TNoch eine Veränderung an der Bahnhofstraße in Buxtehude
Prof. Dr. Karsten Ley (links), Architekturstudentin Nina Garbers (Zweite von links) sowie Mitglieder des Vereins Buxtehude im Wandel nehmen zur Einweihung Platz. Foto: Sulzyc
Wie in Szenevierteln von Großstädten: Drei öffentliche Sitzgelegenheiten aus Europaletten stehen seit Sonntag an der Buxtehuder Bahnhofstraße. Das steckt dahinter.
Buxtehude. In Eppendorf in Hamburg gibt es sie, im Berliner Szeneviertel Friedrichshain-Kreuzberg auch: sogenannte Parklets. Das sind aus Holz gebaute, oft begrünte Oasen am Fahrbahnrand. Jetzt sind solche öffentlichen Sitzgelegenheiten aus Europaletten in Buxtehude aufgetaucht.
Drei jeweils unterschiedliche Sitzinseln stehen neben der Fahrbahn entlang der Bahnhofstraße. Studierende und Architekturprofessor Dr. Karsten Ley von der Hochschule 21 haben sie am Sonntagnachmittag zusammen mit Mitarbeitern der Städtischen Betriebe Buxtehude installiert. Auch starker Regen hat sie nicht davon abgehalten.
Lang anhaltender Regen am Sonntag hält die Studierenden nicht von ihrer Arbeit ab. Das Bild entstand an der Hochschule 21. Foto: Hochschule 21
Insgesamt 30 Studierende aus Baustudiengängen haben die Sitzinseln am vergangenen Wochenende in ihrer Freizeit in der Werkstatt der Hochschule 21 gebaut. Insgesamt 90 Europaletten haben sie dabei verbaut - jede wiegt rund 13 Kilo. Die ausrangierten Paletten hat das Unternehmen Eisbär Eis gestiftet.
Sägen, schleifen, schrauben - die Baustudenten leisten Handarbeit. Die Möbel dürfen keine scharfen Kanten oder herausstehenden Nägel aufweisen. „Wenn irgendetwas nicht passte, mussten wir kreativ werden“, sagt Architekturstudentin Nina Garbers (23). Sie beteiligte sich an der Bauleitung.

30 Studierende der Hochschule 21 haben am Wochenende in ihrer Freizeit Sitzinseln aus Europaletten gebaut. Drei öffentliche Sitzmöbel wurden anschließend an der Bahnhofstraße in Buxtehude aufgebaut. Foto: Hochschule 21
Zwar sind die Sitzmöbel in Do-it-yourself-Bauweise entstanden. Ihre ambitionierte Gestaltung geht aber über viele Entwürfe von Parklets in deutschen Großstädten hinaus. Die Handschrift der Hochschule 21 ist erkennbar. Vom Entwurf bis zum Bau steckten 200 Arbeitsstunden in jeder Sitzinsel, sagt Karsten Ley.
Darin unterscheiden sich die Sitzinseln
Die Sitzinsel gegenüber dem Stadthaus verfügt über einen Bücherschrank und lädt zum Verweilen ein. Ein zweites Modell in Höhe des Woolworth-Kaufhauses fällt mit individuell verstellbaren Sonnensegeln auf. Die dritte Sitzinsel in Höhe des Restaurants Fidelio wiederum taugt mit einer Schreibtischkonstruktion als temporärer Arbeitsplatz im Freien.

Prof. Dr. Karsten Ley macht deutlich: Die Sitzinsel in Höhe des Restaurants Fidelio an der Bahnhofstraße lässt sich als Arbeitsplatz nutzen. Foto: Sulzyc
Die drei öffentlichen Sitzmöbel sind genehmigt. Sie gehören zu dem Verkehrsversuch in der Bahnhofstraße, der Bürger seit Wochen bewegt und polarisiert.
Die neuen Regeln lauten: Die Bahnhofstraße wird zur Einbahnstraße für Autos, bleibt aber für Radfahrer, E-Scooter und Busse in beide Richtungen offen. Die Höchstgeschwindigkeit sinkt auf Tempo 20. Radfahrer und E-Scooter nutzen die Fahrbahn.
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Zwei Ziele will der zunächst auf ein Jahr befristete Verkehrsversuch erreichen: die Verkehrssicherheit erhöhen - und die Aufenthaltsqualität in der Bahnhofstraße ebenfalls. Dass Menschen sich gerne in der Bahnhofstraße aufhalten, dazu sollen die Sitzinseln beitragen.
Alle drei Sitzinseln sind mit Sonnensegeln ausgestattet. Damit fügen sie sich in die Strategie der Stadt Buxtehude ein, die Menschen in der Innenstadt vor Extremhitze zu schützen. „Bei extremer Schneelast im Winter müssen wir sie möglicherweise abnehmen“, sagt Karsten Ley.

Die Sitzinsel an der Bahnhofstraße vor Woolworth verfügt über verstellbare Sonnenschutzsegel. Foto: Sulzyc
Die öffentlichen Palettenmöbel sind ein Projekt des Vereins Buxtehude im Wandel. Die Idee: Bei einem kurzen Zwischenstopp beim Einkaufen, beim Warten auf einen Arzttermin oder in der Mittagspause - die Sitzinseln bieten eine Möglichkeit zum Verweilen, erklärt Sprecherin Barbara Ruser. Möglicherweise auch, um mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen.
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Den akademischen Hintergrund erläutert Architekturprofessor Karsten Ley: In der Stadtentwicklung gebe es seit 2010 den „Tactical Urbanism“ genannten Ansatz, Veränderungen im städtischen Raum mit temporären, einfachen und schnell umsetzbaren Maßnahmen zu erproben.
Mehrere Sponsoren unterstützen das Sitzinsel-Projekt. Die Studierenden haben unentgeltlich gearbeitet. Der Vorwurf der Steuerverschwendung, den ein Passant am Sonntag beim Aufbau vorbrachte, trifft auf die öffentlichen Palettenmöbel also nicht zu.
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