TMampf & Motz: Das bringt die Buxtehuder zum Meckern
Mampf & Motz in Buxtehude: Für Mo Asumang ist Zuhören der neue Widerstand. Foto: Weselmann
Einfach mal meckern - die ungewöhnliche Aktion von Mo Asumang kam bei Buxtehudern gut an. Mit Mampf & Motz überraschte die Prominente auch einen bekannten AfD-Mann.
Buxtehude. In Buxtehude bieten die Internationalen Wochen gegen Rassismus buntes Programm. Das brachte an diesem Wochenende ein prominentes Gesicht in die Stadt. Die gesellschaftspolitisch engagierte Fernsehmoderatorin und Filmemacherin Mo Asumang war mit ihrer Aktion Mampf & Motz zu Gast. Sie servierte Bürgern eine unerwartete Art der Begegnung.
In Buxtehude kommt alles an Meinung auf den Tisch
Während Mo Asumang und ihr Mitstreiter Martin Lubkowitz an dem kleinen Stand beim Has‘-und-Igel-Brunnen das Kochen starten, bleiben die ersten Passanten stehen. Die Leute sind neugierig. Was hat es mit Mampf & Motz vom mo:lab e.V. auf sich?
Bei dem Straßenformat der Bundesverdienstkreuzträgerin heißt es Schnippeln, Schlemmen - und Schimpfen. Voraussetzung zum Mitmachen: einfach mal losmotzen und den Frust rauslassen. Egal ob über Politik, Weltgeschehen oder Ärgernis im Alltag. Alles an Meinung darf auf den Tisch.
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Dafür braucht es Anlauf. Mo Asumang kennt das Phänomen, und Buxtehude ist keine Ausnahme. „Die meisten sagen erst einmal, dass sie gar nichts zu motzen haben“, so ihre Erfahrung.
Die Leute motzen über alltägliche Ärgernisse
„Ich bin eigentlich nicht so ein Motzer. Im Gegenteil. Aber manchmal muss man mal was sagen“, sagt auch Birgit Klenke. Martin Lubkowitz hat die Buxtehuderin an den Tisch geholt und sie hat sich mit dem Kommunikationstrainer lange unterhalten.
„Mein leidiges Thema ist der Busverkehr. Mit Rollator eine Katastrophe“, erzählt sie. Gerade beim Ein- und Aussteigen hat sie da so ihre Probleme und wünscht sich mehr Rücksicht. Mit Blick auf die E-Scooter-Fahrer gilt das gleiche. „So planlos und schnell, wie die fahren, habe ich schon viele brenzlige Situationen gesehen.“

Birgit Klenke findet Mampf & Motz super. Sie hat sich bei Martin Lubkowitz Luft über ihr leidiges Thema mit dem Busverkehr gemacht. Foto: Weselmann
Mampf & Motz schmeckt ihr: „Mit anderen so ins Gespräch zu kommen, bringt was in Gang. Das sollte es öfter geben.“ „Harmonisch, unkompliziert und erfrischend“ erlebt sie die Aktion. Einfach mal Dampf ablassen, ohne dass es bewertet wird, empfindet sie als gute Sache. „Wenn man darüber redet, nimmt das die Spannung raus.“ Leute, die mal was sagen möchten, hätten nicht so viel Raum.
Ungewöhnliche Begegnung in der Buxtehuder Altstadt
Stefan Stanjek ist erstaunt über diese Möglichkeit, dem Unmut einfach mal Luft zu machen. „Ein sehr ungewöhnliches Angebot - das habe ich noch nie erlebt“, sagt der Buxtehuder. Ihm gefällt das Format. Mampf & Motz schafft etwas, was er vermisst: „Wir leben isoliert in unseren Wohnungen und der direkte Austausch von Mensch zu Mensch findet immer weniger statt.“ Kommunikation und Begegnung entstehe im öffentlichen Raum. Aus seiner Sicht müsste es gerade dort viel mehr politischen Austausch geben. Durch solche Gespräche werde die Meinungsbildung vielfältiger und differenzierter.

Stefan Stanjek lobt das ungewöhnliche Angebot für den Austausch im öffentlichen Raum. Foto: Weselmann
Zu meckern hat Stefan Stanjek auch. Ihn ärgert, dass in Altkloster die alten Häuser abgerissen und die einst grünen Grundstücke mit Stadtvillen dicht gebaut werden. „Der Charme, der die Stadt lebenswert macht, geht verloren“, sagt er. Während er seine Suppe löffelt, kommt noch mehr Unmut auf den Tisch. Dass Buxtehude nicht besonders fahrradfreundlich ist und dass es hierzulande nicht klappt, einen zuverlässigen Nahverkehr zu gewährleisten.
Mo Asumang setzt auf offenen Dialog
Mancher Gesprächsstoff hat Potenzial für eine konfrontative Auseinandersetzung. Etwa als es mit einem jungen Paar um das Thema Migration geht. Hier kommen zwar kontroverse Erfahrungen und Meinungen auf den Tisch, aber die Gemüter bleiben ruhig.
Mo Asumang hat Rassismus erlebt - bis hin zur öffentlichen Morddrohung einer Nazi-Band. Statt Rückzug setzt sie auf Dialog, so wie bei der Produktion ihrer Doku „Die Arier“. „Die Leute wollen gesehen werden. Erst wenn du ihnen zuhörst, öffnen sie sich“, so ihre Erfahrung. „Wenn wir sagen, mit Nazis sprechen wir nicht, kommen wir nicht weiter. Auch da müssen wir Brücken bauen.“

Angelika aus Elstorf sagt: "Es ist doch toll, dass wir unsere Meinung frei sagen können." Foto: Weselmann
Mampf & Motz fördert den konstruktiven Austausch zwischen Andersdenkenden. Das liegt an der ungewöhnlichen Art, mit der Mo Asumang und ihre Dialogbotschafter dem begegnen: versöhnlich und offen, ohne dabei die eigene Position zu verkennen.
Begegnung mit Ex-AfD-Kreistagsabgeordneten verläuft unerwartet
Was das bewirkt, ist beim Aufeinandertreffen mit AfD-Mann Jens Dammann eindrücklich zu verfolgen. Von der politischen Haltung und der Meinung zu den aufgeworfenen Themen könnte es kaum weiter auseinandergehen. Die Begegnung verläuft trotzdem anders, als vielleicht erwartet.
Über den Weg des Zuhörens und Fragenstellens nimmt Mo Asumang den Druck aus der Kontroverse. Mit Motzen ist es nicht getan. Anstatt bloß argumentativ gegenzuhalten, fordert sie eine Erklärung und bringt so ins Nachdenken.
Der Austausch überrascht den ehemaligen AfD-Kreistagsabgeordneten. „Die Aktion ist gut, weil sie zu einem echten Gespräch geführt hat“, sagt er auf Nachfrage. Erst als klar wird, dass diese vom TAGEBLATT kommt, kippt die Atmosphäre. In der Richtung hat die unvoreingenommen-zugewandte Gesprächsebene ihre Grenze.
*Hinweis der Redaktion: Zunächst stand im Artikel, Jens Dammann sei AfD-Funktionär. Das ist nicht korrekt. Er war Fraktionschef der AfD im Kreistag.
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