TLloyd Werft: Behörden-Posse um Windkraftanlagen
Auf dem eigenen Betriebsgelände will die Lloyd Werft zwei Windkraftanlagen bauen zur günstigen und klimaneutralen Energieversorgung. Aber die Behörden durchkreuzen die Pläne. Foto: Scheer
Windkraftanlagen auf dem Betriebsgelände: So wollte die Lloyd Werft sich selbst mit umweltfreundlicher Energie versorgen. Aber die Gewerbeaufsicht lehnte den Antrag ab. Im Wirtschaftsressort und bei den Grünen stößt die Begründung auf Kopfschütteln.
Bremerhaven. Der ablehnende Vorbescheid erreicht die Lloyd Werft im sommerlichen Juli. Sie wollte auf dem eigenen Betriebsgelände im Kaiserhafen zwei Windkraftanlagen bauen, um einen wesentlichen Teil des eigenen Strombedarfs selbst zu produzieren. Schiffbau und Schiffsreparatur sind energieintensive Branchen, und die Produktionen von eigener, umweltfreundlicher Energie würde Kosten und damit die Wettbewerbsbedingungen für die Werft deutlich verbessern. Da das Land Bremen ohnehin große Probleme hat, die eigenen Klimaziele zu erreichen, war die Verwunderung groß, als die Genehmigung für den Bau der Anlagen durch die Gewerbeaufsicht verweigert wurde.
Werftchef ist verärgert
Werftchef Thorsten Rönner zeigt sich sehr verärgert über die Entscheidung, die ihn während eines Auslandsaufenthalts erreicht. Das passe nicht zu den Klimazielen des Landes, und man merke gerade in diesem Jahr, wie schlimm der Klimawandel zuschlägt, sagt er. Die Argumente der Gewerbeaufsicht kann er nicht nachvollziehen.
Begründet wird die Ablehnung mit dem Hinweis auf die Größe der Anlagen. Mit 220 Metern würden sie die vorhandene Bebauung bei Weitem überragen. Sogar die Kranbauten der Werft kämen allenfalls auf 31 beziehungsweise 60 Meter. „Die geplanten Windenergieanlagen würden sich somit nicht in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen“, heißt es im Bericht des Hafenressorts für den Landeshafenausschuss.
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Herold: Das hat Satirequalität
Den Bericht hatte Emanuel Herold angefordert. „Das hat Satirequalität“, beurteilt der Fraktionschef der Grünen in der Bürgerschaft diese Begründung. Die Frage nach den Klimazielen und die Unabhängigkeit der Lloyd Werft vom Strommarkt werde einfach beiseite geschoben, sagt er. Er verweist darauf, dass es um ein Hafengebiet geht, mit riesigen Containerbrücken und bereits vorhandenen Windkraftanlagen. Und Eurogate wolle weitere Anlagen bauen. „Wenn es nur nach der Höhe geht, dann können wir keine Anlage mehr aufstellen. Denn die ist immer höher als alles andere in der Umgebung“, sagt Herold.
Er hofft nun darauf, dass das Hafenressort noch erfolgreich intervenieren kann. Das Ressort ist über das Vorgehen aus dem Behörden-Bereich von Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) alles andere als erfreut und kündigt Widerstand an. Das Ziel von Hafensenatorin Kristina Vogt (Linke) sei es, das Überseehafengebiet nachhaltig weiterzuentwickeln und zukunftsfähig zu halten. „Initiativen von Unternehmen, die aktiv auf dieses Ziel einzahlen wollen, sind ausdrücklich zu begrüßen“, heißt es im Bericht ihres Ressorts. Schnelle und rechtssichere Verfahren zur Errichtung von Windenergieanlagen seien Grundvoraussetzung für die Dekarbonisierung des Überseehafens.
Vogt will nun einen runden Tisch mit allen beteiligten Ressorts und Behörden organisieren, um pragmatische Lösungen für den Bau von Windkraftanlagen zu finden. Die geplanten Anlagen auf der Lloyd Werft sollen hier als erster Fall angesprochen werden. Sie will verhindern, dass dieses Beispiel Schule macht.
Schwere Zeiten für Windenergie im Land
Bei der Senatorin bestehe die Sorge, dass die Ablehnung für die Lloyd Werft auf weitere Vorhaben und potenzielle Standorte im Land Bremen übertragen werden könnte, was den Ausbau der Windenergie insgesamt erschweren könnte. Das würde den Klimazielen des Landes als auch den wirtschaftlichen Nachhaltigkeitszielen der Unternehmen zuwiderlaufen.
Die Ablehnung der Windkraftanlagen auf der Lloyd Werft ist nicht der erste Fall von Querschüssen aus den Behörden. Auf große Kritik stößt die Forderung nach einem Bebauungsplan für den Bau der Drehbrücke im Hafen. Durch die Forderung nach einem Planfeststellungsverfahren drohen der Sanierung des Verbindungskanals ebenfalls weitere Verzögerungen.
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