TNewsblog: Hunderte Einsatzkräfte befreien Baumärkte in Stade und Buxtehude von Schnee
Einsatzkräfte beraten sich vor einem Baumarkt. Foto: Landkreis Stade/Kreisfeuerwehr
Am Freitagabend fiel massenhaft Schnee. Bevor zwei Baumärkte Probleme durch die Schneelast bekamen, schaufelten Hunderte Helfer bis tief in die Nacht die Dächer frei. Die Lage im Überblick.
Landkreis Stade. Stundenlanger Schneefall und kräftiger Wind führten am gestrigen Freitag nicht nur zu massiven Verkehrsbehinderungen. Insbesondere auf Flachdächern bereiteten ungewöhnlich hohe Schneelasten in Folge von Verwehungen ernste Probleme. Bei zwei Baumärkten in Stade und Buxtehude rückten deshalb am Abend Feuerwehr- und Katastrophenschutzeinheiten an, um die akute Gefahr zu beseitigen.
Mehrere hundert Einsatzkräfte waren wegen des schweren Schneefalls im Einsatz. Foto: Landkreis Stade/Kreisfeuerwehr
Teilweise gesichert mit Drehleitern und Teleskopmasten trugen die Kameradinnen und Kameraden den Schnee ab — eine kräftezehrende Arbeit, die bis weit nach Mitternacht andauerte.
Hunderte Einsatzkräfte befreien Dächer von Schnee
Mehrere Hundert Einsatzkräfte waren vor Ort, um mit Schneeschiebern und Schaufeln die jeweils mehrere Tausend Quadratmeter großen Dachflächen vom Schnee zu befreien. Dabei kamen auch Feuerwehrleute aus Bremervörde, Neu Wulmstorf, der Freien und Hansestadt Hamburg sowie vom Airbus-Werk in Finkenwerder zum Einsatz.
Wintersturm „Elli“
Warn-Apps, Vorräte, Notgepäck: Was das Land für Krisen rät
Parallel kam es zu mehreren Verkehrsunfällen aufgrund von Schneeverwehungen, vor allem auf Überlandstrecken im Süden des Landkreises. Feuerwehren und Rettungsdienste rückten aus, um eingeschlossene und verletzte Fahrzeuginsassen zu befreien. Unter anderem in Apensen und Ahlerstedt fuhren Autofahrer in Schneewehen. Polizei ließ vorsorglich mehrere Abschnitte der Landesstraße 130 sperren.
Situation im Landkreis entspannt sich
Am Sonnabend entspannte sich die Situation zusehends. Der am Freitag zeitweise eingestellte Linienbusverkehr konnte wieder regulär starten. Die Räumdienste sind weiterhin im Einsatz, um die Straßen und Wege von Eis und Schnee zu befreien.
Die meisten Hauptverkehrsstraßen sind inzwischen bei der Witterung angemessener Geschwindigkeit wieder passierbar. Da übers Wochenende kein Neuschnee zu erwarten ist und auch der Wind deutlich nachgelassen hat, werden glücklicherweise voraussichtlich keine zusätzlichen Schneeverwehungen auftreten.

Mehrere tausend Quadratmeter Dachfläche mussten von Schnee befreit werden. Foto: Landkreis Stade/Kreisfeuerwehr
Landkreis-Pressesprecher Daniel Beneke appelliert an die Bürgerinnen und Bürger, ihren Räumpflichten nachzukommen. Das betreffe insbesondere die Zuwegungen zu den Grundstücken. Brief- und Zeitungszusteller seien hier ebenso wie Rettungskräfte auf die Mitwirkung der Anwohnerinnen und Anwohner angewiesen. Es sei im Zweifelsfall auch ratsam, Garagen oder andere Anbauten mit Flachdach vom Schnee zu befreien, falls sich Verwehungen aufgetürmt haben sollten.
Bleiben die Schulen auch am Montag geschlossen?
Für Montag sehen die Wetterprognosen Schneefall vor, der womöglich bei steigenden Temperaturen im Laufe des Tages in Regen übergehen könnte. „Wenn der Boden dann aufgrund des Dauerfrostes vom Wochenende noch gefroren ist, kann es glatt werden“, sagt Beneke. Die Kreisverwaltung beobachte die Lage sehr genau.

