TMillionenschwer: Buxtehudes umsatzstärkstes Unternehmen zieht um
Die Weltkarte an der Wand zeigt: Global Fruit Point hat Handelsbeziehungen überall auf dem Globus. Auf dem Bild sitzt Geschäftsführer Sven Heinsohn in seinem Büro in Buxtehude. Foto: Sulzyc
Ein Buxtehuder Unternehmen versorgt Verbraucher das ganze Jahr über mit Obst. Geschäftsführer Sven Heinsohn kennt Geschichten, die Früchte erzählen.
Buxtehude. Ob Orangen oder Tafeltrauben: Obst gibt es im Supermarkt das ganze Jahr. Deutschland hat laut der Agrarmarkt-Informations-Gesellschaft im Jahr 2024 insgesamt 5,43 Millionen Tonnen frisches Obst importiert.
Ein mittelständisches Unternehmen mit Sitz in Buxtehude hat daran einen Anteil: die Global Fruit Point GmbH. Angesichts seiner wirtschaftlichen Bedeutung wirkt das Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit geradezu unprätentiös.
Nur ein unscheinbares Schild an der Hauswand weist auf das umsatzstärkste Unternehmen in Buxtehude hin: das Fruchthandelsunternehmen Global Fruit Point. Foto: Sulzyc
Lediglich ein leicht zu übersehendes Firmenschild, etwas größer als ein DIN-A4-Blatt, weist an einer Backsteinfassade entlang der Bahnhofstraße auf den weltweit agierenden Fruchthändler hin.
Dabei ist die Global Fruit Point GmbH Buxtehudes umsatzstärkstes Unternehmen. Und im Landkreis Stade die sechstgrößte Firma nach Umsatz. Das ergab eine TAGEBLATT-Recherche auf Basis der veröffentlichten Jahresabschlüsse im Bundesanzeiger, von Informationen von North Data und Nachfragen bei den Unternehmen.
So viel Umsatz macht Global Fruit Point im Jahr
„Wir erwirtschaften seit mehreren Jahren jeweils 220 bis 230 Millionen Euro Umsatz pro Jahr“, antwortet Geschäftsführer Sven Heinsohn auf Nachfrage dem TAGEBLATT. Zum Vergleich: Das umsatzstärkste Unternehmen im Landkreis, das Chemieunternehmen Blue Cube Germany Assets (Olin), kommt auf 566,1 Millionen Euro. Airbus und Dow sind in der Statistik nicht gelistet, weil sie ihre Umsätze nicht einzeln nach Standorten ausweisen.
Zu Gewinnen äußert sich das Unternehmen nicht. Nur soviel: „Wir machen Umsatz zu kleinen Margen - nicht wie in der Autoproduktion“, sagt Sven Heinsohn.

Tafeltraubenplantage in Südafrika, 180 Kilometer von Kapstadt entfernt. Früchte von dort werden über Buxtehude importiert und vermarktet. Foto: Heinsohn
In den Räumen von Global Fruit Point sitzen Ein- und Verkäufer vor Bildschirmen und Rechnern. Sie bringen aus Südafrika, Argentinien, Peru, Chile, Indien, Brasilien, Neuseeland und anderen Ländern Obst nach Europa. 31 Beschäftigte hat das Unternehmen - davon 25 in Buxtehude und sechs in Rotterdam. Rund 80 bis 90 Prozent der Importe für den deutschen europäischen Markt kommen in Rotterdam an.
Zusätzliche Arbeitsplätze noch in diesem Jahr
Zahlreiche Unternehmen in Deutschland vermelden den Abbau von Arbeitsplätzen. Global Fruit Point in Buxtehude dagegen plant, zusätzliche Arbeitsplätze in diesem Jahr zu schaffen. Großhandelskaufleute sucht das Unternehmen, aber auch Mitarbeitende in der Administration und in der Informationstechnologie.
Die Voraussetzung dafür schafft das Fruchthandelsunternehmen mit einem Umzug: Aus dem Geschäftshaus an der Bahnhofstraße 45 wird es voraussichtlich im März oder April in den Neubau der Sparkasse Harburg-Buxtehude an der Bahnhofstraße 18 umziehen. 600 Quadratmeter in der leerstehenden Etage über dem Geldinstitut wird Global Fruit Point beziehen.
Ein Umzug auf die andere Straßenseite also. Buxtehude dürfte aufatmen, denn andere Kommunen versuchten, den wohl veritablen Steuerzahler abzuwerben. Und die Gewerbesteuereinnahmen in Buxtehude sinken: Rund vier Millionen Euro weniger als im Vorjahr erwartet die Stadt in diesem Jahr. „Wir wollen bewusst nicht in Hamburg sein“, sagt Sven Heinsohn, der in Jork lebt.
200 Quadratmeter zusätzliche Fläche gewänne das Unternehmen mit dem Umzug - und auch eine größere Sichtbarkeit im Stadtbild. „Vielleicht dann auch mit einem größerem Firmenschild an der Gebäudefassade“, sagt Sven Heinsohn.
Im Ausland mehr Wertschätzung für Obst
Für mehr Wertschätzung gegenüber Obst und seiner Branche kämpft Heinsohn. Fruchtkaufmann nennt er sich gerne. Ihn wundert, wie wenig Aufmerksamkeit Früchten in Deutschland geschenkt werde.
Im Ausland sei die Wertschätzung oft größer. Als Geschäftsführer ist Sven Heinsohn häufig in Übersee unterwegs und besucht Anbaubetriebe. In anderen Ländern seien Obst und Gemüse Grundnahrungsmittel - vergleichbar mit Pasta.

Sven Heinsohn (links) besucht regelmäßig Anbaubetriebe und Geschäftspartner in Übersee, hier in einem Zitrus-Packhaus in Südafrika. Foto: Heinsohn
„Einen Apfel zu essen - darüber muss man schreiben, die positiven Wirkungen auf die Gesundheit hervorheben“, sagt Sven Heinsohn. Was manchen nicht bekannt ist: Deutschland führt in jedem Jahr frische Äpfel ein, um den Bedarf zu decken: 475.000 Tonnen waren es dem Thünen-Institut für Betriebswirtschaft zufolge im Jahr 2023.
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Den Fruchthändler wundert es, wenn Eltern Kindern nicht erklärten, woher das Essen stammt. „Ein Kind hält eine Kiwi in der Hand und fragt: Was ist das denn?“ Hier in Buxtehude habe er das erlebt.

Tafeltrauben gehören zum Warenangebot von Global Fruit Point. Foto: Heinsohn
Dass Früchte in Deutschland nicht die ihnen zustehende Wertschätzung erhielten, daran trage seiner Meinung nach auch die eigene Branche eine Mitschuld. Sein Vorwurf: Die Spitzenverbände ließen Soziale Medien ungenutzt. „Wir haben keinen Früchte-Influencer“, bemängelt Sven Heinsohn.
Dabei hätten Früchte Geschichten zu erzählen. Also erzählt Heinsohn Verblüffendes und Wissenswertes. Zum Beispiel das hier: „Die Finnen essen im Winter mehr Melonen als im Sommer.“ Und woher die Melonen in den deutschen Supermärkten im Januar kommen, sagt er auch noch: aus Brasilien, Costa Rica und Panama.
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