TMehrwertsteuer-Senkung für Restaurants: Sinken jetzt die Preise in der Region?
Jennifer Dagligil betreibt in der Alten Bürger in Bremerhaven das Café "Lieblingsplatz". Foto: Polgesek
Anfang des Jahres sank die Umsatzsteuer auf Speisen in der Gastronomie die Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent. Landen Schnitzel und Pizza jetzt günstiger auf den Tellern der Kunden?
Landkreis Cuxhaven. Die Mehrwertsteuer wurde gesenkt, der Mindestlohn jedoch erhöht. Von 12,82 Euro pro Stunde auf 13,90 Euro. Im kommenden Jahr soll er weiter ansteigen - auf 14,60 Euro/Stunde. Die Gastronomen sparen demnach seit 1. Januar zwar bei der Mehrwertsteuer, jedoch nicht an den Personalkosten.
Das sei auch einer der Gründe, weshalb etwa der Landgasthof Seebeck in Flögeln seine Preise vorerst nicht senken wird. „Wir handhaben es so wie in den letzten Jahren und schauen uns nach dem ersten Quartal die Zahlen an. Der gesunkenen Mehrwertsteuer auf der einen Seite stehen gestiegene Kosten für Personal, Energie und Lebensmitteln gegenüber“, erläutert Geschäftsführer Claus Seebeck.
Nach Mehrwertsteuersenkung
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Mehrwertsteuererhöhung
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„Nach dem ersten Vierteljahr können wir schauen, was uns die Steuersenkung wirklich gebracht hat“, so Seebeck weiter. Dass er dann die Preise senkt, wollte er nicht in Aussicht stellen. „Wir hoffen eher, dass wir die Preise stabil halten können und nicht, wie in den Vorjahren, erhöhen müssen“, so Seebeck.
Ähnlich ergeht es auch Adam Stawarz. Der Gastronom hat zu Jahresbeginn das Restaurant Fisch und Meer in Dorum-Neufeld übernommen. Es sei keine Luft da, um die Preise zu senken, sagt Stawarz mit Blick auf den gestiegenen Mindestlohn. Außerdem rechnet er mit höheren Einkaufspreisen für Fisch, da die Fangquoten für Fischer 2026 sinken würden.
Preise in den meisten Restaurants sinken wohl nicht
In Bremerhaven ist die Lage ähnlich, wie Husein Nikezic berichtet, einer der beiden Geschäftsführer des Wulsdorfer Buernhus. „Wenn man uns mit anderen Restaurants in der Gegend vergleicht, haben wir schon sehr humane Preise. Klar sind auch die Lebensmittelkosten gestiegen, aber das ist nicht der größte Faktor“, so Nikezic. Er nennt ebenfalls gestiegene Personalkosten als Hauptgrund, die Preise in seinem Restaurant nicht zu senken.

Die Geschäftsführer des Restaurants Wulsdorfer Buernhus, Husein Nikezic und Danny Block. Foto: Polgesek
Jenifer Dagligil, die in Bremerhaven das Café Lieblingsplatz betreibt, findet deutliche Worte. „Wie soll ich das machen? Das geht gar nicht. Wir haben Personalkosten, Modernisierungskosten, so viel im Hintergrund, was für Gäste teilweise unsichtbar ist. Wenn ich die Preisen für Speisen senke, muss ich wieder an anderer Stelle einsparen“, so Dagligil. „Wie soll das gehen?“, fragt sich die Café-Betreiberin.
Nico Flathmann, Geschäftsführer des Restaurant Pier 6, teilt seine Gedanken dazu in einem Video auf der Instagram-Seite des Lokals. „Wir arbeiten seit Monaten am Limit“, erzählt Flathmann. Die Mehrwertsteuersenkung bedeute für ihn und andere Gastronomen, zu überleben, seine Mitarbeiter zu bezahlen, die benötigten Materialien einzukaufen und „wenn´s ganz gut läuft, vielleicht sogar noch ‚nen Euro überzuhaben“, so Flathmann.
Restaurant in Bremerhaven wirbt offensiv mit niedrigeren Preisen
Ganz anders sieht es in der Strandhalle in Bremerhaven aus. „Steuersenkung? Wir geben sie weiter! Wir lassen unsere Gäste nicht im Stich - versprochen!“, heißt es auf den Profilen des Restaurants auf Instagram und Facebook.
Laut Beitrag wurden zum Jahresbeginn die Preise für das Frühstücks- und Abendbuffet gesenkt. Sieben Euro weniger werden demnach nun für das Frühstücksbuffet verlangt, beim Abendbuffet zahlen Gäste zwei Euro weniger als zuvor.
Warum die Strandhalle im Gegensatz zu vielen anderen Kollegen ihre Preise senken konnte, ist nicht bekannt. Die Geschäftsführung war auf Nachfrage zu keiner Auskunft bereit.
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