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24-Stunden-Reportage

TMorgens im Labor: Ohne diese Lebensretter liegt das Stader Krankenhaus lahm

Beruf mit enormer Verantwortung: Nina Polzin arbeitet bei den Elbe Kliniken als leitende Medizinische Technologin für Laboratoriumsanalytik (MTL).

Beruf mit enormer Verantwortung: Nina Polzin arbeitet bei den Elbe Kliniken als leitende Medizinische Technologin für Laboratoriumsanalytik (MTL). Foto: Weselmann

In den Elbe Kliniken ist immer Betrieb. Das gilt genauso für den Laborbereich hinter den Kulissen. Ein morgendlicher Besuch im lebensrettenden Reich der Röhrchen.

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Von Fenna Weselmann
22.07.2026, 18:30 Uhr

Stade. Das verborgene Herz des Elbe Klinikums Stade liegt gleich im Erdgeschoss. In dem für Patienten unsichtbaren Bereich stehen die Geräte niemals still. Ein ständiges Surren und Brummen, umrahmt von regelmäßigem Piepen und Telefonklingeln, erfüllt die Räume des hauseigenen Zentrallabors.

Das Zentrallabor der Elbe Kliniken ist 24/7 besetzt

Hier ist jeden Tag rund um die Uhr Betrieb. Ohne das Team vom Institut für Labordiagnostik, Mikrobiologie und Transfusionsmedizin (kurz: ILMT) wäre der Krankenhausalltag sofort lahmgelegt. Rund 70 Prozent aller medizinischen Diagnosen basieren maßgeblich oder überwiegend auf Laborbefunden, und für viele Operationen braucht es Blutkonserven im direkten Zugriff.

Viel zu tun im Reich der Röhrchen: Morgens bekommt das Laborteam immer Kästen voll frischer Proben von den Stationen reingereicht.

Viel zu tun im Reich der Röhrchen: Morgens bekommt das Laborteam immer Kästen voll frischer Proben von den Stationen reingereicht. Foto: Weselmann

Zwischen 9 und 10 Uhr kommt immer ein ganzer Schwung Proben. „Die werden freundlicherweise auf den Stationen eingesammelt und zu uns gebracht“, erklärt Nina Polzin als leitende Medizinische Technologin für Laboratoriumsanalytik (MTL) am Standort Stade. Blut, Urin, Gewebe, Abstriche oder andere Körperproben - mit der Annahme nimmt die Analyse ihren Lauf.

Einige Stationen haben eine Schnellanbindung

Ein Kasten voll Röhrchen landet in der Durchreiche. Im selben Moment saust noch eine Rohrpost an. Das ist die Schnellanbindung für Intensivstation, Zentrale Notaufnahme und OP.

Im ersten Schritt sortiert Kollegin Sabine Tiedemann die abgegebenen Blutproben in die Zentrifuge. Sie arbeitet seit 33 Jahren im Elbe Klinikum. Die erfahrene MTL weiß, dass sich kaum ein Patient Gedanken macht, welch anspruchsvoller Job mit der Labordiagnostik im Hintergrund verbunden ist.

MTL Sabine Tiedemann bestückt die Zentrifuge mit den frisch angekommenen Blutproben.

MTL Sabine Tiedemann bestückt die Zentrifuge mit den frisch angekommenen Blutproben. Foto: Weselmann

Gerade nachts, wenn die Arbeit von einer Person allein gewuppt wird. „Da heißt es schon mal, richtig Hackengas geben“, erzählt Tiedemann. Denn oft geht es um Leben oder Tod.

Im Alltag unsichtbar, im Notfall entscheidend

Wenn im Nachtdienst Notfälle wie ein Unfall mit Schwerverletzten, akutes Lungenversagen bei einem Intensivpatienten und eine Einlieferung mit Verdacht auf Herzinfarkt zusammenfallen, muss die Laborkraft rotieren. „Erst Blutkonserve für den OP oder Diagnostik für die dringende Abklärung? Unsere MTLs treffen dann Entscheidungen mit unmittelbarer klinischer Konsequenz. Ihre Priorisierung rettet im Ernstfall Leben“, erklärt Institutsleiter und Chefarzt Dr. Steffen Friedewald.

Dass diese Arbeit wie selbstverständlich im Hintergrund läuft, gehört zum Prinzip. Im Alltag verlässt sich das ganze Haus auf schnelle, verlässliche Befunde. Genau dieses geräuschlose Funktionieren ist der Anspruch des Teams.

Institutsleiter Dr. Steffen Friedewald und MTL Folke Jürs zeigen, was anhand eines Blutausstrichs unter dem Mikroskop zu erkennen ist.

Institutsleiter Dr. Steffen Friedewald und MTL Folke Jürs zeigen, was anhand eines Blutausstrichs unter dem Mikroskop zu erkennen ist. Foto: Weselmann

Ob akute Infektion, Organfunktionsstörung oder Leukämie - im Erkennen von Erkrankungen leistet dieser medizinische Fachbereich einen entscheidenden Beitrag. „Ohne funktionierendes Labor müsste sich die Notaufnahme abmelden. Die Diagnostik ist eine der stillen Grundvoraussetzungen dafür, dass ein Haus dieser Größe rund um die Uhr sicher arbeiten kann“, so der Institutsleiter.

