TNeue Aufgabe für Harsefelds Turm: Was sich hinter den Mauern verbirgt
Beste Lage: Der Turm von Jürgen Vieths steht mitten in Harsefeld. Foto: P. Meyer
Rund 14.000 Schläuche trockneten im alten Feuerwehrturm, bis er 1996 ausgedient hatte. Jetzt bietet Jürgen Vieths Urlaubern hier eine besondere Unterkunft im Herzen von Harsefeld.
Harsefeld. Wer über die Griemshorster Straße nach Harsefeld einbiegt, dem fällt er gleich auf. Als eines der Wahrzeichen des Ortes ragt das rund 20 Meter hohe Gebäude in den Himmel. Dort, wo einst Feuerwehrschläuche zum Trocknen aufgehängt wurden, können heute Gäste aus aller Welt einen besonderen Urlaub verbringen.
Im ehemaligen Schlauchturm befindet sich jetzt eine Ferienwohnung. Foto: P. Meyer
„Wir haben schon Gäste aus Kanada, Malaysia, Russland oder Kroatien im Turm begrüßen dürfen“, erzählt der Eigentümer des Gebäudes, Jürgen Vieths. Seit 2025 bietet er den Turm als Ferienwohnung an.
Ein Turm mit Geschichte
„Lage. Architektur. Flair.“, bewertet ein zufriedenes Paar seinen Aufenthalt im ehemaligen Schlauchturm kurz und knapp. Andere schwärmen von der außergewöhnlichen Erfahrung, in einem alten Feuerwehrturm übernachten zu können.

Das Feuerwehrhaus samt Schlauchturm von oben Anfang der 1950er Jahre. Foto: Samtgemeindearchiv Harsefeld
Davon, dass das Innere des Turmes einmal aussah wie der Maschinenraum eines Kreuzfahrtschiffs - ein hoher, weißer Raum mit Gittern und eisernen Sprossenleitern - ist nichts mehr zu erkennen. Funktional musste es sein, als der Turm Anfang der 1950er Jahre nebst Gerätehaus errichtet wurde.
Blick in den Feuerwehrturm
„Ein Schlauchturm stand ganz oben auf der Wunschliste der Feuerwehrleute“, schrieb Günter Kachmann vor einigen Jahren in einem Beitrag über den Schlauchturm im Harsefelder Jahrbuch.

Ein Blick in den Turm vor dem Umzug der Feuerwehr 1996. Foto: Samtgemeindearchiv Harsefeld
Bevor es den Turm gab, mussten die Harsefelder Feuerwehrleute die 15 Meter langen Schläuche provisorisch in der Scheune ihres Kameraden Poppe in der Herrenstraße an angenagelten Brettern trocknen.
Funkloch auf der Geest beseitigt
Mit dem Turm kam die Möglichkeit, die Schläuche in voller Länge aufzuhängen. Als die Schläuche später auf 20 Meter Länge anwuchsen, mussten die Feuerwehrleute dann sogar bis in die Spitze des Turms hinaufklettern.

Bevor es den Turm gab, wurden die Feuerwehrschläuche in Poppes Scheune an der Herrenstraße getrocknet. Foto: Samtgemeindearchiv Harsefeld
Etwa 14.000 Schläuche sollen es im Laufe der Jahre gewesen sein. „Das entspricht etwa einer Länge von Bremen bis nach Flensburg“, fasste Günter Kachmann zusammen. Auch das TAGEBLATT berichtete 1952 zur Einweihung: „Der Turm wird in Zukunft eines der prägenden Merkmale im Ortsbild sein.“
Jurten, Schlösser, Türme: Reisende suchen das gewisse Etwas
Auf die Idee, den Turm an Reisende zu vermieten, kam Jürgen Vieths vor zwei Jahren. Das Interesse an besonderen Unterkünften sei hoch, erklärt der 48-Jährige. Seiten wie Airbnb hätten sogar eigene Kategorien für Schlösser, Jurten, Höhlen - und eben Türme.
Wie besonders die Wohnung ist, das weiß Jürgen Vieths ganz genau - schließlich war er als 18-Jähriger selbst am Umbau beteiligt und lebte mehr als zehn Jahre im ehemaligen Schlauchturm der Feuerwehr.
Nachdem diese im Jahr 1996 wegen Platzmangels in das neue Feuerwehrhaus Auf der Herde zog, kauften seine Eltern, Hans-Jürgen und Ursula Vieths, das Gebäude samt Grundstück und dem Eckhaus an der Marktstraße. „Ich hatte gerade meine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker abgeschlossen“, erinnert sich Jürgen Vieths.