Ein Skipper sitzt vor Grünendeich mit seinem Segelboot auf einer Sandbank in der Elbe fest. Foto: Hellwig
Am Sonntag werde darüber beraten, ob es sinnvoll sei, den Schulunterricht — wie bereits am Donnerstag für Freitag geschehen — abzusagen. Derzeit sei es für eine solche Anordnung aber noch zu früh, betont der Behördensprecher. Sollte es zu Schulausfall kommen, werde die Entscheidung am morgigen Sonntag bis 18 Uhr veröffentlicht.
Segelboot-Kapitän verrät Grund für Havarie
Es sollte gestern Morgen ein kurzer Trip über die Elbe werden. Für Jan Giese endete es fast in einem Desaster: Mit einer Havarie im 10 Elbkilometer entfernten Alten Land und einem großen Rettungseinsatz von Feuerwehr und DLRG.
Jan Giese wollte trotz der extremen Wetterbedingungen mit seiner zehn Meter langen Segeljacht über die Elbe fahren. Auf der lebt er zurzeit wegen Wohnungssuche. Gestern war er aus dem Hamburger Hafen in Richtung Finkenwerder gefahren (das TAGEBLATT berichtete).
Jedoch durch den Eissturm und Wellen trieb das Segelschiff weiter in Richtung Nordseemündung, bis es in Höhe Grünendeich im Alten Land auch noch zum Motorausfall kam. Der Sturm trieb das Schiff dann bei Ebbe auf eine Sandbank, wo es fast umkippte.
Rettungskräfte der DLRG und der Feuerwehr holten den Unglückskapitän dann spätabends von Bord. Samtgemeindebürgermeister Timo Gerke besorgte dem Segler kurzerhand eine Unterkunft. Wenn sich das Wetter beruhigt hat, soll die Segeljacht am Montag geborgen werden.
Feuerwehr Wischhafen schaufelt Pkw frei
Am Samstagmorgen um 4 Uhr wurde die Stützpunktwehr Wischhafen zu einem Einsatz gerufen. Ein Fahrzeug hatte sich im Schnee festgefahren und kam nicht mehr weiter, wie Feuerwehrsprecher Egon Viehman mitteilt.

Die Einsatzkräfte schaufelten frühmorgens einen stecken gebliebenen Pkw frei. Foto: Feuerwehr Nordkehdingen
Mit vereinten Kräften schaufelten die 15 Einsatzkräfte den Pkw frei und zogen ihn anschließend mit einem Feuerwehrfahrzeug aus dem Schnee. Nach einer Stunde konnte die Feuerwehr wieder einrücken. Verletzte oder größere Verkehrsbehinderungen habe es nicht gegeben.
Sattelzug verliert Diesel auf A1 bei Sittensen
Am Freitagnachmittag war um kurz nach 16 Uhr ein Sattelzug auf der A1 zwischen der Anschlussstelle Sittensen und Elsdorf verunglückt. Die Sittenser Feuerwehr rückte aus, um Hilfe zu leisten. Bei dem Unfall wurde laut Feuerwehrsprecher Alexander Schröder der Dieseltank des Sattelzugs beschädigt, weshalb Kraftstoff auslief. Die Feuerwehr dichtete zunächst den Tank ab und pumpte den verbliebenen Diesel aus dem Tank ab.

Der Sattelzug verlor auf der A1 Diesel, als die Feuerwehr eintraf. Foto: Feuerwehr SG Sittensen
Den bereits ausgelaufenen Kraftstoff nahm die Feuerwehr mit einem Bindemittel auf. Laut Feuerwehrangaben kam es auf der Autobahn zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen. Nach über 90 Minuten habe die Feuerwehr den Einsatz beendet.
Fernzüge fahren seit Samstagmittag wieder
Nach Wintersturm „Elli“ mit starkem Schnee soll der ausgesetzte Fernverkehr in der nördlichen Hälfte Deutschlands anders als zunächst erwartet doch erst ab Mittag wieder anrollen. Die ersten Fernzüge sollten statt ab 10.00 Uhr doch erst ab mittags wieder fahren, sagte eine Deutsche-Bahn-Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur und korrigierte damit vorherige Prognosen. „Der Zugverkehr bleibt insgesamt stark eingeschränkt.“
Zunächst sollten auf der Achse Berlin-Hannover-Ruhrgebiet wieder Züge fahren. Die Nord-Süd-Verbindungen, etwa zwischen Berlin und Hamburg, dürften erst im Laufe des Tages wieder den Betrieb aufnehmen, hieß es.
Regionalverkehr läuft an – Fernverkehr braucht länger
Im Regionalverkehr sollten den Angaben nach seit etwa 9.00 Uhr einzelne Strecken wieder bedient werden.
Reisende sollten sich vor Fahrtantritt in der App DB Navigator und auf der Internetseite der Bahn über die aktuelle Verkehrslage informieren. Die kostenlose Sonderhotline ist für Bahnkunden unter 08000 996633 weiterhin erreichbar.
Ersatzbusse auf S5-Strecke zwischen Stade und Neugraben
Derweil sollen S-Bahnlinien mindestens wieder in einem 20-Minuten-Takt fahren, wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte.

