände halten sich hartnäckig.
Seit Jahresbeginn hat sich die Leerstandsquote nach Angaben der Wirtschaftsförderung der Stadt Buxtehude von 3,13 auf 6,17 Prozent fast verdoppelt. Das ist aber immer noch vergleichsweise wenig: Bei Branchenexperten gelten 5 bis 7 Prozent Leerstand noch als „gesund“.
Nachnutzung: Was zieht in die frühere Boutique?
Zurück zu der früheren Boutique in der Langen Straße, deren Nachnutzung 30 Euro pro Quadratmeter kosten soll. Welches Geschäftsmodell könnte sich eignen, um den Leerstand zu beenden?
„Boutique, Concept Store, Showroom oder vergleichbare Nutzungskonzepte“, nennt das mit der Vermietung beauftrage Immobilienunternehmen in seinem Exposé auf dem Portal Immo Scout 24.
Das TAGEBLATT fragte den Immobilienmakler Rainer Werth aus Harsefeld. Die Idee: Jemand, der von außen auf Buxtehude schaut, gerät nicht in Interessenkonflikte. Wie also sieht der Experte die Zukunft der Innenstädte in kleinen und mittleren Städten?
Zukunft der Innenstädte: Das sagt ein Makler
Dass in die leer stehende, frühere Boutique wieder ein Modeladen einzieht, hält Rainer Werth für unwahrscheinlich. Die Generation der sogenannten Babyboomer, zwischen 1946 und 1964 geboren, werde das Bild der Innenstädte maßgeblich prägen. „Sie haben noch 20 Jahre vor sich - und sie haben Geld“, sagt Rainer Werth.
Babyboomer wollen andere Menschen treffen, kommunizieren. „Einen bezahlbaren Kaffee trinken und irgendwo gesund und vernünftig essen“, sagt Rainer Werth. Ein erfolgversprechendes Geschäftsmodell in leer stehenden Ladengeschäften sei daher: Erlebnisgastronomie.
Erlebnisgastronomie verbindet den klassischen Restaurantbesuch mit Unterhaltung, zum Beispiel Live-Musik oder Krimi-Dinner.
Den Besuchern der Innenstädte geht es weniger um Produkte und Versorgung als um das Erleben und Verweilen. So steht es in der Studie „Vitale Innenstädte“ des Handelsforschungsinstitut IFH. Gastronomie gewinnt deshalb an Bedeutung.
Ein Beweis: In der Buxtehuder Altstadt in der Ritterstraße ging das Café Docé - und das Café Lili zog vor kurzem ein. Ein nahtloser Übergang - Leerstand machte sich hier nicht bemerkbar.
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