TMord: Er bringt Cold Cases ins Rampenlicht bei „Aktenzeichen XY ungelöst“
Rainer Brenner hat schon viele TV-Auftritte hinter sich und stellte dabei die Cold Cases aus dem Kreis Cuxhaven vor. Foto: May
Ein Cuxhavener bringt ungelöste Kriminalfälle ins Fernsehen. Doch trotz neuer Spuren und Hinweise bleibt die entscheidende Entdeckung aus. Welche Rolle spielt dabei „Aktenzeichen XY... ungelöst“?
Cuxhaven. True-Crime-Formate im Fernsehen, in Podcasts und in der Literatur haben das Interesse an realen Kriminalfällen in den letzten Jahren deutlich erhöht. Kein Wunder also, dass Cold Cases, also ungelöste Kriminalfälle, die Menschen faszinieren - erst recht, wenn sie einen Bezug zur unmittelbaren Umgebung haben. Die Ungewissheit und das ungelöste Rätsel hinter solchen Fällen ziehen viele Menschen an. Die Hoffnung, dass durch erneute Aufmerksamkeit und neue Hinweise den Opfern und ihren Familien doch noch Gerechtigkeit widerfährt, motiviert viele, sich mit diesen Fällen zu beschäftigen. Die persönlichen Geschichten der Opfer und ihrer Angehörigen berühren und schaffen eine emotionale Verbindung. In der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ wurden bereits mehrere Fälle aus dem Kreis Cuxhaven vorgestellt - immer begleitet von dem Cuxhavener Ermittler Rainer Brenner.
Ein Ermittler auf der Spur ungelöster Fälle
2019 war der heute 56-jährige Cuxhavener erstmals in der Sendung zu Gast, die ungeklärte Kriminalfälle präsentiert. Schon als Kind verfolgte er die Sendung gespannt - hinter dem Sofa hockend. Mittlerweile steht er regelmäßig selbst vor der Kamera. „2019 ging es um die Prostituierten-Morde. Wir hatten eine neue DNA-Spur und einen gut gefüllten Rucksack mit neuen Erkenntnissen im Gepäck“, erinnert sich der Ermittler.
Bei dem vorgestellten Fall handelte es sich um die beiden Frauen Vanessa Wardelmann und Anja Witt. Beide arbeiteten Anfang der 1990er Jahre als Prostituierte in Bremerhaven und wurden 1992 beziehungsweise 1993 ermordet aufgefunden. Die Polizei vermutet einen Serientäter und stellte die Fälle vor, um durch neue Hinweise die Taten aufzuklären.
Hoffnung auf den entscheidenden Hinweis
Doch wie läuft so eine Sendung eigentlich ab? Bereits am Tag vor der Ausstrahlung geht es ins Aufnahmestudio nach München. „Es wird am Tag zuvor einmal geprobt. Beim ersten Mal war ich dann schon ziemlich aufgeregt“, erinnert sich Rainer Brenner. Am Folgetag, um 20.15 Uhr, beginnt dann die Live-Sendung, durch die Moderator Rudi Cerne führt. „Er ist bemerkenswert gut vorbereitet und hilft einem dabei, die Nervosität abzulegen.“
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Während der Sendung werden die Anrufe im Studio übrigens von Mitarbeitern der Sendung entgegengenommen. Die Ermittler erhalten in der Regel erst am Ende der Sendung eine Liste mit allen Hinweisen. „Ich wurde aber auch schon mal direkt ans Telefon geholt“, berichtet Brenner, der seit 1993 bei der Polizei und seit dem Jahr 2000 im Ermittlungsdienst tätig ist. Bis zu 200 Hinweise gingen während der Sendung zu den Fällen Witt und Wardelmann ein. „Auch ein Name wurde genannt.“ Die Ermittlungen begannen noch in der Nacht nach der Sendung. „Bis heute bekommen wir immer mal wieder Hinweise.“ Der entscheidende Tipp fehlt jedoch bis heute. Warum dann der TV-Auftritt? „Weil wir nach so langer Zeit hoffen, dass sich Mitwisser oder Helfer melden“, so der Ermittler.
Der Fall Nancy Köhn
Die Hoffnung hatte Rainer Brenner auch im Jahr 2022, als er einen weiteren Vermisstenfall bei „Aktenzeichen XY... ungelöst“ präsentierte. Es ging um Nancy Köhn aus Hechthausen. Die damals 25-Jährige wird seit Februar 2009 vermisst. Ihr Fahrzeug wurde im April 2009 an einer Hamburger S-Bahn-Station entdeckt und später verschrottet. Die Familie meldete sie erst drei Monate später als vermisst. Sie wurde bis heute nicht gefunden.
Auch hier erhoffte sich Rainer Brenner, neue Hinweise zu bekommen, und hatte sich gut auf die Sendung vorbereitet. „Bei der Probe haben wir aber gemerkt, dass die Vorstellung des Falls viel zu lang ist. Da mussten wir dann vieles kürzen. Mein Konzept, das ich mir für die Sendung überlegt hatte, musste ich kurzerhand umwerfen.“ In der Ausstrahlung war davon nichts zu merken. Aber auch bei diesem Fall erhielt der Ermittler keinen Hinweis, der zur Aufklärung des Verschwindens beitrug.
Die Disco-Morde: Ein ungelöstes Rätsel
Ebenfalls 2022 präsentierte Rainer Brenner neue Erkenntnisse zum Vermisstenfall Anja Beggers in der Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“. Sie gehört zu den sechs Frauen, die zwischen 1977 und 1986 spurlos verschwanden. Mehr als 100 Hinweise sind zu den als „Anhalter- oder Disco-Morde“ bekannten Vermisstenfällen bei der Polizei in Cuxhaven eingegangen. Doch auch hier fehlt noch immer der entscheidende Hinweis, der zur Aufklärung der Fälle führen könnte.
Auch für die Angehörigen haben die TV-Auftritte eine große Bedeutung. Rainer Brenner steht mit ihnen in Kontakt, denn: „Die Angehörigenbetreuung hat einen hohen Stellenwert. Wenn wir denen sagen, dass wir neue Ermittlungsansätze haben und zu Aktenzeichen XY gehen, dann schöpfen auch sie neue Hoffnung. Da guckt man schon mal in leuchtende Augen.“ Umso ärgerlicher sei es, wenn die Fälle nicht aufgeklärt werden können.
Aufklärungsquote liegt bei fast 40 Prozent
Die Ermittlungsgruppe zu den Cold Cases wurde mittlerweile eingestellt. „Weil wir alle Hinweise abgearbeitet haben und es keine weiteren Ansätze gibt. Es ist frustrierend, aber wir müssen uns damit zufriedengeben, dass die Fälle aus aktueller Sicht nicht aufzuklären sind“, so Brenner. Die Aufklärungsquote von „Aktenzeichen XY... ungelöst“ liegt übrigens im Durchschnitt bei fast 40 Prozent. Das bedeutet, dass mehr als ein Drittel der Fälle durch Hinweise aus der Sendung oder durch die damit verbundene Aufmerksamkeit gelöst werden kann.
Im Kreis Cuxhaven gibt es 14 Cold Cases: sieben definitive Tötungsdelikte, bei denen der Täter nie gefunden wurde, sowie sieben Vermisstenfälle. Das älteste Delikt stammt aus dem Jahr 1971. „Der Fall ist 54 Jahre alt. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Täter noch am Leben ist, ist sehr gering.“ Eine Aufklärung wird es hier also höchstwahrscheinlich nie geben.