Die Deutsche Bahn will nach den witterungsbedingten Ausfällen wieder Fahrt aufnehmen. Foto: Christian Charisius/dpa
Teilweise fuhren Züge am Morgen nur eingeschränkt, Strecken wie zwischen Harburg Rathaus und Neugraben oder zwischen Othmarschen und Blankenese waren zeitweise unterbrochen, der Airport wurde nur teilweise bedient. Ersatzbusse verkehrten stündlich, unter anderem auf der Linie S5 zwischen Stade und Neugraben.
S-Bahnen im 20-Minuten-Takt
Mittlerweile hat die S-Bahn Hamburg den Betrieb deutlich stabilisiert: Alle Linien fahren jetzt zumindest im 20-Minuten-Takt. Zwischen Harburg Rathaus und Neugraben sowie zwischen Othmarschen und Blankenese verkehren die Züge wieder. Auch zum Hamburg Airport fahren die S-Bahnen wieder.

Der S-Bahn-Verkehr im Landkreis läuft am Samstag wieder an. Foto: Richter
Die S-Bahn Hamburg weist weiterhin darauf hin, dass verlässliche Prognosen für den gesamten Tagesverlauf schwierig bleiben. „Der Betrieb wird nach Möglichkeit aufrechterhalten“, erklärte das Unternehmen. Fahrgäste sollten die Informationen und Durchsagen des Personals beachten und nur zwingend notwendige Fahrten antreten.
Die Auskunftssysteme wie DB Navigator, HVV-App oder Zugzielanzeiger liefern aufgrund kurzfristiger Fahrplanänderungen aktuell nicht immer verlässliche Informationen. Maßgeblich seien die Ansagen des Personals vor Ort.
WLAN und Essen für Gestrandete in Hamburg
Auf mehreren Zugverbindungen bleibt der Bahn zufolge der Fernverkehr am Samstag weiterhin ausgesetzt, darunter zwischen Hamburg und Kopenhagen, Amsterdam und Hannover, Westerland/Kiel und Hamburg, Binz/Rostock und Berlin sowie Norddeich/Emden und Hannover/Ruhrgebiet.
Insgesamt hatte die Bahn nach Angaben der Sprecherin sieben Aufenthaltszüge zur Verfügung gestellt: in Hamburg, Hannover, Kassel und Berlin. In ihnen sollten Gestrandete Wärme, WLAN, Essen und Getränke finden.
Mehrere Feuerwehreinsätze in Apensen, Beckdorf und Sauensiek
Am Freitag kam es im Tagesverlauf noch zu etlichen Einsätzen für die Feuerwehren Apensen, Beckdorf und Sauensiek. Hier ein Überblick.
Um 11:26 Uhr rückte die Feuerwehr Apensen nach Grundoldendorf aus, wo mehrere Lkw im Schnee feststeckten. Da die Lkw laut Feuerwehrsprecher Gunnar Klensang nicht geborgen werden konnten, sperrten die Einsatzkräfte die L130 zur Sicherheit ab.
Lkw blockiert Durchfahrt
Auch aus dem Neukloster-Forst-Weg erreichte die Feuerwehr die Meldung über mehrere festgefahrene Fahrzeuge. „Auf der Anfahrt zur Einsatzstelle verhinderte ein Auto die Durchfahrt, welches quer zur Straße im Graben feststeckte“, sagte Klensang. Erst nach der Bergung des Fahrzeuges konnte die Feuerwehr die Einsatzstelle erreichen.

Weil ein Lkw die Fahrbahn blockierte, blieben weitere Autos im Schnee stecken. Foto: Feuerwehr SG Apensen
Im Neukloster-Forst-Weg fanden die Feuerwehrleute einen Lkw vor, der im Seitenraum der Straße feststeckte, sowie fünf Pkw, die den Lkw nicht passieren konnten und mittlerweile stark eingeschneit waren.
Die Feuerwehr konnte den Lkw nicht bergen und unterstützte daher die weiter zufrierenden Pkw, so Klensang. Aus Sicherheitsgründen wurde auch der Neukloster-Forst-Weg gesperrt. Ein weiterer Lkw fuhr sich in Richtung Buxtehude fest.
Einsätze wegen festgefahrener Fahrzeuge bis spät abends
Die Feuerwehr Beckdorf rückte kurz nach 16 Uhr aus, da die Durchfahrt zwischen Apensen und Beckdorf von drei Lkw blockiert wurde.

Am Freitag mussten die Feuerwehren zahlreiche stecken gebliebene Fahrzeuge aus Gräben und von Fahrbahnen schieben. Foto: Feuerwehr SG Apensen
Um 20:20 Uhr wurde die Ortswehr Sauensiek alarmiert, da laut Feuerwehrangaben ein Baum durch Schnee und Sturm auf die Hauptstraße zu fallen drohte.
Ab 21:10 Uhr war die Ortswehr Apensen auf der L130 Richtung Beckdorf im Einsatz, um zahlreiche festgefahrene Fahrzeuge zu entfernen. Die Ortswehr Beckdorf wurde kurzfristig nachalarmiert, um die L130 ab Beckdorf zu sperren. (bv/st/sb/pm/hw/dpa)

Einsatzkräfte beraten sich vor einem Baumarkt. Foto: Landkreis Stade/Kreisfeuerwehr