TMonströses Sickerbecken wird zur letzten Hürde an der Oste
Obere-Oste-Geschäftsführer Wilhelm Meyer (links) und technischer Leiter Jascha Murck im Sickerbecken, das 1600 Quadratmeter misst. Foto: Kratzmann
Es ist vollbracht. Der Unterhaltungsverband Obere Oste hat die neue Geschäftsstelle bezogen. Vier Jahre nach dem Kauf. Eine „letzte Kröte“ hatte die Verbandsspitze noch zu schlucken.
Zeven/Harsefeld. Als „letzte Kröte“ bezeichnet Wilhelm Meyer, Geschäftsführer des Gewässer-Unterhaltungsverbandes (UHV) Obere Oste, die Auflage, auf dem Verbandsgrundstück am Tannenkamp ein monströses Sickerbecken anzulegen. Es liegt im Nordosten des Grundstücks am Waldrand.
1.600 Quadratmeter misst das Becken - so groß wie zwei Einfamilienhausgrundstücke. Mehr als 73 Meter lang und 22 Meter breit ist die Grube. Die Tiefe beträgt 2,60 Meter. Den Bodenaushub, zu einem Hügel aufgeschütteter heller Sand, vermarktet der Verband. Um das Becken war ein Fahrstreifen zu legen. Den hat Wilhelm Meyer mit etlichen Tonnen Rodersteinen befestigen und mit Mutterboden bedecken lassen.
Die Arbeit haben Mitarbeiter des Verbandsbauhofs erledigt. Mit fast 50.000 Euro hat Meyer die Eigenleistungen berechnet. Etwa die doppelte Summe wäre fällig gewesen, hätte die Herstellung des Sickerbeckens an eine Firma vergeben werden müssen.
Wilhelm Meyer und Jascha Murck vor dem Neubau der Geschäftsstelle. Foto: Kratzmann
Lediglich 30 Prozent des Grundstücks sind versiegelt
Es ist Ende Juni, als Verbandsgeschäftsführer Wilhelm Meyer sein neues Büro präsentiert und gemeinsam mit dem technischen Leiter des Verbandes, Jascha Murck, an den Beckenrand bittet. „Das Becken wird nie voll“, prophezeit Wasserbau-Ingenieur Meyer. Das Rückhaltevolumen beträgt rund 635 Kubikmeter. Bei der Berechnung zugrunde gelegt wurde, dass das Verbandsgrundstück zu 80 Prozent versiegelt wird und dass es zu Extrem-Niederschlag kommt.

Ein Teil der 635 Kubikmeter Aushub. Den Sand vermarktet der Unterhaltungsverband. Foto: Kratzmann
Angesichts dessen und der Tatsache, dass der Regenwasserkanal im Tannenkamp bereits ausgelastet ist, wurde der Unterhaltungsverband abgeklemmt und das Sickerbecken entsprechen der vorgegebenen Abmessungen anlegen. Dass das Grundstück lediglich zu 30 Prozent versiegelt ist, tat nichts zur Sache.
Etliche Probebohrungen waren nötig, um den geeigneten Standort für das Sickerbecken zu ermitteln. Zwei Kanäle leiten das Regenwasser zu. Dafür waren eine wasserrechtliche Erlaubnis und eine Grubenbaugenehmigung einzuholen. All das beschreibt, warum Meyer von Kröte spricht.
T Obere Oste: Immer mehr Grün, immer mehr Kosten
Ein Hürdenlauf bis zur Baugenehmigung
Von denen hatten er und Verbandsvorsteher Johann Ropers einige zu schlucken, seit sie sich auf die Suche begeben hatten, ein Grundstück zu finden, um darauf Bauhof und Geschäftsstelle zu vereinen. Das war bald gefunden: am Ende des Tannenkamps im Industriegebiet Aspe. Es schien ideal. Jahrzehnte war die Scholle Standort eines Bauunternehmens. Es gab einen Lagerplatz für Baumaterialien. Es gab eine Maschinenhalle und ein Bürogebäude.
Doch die Kreisverwaltung stand einer unkomplizierten Nachnutzung des Geländes im Wege. Ein Bebauungsplan musste her. Den hatte die Stadt Zeven aufzustellen und dabei allerhand Hürden zu nehmen. So verlangte der Kreis die Rodung von Wald entlang der Grundstücksgrenze, um den Abstand zum Wald einhalten zu können. Dann tauchten Bedenken wegen der ehemaligen Betriebsleiterwohnung auf dem Grundstück auf. Dann meinte die Kreisverwaltung, die Verbandsgeschäftsstelle gehöre nicht in ein Industrie-, sondern in ein Gewerbegebiet.
Das Verfahren zog sich und zog sich. Doch Anfang 2025 erhielt der Unterhaltungsverband die Baugenehmigung für die Geschäftsstelle. Nachdem die Ausweisung von Kompensationsflächen zu weiteren Verzögerungen geführt hatte, beschloss der Zevener Stadtrat vor bald einem Jahr den geforderten Bebauungsplan.
10.000 Quadratmeter des Grundstücks stehen zum Verkauf
Bevor der Neubau in Aspe fertig war, musste die Verbandsgeschäftsstelle das Grüne Zentrum an der Meyerstraße räumen und in das lange leer stehende Wohnhaus des verstorbenen Bauunternehmers Arnold von Bargen einziehen. Das war im November 2025.
Mitte Juni dann der zweite Umzug - in die neue Geschäftsstelle. In dem einstöckigen Flachdachgebäude haben sechs Verbandsmitarbeiter ihre Schreibtische. Die fünf Kollegen vom Bauhof sind meist auf Achse.
Und Wilhelm Meyer guckt nach vorne. Die letzte Kröte ist verdaut. Wenn sich jetzt noch ein Käufer für rund 10.000 Quadratmeter des Grundstücks findet, ist alles gut. Der Unterhaltungsverband braucht rund 60 Prozent des 22.400 Quadratmeter messenden Areals. Die Villa und der Teil des Grundstücks am Sickerbecken stehen zum Verkauf.
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