TLuisa ist neu im Musikladen Heinbockel: Hilfe in unangenehmen Situationen
„Luisa ist hier!“: Gleichstellungsbeauftragte Hiltrud Gold und Sicherheitschef Torsten Lüders bewerben das neue Hilfsangebot mit Plakaten in den Damentoiletten des Musikladens. Foto: Klempow
Luisa fragt nicht, sie versteht einfach - wie eine starke, beste Freundin. Luisa ist ein Hilfsangebot, das neu ist im Musikladen Heinbockel. Frauen bekommen diskret Hilfe.
Heinbockel. Es ist ein zusätzlicher Baustein im Sicherheitskonzept. Die Luisa-Kampagne soll ab sofort auch im Musikladen Heinbockel Frauen Hilfe anbieten, die belästigt werden, sich bedrängt oder unwohl fühlen. Mit der Frage „Ist Luisa hier?“ bekommen sie sofort und diskret Hilfe.
Ab diesem Freitag ist die Frage nach Luisa in der Diskothek zugleich die Frage nach Hilfe. Hiltrud Gold, Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Oldendorf-Himmelpforten, freut sich, dass Thorsten Hinrichs mit seinem Musikladen mitmacht.
Stiller Alarm am Tresen
Er hat das Sicherheitskonzept ohnehin ausgebaut. „Jeder Tresen hat Alarmknöpfe“, sagt er. Zeichnen sich brenzlige Situationen ab, kann das Personal hinter der Theke mit einem stillen Alarm das Sicherheitsteam zu Hilfe rufen.
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Torsten Lüders ist seit 22 Jahren der Sicherheitschef im Musikladen. „Wir wollen, dass sich jeder im Laden wohlfühlt“, betont der Inhaber des Sicherheitsdienstes BSD-Nord. Er kennt das Publikum, kann Stimmungen gut einschätzen und hat einen Blick für Menschen. „Im Großen und Ganzen haben wir keine gravierenden Probleme, weil bekannt ist, dass wir aufpassen“, sagt er.
Das Security-Team greift ein
Trotzdem: Seiner Erfahrung nach passiere es öfter als früher, dass Frauen belästigt werden. „Das geht durch alle Schichten“, sagt er. Er und sein Team seien jederzeit ansprechbar - und fackeln auch nicht lange, wenn sie Belästigungen beobachten. Schnell landen die Männer vor der Tür und angezeigt bei der Polizei.
Aber nicht immer sind es eindeutige Übergriffe. Manchmal sind es Blicke. Eine ungewollte Nähe, ein ungutes Gefühl. Nicht so konkret, als dass es ein Fall für die Security wäre. Und in diesem Fall hilft schon die Frage nach Luisa.
Codesatz mit der Bitte um Hilfe
„Ist Luisa hier?“ - Ein Codesatz, den das Personal im Musikladen als Bitte um Hilfe versteht. „Der Satz senkt die Hemmschwelle“, sagt Hiltrud Gold. Oft würden junge Frauen sich belästigt fühlen. Wer nach Luisa fragt, muss sich nicht erklären, nichts erzählen - das Hilfsangebot „setzt bei der individuellen Wahrnehmung“ der Betroffenen an.
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„Das Personal sorgt dafür, dass sie aus dieser Situation heraus kommen“, so die Gleichstellungsbeauftragte. Die Frauen müssen die Situation nicht aushalten, bis etwas Schlimmeres passiert, sondern können sie bereits bei einem unguten Gefühl beenden. Der Code kann aber auch genutzt werden, wenn die Frau sexuelle Belästigung, Gewalt oder Bedrohung erlebt hat.
Hilfsangebote am Rückzugsort
Wenn eine Frau nach Luisa fragt, bietet das geschulte Thekenpersonal ihr einen Rückzugsort an. Dort wird das weitere Vorgehen mit der Frau besprochen. Das hängt ganz davon ab, welche Hilfe die Frau in Anspruch nehmen möchte. Braucht sie ein Taxi? Ihre Freunde im Club? Ihre Sachen von der Garderobe?
Schon allein das Angebot der niedrigschwelligen Hilfe gibt Frauen ein Gefühl der Sicherheit. Außerdem setzen Clubs, Diskotheken und Bars mit der Kampagne ein Signal, dass in ihrer Örtlichkeit kein Platz für Übergriffe und Gewalt ist.
Ähnliche Konzepte für Hilfe bei sexualisierter Gewalt gibt es für Fußballstadien und viele Festivals. Auf dem Deichbrand-Festival lautet die Frage zum Beispiel „Wo geht‘s nach Panama?“„Wenn klar ist, dass alle bewusst mit dem Thema umgehen, funktioniert das auch als Abschreckung“, so Hiltrud Gold.
Plakate auf der Damentoilette
Das Luisa-Konzept macht sie mit Plakaten, auf den Monitoren im Musikladen und mit Aufklebern und QR-Codes an den Spiegeln der Damentoiletten bekannt. Aber warum überhaupt der Code „Ist Luisa hier?“.
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Der Code soll die Hemmschwelle senken, sich Hilfe zu holen. „Gerade in Kneipen und Clubs, wo es häufig sehr laut ist, kann es unangenehm sein, einen Vorfall über die Theke zu rufen und damit auch die Aufmerksamkeit anderer Gäste auf sich zu ziehen“, heißt es von der Beratungsstelle Frauen-Notruf-Münster, die die Kampagne entwickelt hat. Der Name Luisa beinhalte einen Kopfton. Damit ist er auch in lauter Umgebung verständlich.
Hiltrud Gold hat die Lizenz für die Kampagne und schult auch das Thekenpersonal. Gut zu wissen, dass „Luisa“ eine echte Hilfe ist, keine Fragen stellt und immer genau die Unterstützung ist, die gebraucht wird.
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