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45 km/h

TNach tödlichem Unfall auf B495: So gefährlich sind Mopedautos

Zu einem schweren Unfall mit einem Kabinenroller kam es am vergangenen Sonnabend auf der B495 im Kreis Cuxhaven.

Zu einem schweren Unfall mit einem Kabinenroller kam es am vergangenen Sonnabend auf der B495 im Kreis Cuxhaven. Foto: Jürgen Lange

Mit maximal 45 km/h unterwegs, wenig Schutz und fehlende Sicherheitsvorgaben: Kabinenroller und Mopedautos bergen Risiken. Besonders auf Landstraßen und im Dunkeln können Fahrer gefährdet sein.

Von Märthe Werder und Dirk Averesch 25.08.2026, 15:15 Uhr

Landkreis. 2,5 Millionen Verkehrsunfälle: Das ist die Statistik für das Jahr 2025 in Deutschland. Dabei kamen laut Statistischem Bundesamt 2814 Menschen ums Leben. Am Sonnabend (22. August 2026) verlor ein 70-Jähriger bei einer folgenreichen Kollision auf der B495 bei Osten sein Leben. Er war in einem Kabinenroller unterwegs gewesen. Danach stellt sich die Frage: Was sind das für Fahrzeuge und wie sicher sind sie - besonders auf Land- oder Bundesstraßen?

Der 70-Jährige aus Osten war mit seinem auf der Bundesstraße bei Osten unterwegs, als er laut Polizei vermutlich von einer 90-jährigen Autofahrerin aus Großenwörden übersehen wurde. Das Auto kollidierte mit dem voll verkleideten dreirädrigen Fahrzeug. Der Fahrer starb trotz intensiver Bemühungen von Notarzt und Rettungsdienst noch an der Unfallstelle.

„Rechtlich handelt es sich um ein Kleinkraftrad“, erklärt Stephan Hertz, Pressesprecher der Polizeiinspektion Cuxhaven. Diese gibt es in verschiedenen Ausführungen und mit unterschiedlichen zulässigen Höchstgeschwindigkeiten. Ein Fahrzeug mit zwei Rädern fällt unter die Kleinkrafträder. Kabinenroller mit drei oder vier Rädern zählen zu den Leichtkraftfahrzeugen oder auch Mopedautos. Die Höchstgeschwindigkeit der Fahrzeuge kann variieren, liegt im Normalfall aber bei maximal 45 km/h. In der Regel fahren die Fahrzeuge auf der Straße. „Es gibt ganz selten Ausnahmen auf Radwegen, welche mit ‚Mofas frei‘ gekennzeichnet sind“, erklärt Hertz.

Besonders auf Landstraßen und im Dunkeln kann es mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h gefährlich werden.

Besonders auf Landstraßen und im Dunkeln kann es mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h gefährlich werden. Foto: May

Führerschein ab 15 Jahren möglich

Je nach Fahrzeug benötigen Verkehrsteilnehmer unterschiedliche Führerscheine. Ein Mopedauto dürfen Personen bereits ab 15 Jahren mit einem Rollerführerschein fahren. Dies gilt aber nur für Deutschland: Ins Ausland darf man trotz Führerscheins erst ab 16 Jahren fahren, teilt der ADAC (Allgemeiner Deutscher Automobil-Club) mit. Wie viele dieser Fahrzeuge im Cuxland unterwegs sind, kann der Landkreis nicht genau beziffern. „Kabinenroller mit einer Höchstgeschwindigkeit bis 45 km/h unterliegen nicht der Zulassungspflicht. Fahrzeuge, die schneller fahren dürfen, jedoch schon. Entsprechende Kabinenroller haben wir im Landkreis allerdings nicht zugelassen“, teilt Julia Müller von der Pressestelle der Behörde auf Nachfrage von „CNV-Medien“ mit.

Die Verbreitung der Moped-Autos nimmt stetig zu. Zwischen 2022 und Ende 2025 ist ihr Bestand bundesweit um fast 80 Prozent gestiegen. Von knapp 26.000 auf rund 46.000 Fahrzeuge, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) erhoben hat.

Für Fahrten in der Stadt kann ein solches Fahrzeug sinnvoll sein. Auf der Landstraße kann es in einem langsameren Fahrzeug aber gefährlich werden. „Wo höhere Geschwindigkeiten gefahren werden und gefahren werden dürfen, kann immer eine größere Gefahr für langsamere Fahrzeuge bestehen“, warnt Polizeisprecher Hertz. Ein Sprecher vom ADAC gibt ebenfalls zu bedenken: „Leichtmobile unterliegen beim Thema Crashsicherheit keinen gesetzlichen Sicherheitsanforderungen, wie sie für Autos gelten.“ Auch die Fahrstabilität ließe beim Ausweichen zu wünschen übrig.

Gefahren besonders außerorts und in der Dunkelheit

Ein Problem sei auch die Höchstgeschwindigkeit. „Vor allem in der Dunkelheit und außerorts fällt es anderen Verkehrsteilnehmern schwer, den großen Unterschied zwischen der eigenen Geschwindigkeit und der des maximal 45 km/h schnellen Leichtfahrzeugs richtig einzuschätzen, da diese Fahrzeuge visuell als ‚normale Autos‘ wahrgenommen werden“, heißt es vonseiten des ADAC. Daher sei eine aufmerksame Verkehrswahrnehmung wichtig, betont die Landesverkehrswacht Niedersachsen.

Stephan Hertz schätzt die Lage auf der Landstraße ähnlich ein: „Kleinere, langsamere Fahrzeuge können deutlich eher übersehen werden als größere. Das Fahrzeug an sich birgt im Falle eines Unfalls wenig Schutz, gerade im Vergleich zu Autos.“ Zudem könne eine langsamere Geschwindigkeit dazu führen, dass andere Verkehrsteilnehmer überholen möchten. „Hier kann es entsprechend zu Fehleinschätzungen kommen“, so Hertz.

Verglichen mit einem Roller oder Moped bei 45 km/h ist das Schutzpotenzial dennoch höher. Durch den Sicherheitsgurt und das geschlossene Fahrzeug ist das Risiko eines Aufpralls auf der Straße geringer, so der ADAC-Sprecher.

Schnell zugelassen, aber hohe Schadenhäufigkeit

Obwohl Micro-Cars deutlich langsamer als normale Autos sind, verursachen sie laut GDV aber ungefähr ebenso viele Schäden: Im Jahr 2025 registrierten die Versicherer rund 2.300 Kfz-Haftpflichtschäden mit Micro-Cars. Das entspricht 50 Schäden auf 1.000 versicherte Fahrzeuge. Damit liege ihre Schadenhäufigkeit auf einem ähnlichen Niveau wie die von Pkw.

„Die Fahrzeugstruktur eines Micro-Cars ist nicht mit der eines Kleinwagens vergleichbar“, sagt Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung der Versicherer. „Bei einem Zusammenstoß sind die Insassen deshalb einem deutlich höheren Risiko schwerer oder tödlicher Verletzungen ausgesetzt als in einem Pkw.“ (dpa)

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