TNoch ein toter Schweinswal: Experte über traurigen Fund von Bützfleth
Der tote Schweinswal wird an der Kaimauer hochgezogen. Foto: Feuerwehr Bützfleth
Wieder ist ein Schweinswal in der Unterelbe verendet, der zweite binnen zehn Tagen. Warum? Meeresbiologe Dr. Jan Witt und das Veterinäramt geben Auskunft.
Stade. Die Bützflether Feuerwehr wurde alarmiert, nachdem der tote Schweinswal am Dienstag in Höhe der Löschköpfe der Dow am Elbufer aufgetaucht war. Wie Ortsbrandmeister Andreas Dankert berichtet, war der Schweinswal offensichtlich schon länger tot.
Der Fund wirft Fragen auf
Eigentlich ist der Schweinswal (Phocoena phocoena) grau - dunkelgrau an der Oberseite, etwas heller am Bauch. „Dieser sah aber schon eher bräunlich aus. Er roch auch sehr“, berichtet Dankert. Das Gesicht sei teilweise beschädigt gewesen, nach Schiffsschraube habe es aber nicht ausgesehen. Als sie ihn geborgen hatten, legten die Feuerwehrleute den toten Wal auf der Hafenmauer ab.

„Tier im Wasser“: So lautete der Alarm für die Bützflether Feuerwehr am Dienstag. Foto: Feuerwehr Bützfleth
Dank der schnell angebotenen Unterstützung durch ein Boot der Firma Elbclearing verlief die Bergung problemlos. Der am Kai liegende Kadaver wurde dann am Mittwoch von den KBS (Kommunalen Betrieben Stade) abgeholt.
Er gehört zur Familie der Delfinartigen
Anders als der Buckelwal, dessen langsames Sterben in der Ostsee vor Wismar aktuell mit großem Medienecho begleitet und der „Timmy“ genannt wird, ist der Bützflether Wal unbemerkt verendet. Er ist allerdings auch keine zwölf Meter lang - die Feuerwehr schätzt ihn auf knapp zwei, womit es sich um einen stattlichen, ausgewachsenen Schweinswal handeln dürfte.

Früher wurde der Schweinswal oft auch „Kleiner Tümmler“ genannt. Foto: Wolfgang Runge/dpa
Nur zehn Tage zuvor, am 28. März, wurde auch vor Grünendeich beim ehemaligen Pionierübungsplatz ein Schweinswal gefunden. Der Schweinswal, der zur Familie der Delfinartigen gehört, steht in Deutschland auf der Roten Liste, ist also „streng geschützt“.
Meeresbiologe: Schweinswal mag gerne Stint
Dennoch sind Schweinswale an der Unterelbe keine absolute Seltenheit, wie Dr. Jan Witt weiß. Wie der Meeresbiologe aus Bützfleth berichtet, mögen Schweinswale nämlich gerne Stint. Die Stintschwärme wandern gerade um diese Jahreszeit in die Flussmündung ein, die Schweinswale ziehen ihnen hinterher.
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„Schweinswale orientieren sich mit ihrem Sonar. Damit können sie sich gut am Meeres- und Flussboden bewegen und Hindernissen elegant ausweichen“, sagt Witt. Auch flache Zonen oder Sandbänke machen ihnen nicht viel aus.
Unterwasserlärm kann Orientierung beeinträchtigen
Lärmstress kann die Orientierung der Wale, die Ultraschall-Klicks aussenden, aber beeinträchtigen - besonders durch hydroakustische Sonaruntersuchungen. Solche gebe es an der Unterelbe zum Beispiel durch die Schifffahrtsämter, um zu untersuchen, wo gebaggert werden muss. Teilweise machen Baggerbetriebe so etwas auch selbst, um zu dokumentieren, dass ihre Arbeit erfolgreich war und sie die erforderliche Tiefe erreicht haben.
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„Am schlimmsten sind Tiefensonare. Die reichen 20 Meter tief in den Untergrund und werden zum Beispiel beim Bau von Rohrleitungen unter der Elbe benutzt“, erklärt Witt. Wenn ihre Orientierung erst beeinträchtigt ist, geraten die Wale leichter in Schiffsschrauben oder in ungünstige, viel zu flache Zonen.
Allerdings: Zwei tote Schweinswale seien noch kein Grund zu großer Sorge, sondern ein üblicher Verlust für eine so stark frequentierte Flussmündung wie die der Elbe. Meldungen dazu gab es gerade im Frühjahr auch schon in der Vergangenheit öfter. „Die meisten Schweinswale kommen nach der Stintsaison gesund und vollgefressen wieder zurück in die Nordsee“, sagt Witt. Sollten sich Funde toter Wale aber häufen, müsse das anders betrachtet werden.
Veterinäramt: Schweinswale in Not sofort melden
Wie das Veterinäramt des Landkreises Stade auf Nachfrage mitteilt, hat es über die in Grünendeich und Bützfleth gefundenen Wale keine weitergehenden Erkenntnisse gewinnen können. Über den ersten Fund in Grünendeich wurde die Kreisverwaltung nicht informiert. Beim Bützflether Schweinswal sei die Verwesung zu weit fortgeschritten gewesen, so dass eine Untersuchung nicht mehr möglich war.
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Im Normalfall melden das Veterinäramt oder das Naturschutzamt es der Seehundstation Norddeich, wenn ein Meeressäuger gefunden wird. Wenn ein noch lebender Wal gefunden wird, der sich quält, kann auch einer der drei Wattenjagdaufseher des Landkreises verständigt werden, um ihn zu erlösen und die Abholung eines toten Wals zu koordinieren, falls er untersucht werden soll. Der Wattenjagdaufseher könne allerdings nur handeln, wenn er von der Seehundstation offiziell beauftragt wurde.

Die Firma Elbclearing unterstützt die Bergung mit ihrem Boot. Foto: Feuerwehr Bützfleth
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