Sperrige Möbel mussten über den Balkon im 2. Stock in die Wohnung gebracht werden. Foto: P. Meyer
Daher durfte er beim Ausbau des Turmes helfen. „Wir haben viel in Eigenleistung gemacht“, so der gebürtige Ottendorfer. Das Dach des angrenzenden Feuerwehrgerätehauses mit Versammlungsraum sei damals nicht ausgebaut gewesen, Decken mussten erst eingezogen werden, und der Schlauchturm wurde in fünf Ebenen unterteilt. Eineinhalb Jahre dauerten der Ausbau sowie der Neubau nebenan etwa.
Whirlpool im zweiten Stock: „Ein Traum für einen Junggesellen“
Entstanden war daraus mehr als ein außergewöhnliches Objekt, denn mit dem Turm entdeckte Jürgen Vieths auch sein Interesse an Immobilien. Heute ist er Projektentwickler in der Immobilienbranche - mit eigener Firma. Auf das Leben im Turm blickt er gerne zurück: „Für einen Junggesellen Anfang 20 war das traumhaft“, sagt er. Besonders den Ausblick und die zentrale Lage habe er geschätzt.

Es gibt einen Whirlpool im zweiten Geschoss des ehemaligen Feuerwehrschlauchturms. Foto: P. Meyer
Bei der Gestaltung des Badezimmers konnte er sich einen Wunsch erfüllen: ein in den Boden eingelassener Whirlpool. „Das war so, wie ich es mir damals vorgestellt hatte“, sagt Jürgen Vieths lachend. Nur die vielen Treppenstufen - 64 an der Zahl - seien auch mal herausfordernd gewesen: „Da durfte man nichts im Auto vergessen haben.“

Eine Wendeltreppe führt vom Wohnzimmer hoch in einen Bereich für Kinder. Foto: P. Meyer
Ausgezogen ist Vieths erst, nachdem sich sein Lebensmittelpunkt immer mehr nach Hamburg verlagert hatte. Nachdem der Turm dann zunächst weitervermietet wurde, entschied er sich vor zwei Jahren dazu, ihn als Ferienwohnung umzufunktionieren. So sei er auch für eigene Zwecke nutzbar: „Für meine Kinder ist der Turm ein Traum.“ Besonders die Kinderecke unter dem Dach sei bei den Jüngsten beliebt. Schließlich können sie dort, trotz niedriger Deckenhöhe, noch aufrecht stehen.
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Die nächsten Arbeiten am Turm plant Jürgen Vieths auch schon: Er will bald einen Durchbruch zwischen Küche und Wohnzimmer machen, damit ein moderner Wohn-Ess-Bereich entsteht.

Schlafen im ehemaligen Schlauchturm. Foto: P. Meyer
Wenn es nach Jürgen Vieths geht, wird der Schlauchturm noch lange in den Harsefelder Himmel ragen. Jetzt, 30 Jahre nachdem die letzten Schläuche getrocknet und er zu einem Zuhause wurde, hat der alte Feuerwehrschlauchturm wieder eine neue Aufgabe gefunden: Er bereitet Menschen aus aller Welt ein ganz besonderes Urlaubserlebnis.
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