Hochmoderne Geräte beschleunigen die Analyse

Die technische Entwicklung hat Laborprozesse deutlich beschleunigt. Früher wurde in der Klinischen Chemie per Hand pipettiert. Da schaffte eine MTL während einer Schicht zwischen 80 und 100 Analysen. Heute übernehmen vollautomatisierte Systeme die Diagnostik im Akkord. „Deren Einsatz ist eine bewusste Investition in Qualität und Patientensicherheit“, sagt Friedewald.

MTL Folke Jürs arbeitet in der Klinischen Chemie und ist immer wieder begeistert von den hochmodernen Geräten.

MTL Folke Jürs arbeitet in der Klinischen Chemie und ist immer wieder begeistert von den hochmodernen Geräten. Foto: Weselmann

In Stade bearbeiten die Hochleistungsgeräte mehr als 1000 Proben pro Tag. Alle Röhrchen sind mit Barcode versehen und werden wie an einer Supermarktkasse mittels Scanner eingelesen. MTL Folke Jürs bestückt die Maschine - und nur wenig später sind die Parameter für die Funktion von Niere, Leber, Herz und Schilddrüse oder Tumormarker ermittelt. Sie ist immer wieder begeistert von der technischen Präzision: „Für die Messung braucht es nur Mikrotröpfchen an Serum.“

Der Fachbereich ist eine wichtige Schnittstelle

Dringende Analysen können zwischengeschoben werden. Doch die Geräte arbeiten so schnell, dass selbst Eiliges meist routinemäßig mitläuft. Der Faktor Mensch bleibt dennoch entscheidend, nicht nur für die Bedienung der Systeme. Die geben bei Auffälligkeiten zwar automatisch Alarm. Bei der Beurteilung der Ursache ist die fachliche Expertise des Personals aber unerlässlich.

Drei Ärztinnen und Ärzte, 24 MTLs in Stade und 14 MTLs in Buxtehude, bilden das Laborteam. Wesentlicher Teil ihrer analytischen Arbeit sei die Beratung, sagt Friedewald. „Das Labor ist eine interdisziplinäre Schnittstelle. Wir unterstützen die anderen Abteilungen bei der Einordnung der Werte und geben Empfehlungen zu weiteren diagnostischen Schritten.“ Deshalb klingelt bei den Ansprechpartnern im Labor auch laufend das Telefon. Genau in dieser Nähe liege der Wert einer eigenen, ärztlich geleiteten Labormedizin.

In der Mikrobiologie dreht sich alles um Infektionserreger

Eine kleine Wendeltreppe führt hinunter in den nächsten Fachbereich des Labors. Den bedient längst nicht jedes Krankenhaus. In der Mikrobiologie dreht sich alles um Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten.

Dringende Frage zu einem nachgewiesenen Staphylococcus aureus: Der leitende Oberarzt Dr. Alexander von Thomsen berät mit der MTL das weitere Vorgehen.

Dringende Frage zu einem nachgewiesenen Staphylococcus aureus: Der leitende Oberarzt Dr. Alexander von Thomsen berät mit der MTL das weitere Vorgehen. Foto: Weselmann

Hier türmen sich die Petrischalen. Denn unter der Leitung von Dr. Alexander von Thomsen werden Kulturen von Infektionserregern aller Art angelegt und diagnostiziert. Der Oberarzt ist oft unterwegs im Haus. „Der Austausch mit den Kollegen ist enorm wichtig“, sagt er. Zu seinen Aufgaben gehören die infektiologische Beratung und die Begleitung von Visiten auf den Intensivstationen.

Im Kühlschrank lagert die klinikeigene Blutbank

Dem Labor angeschlossen ist die klinikeigene Blutbank, geleitet von der Oberärztin und Transfusionsverantwortlichen Annette Hell. In Stade lagern permanent etwa 100 Blutkonserven, für geplante Eingriffe und akute Notfälle. Ein kleineres Blutdepot gibt es auch am Klinikum Buxtehude.

MTL Lea Röver sucht die für eine geplante OP zugewiesenen Blutkonserven aus dem Kühlschrank.

MTL Lea Röver sucht die für eine geplante OP zugewiesenen Blutkonserven aus dem Kühlschrank. Foto: Weselmann

Auf der Kühlschranktür prangt der Hinweis „Achtung, Bremen ist mit 0 negativ im Notbestand“. Der zeigt die Bedeutung von Blutspenden. MTL Lea Röver erzählt von einem Extremfall, wo es für eine Not-OP wegen eines geplatzten Aortenaneurysmas allein 20 Konserven brauchte. „Ohne die wäre der Patient gestorben.“

Laborteam bildet eine ganz eigene Bubble

Aller Ernst kann die gute Laune im Labor nicht trüben. „Wir haben hier unsere rosarote Bubble“, sagt Folke Jürs voll Lob fürs Team. Viele wurden schon in den Elbe Kliniken ausgebildet, eine eingeschworene Gemeinschaft.

Um 10 Uhr kommt besonderer Besuch. Institutsleiter Friedewald, Oberarzt von Thomsen und Laborleiterin Polzin unterbrechen ihre Arbeitsroutine - für potenzielle Verstärkung. Nach dem Vorstellungsgespräch geht es dann schnell zurück ins Reich der Röhrchen.

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