TNordwerke profitieren: So baut Airbus seine Zukunft und Arbeitsplätze aus
Bis zu 75 Flieger der A320-Baureihe sollen bei Airbus bis Ende 2027 monatlich ausgeliefert werden. Foto: dpa
Finkenwerder hebt ab: Airbus investiert in neue Arbeitsplätze - aber der Top-Manager geht.
Hamburg/Stade. Die Gegenwart glänzend und die Zukunft rosig – auch die deutschen Airbus-Chefs zeigen sich zum Jahresauftakt optimistisch und blicken gespannt auf den angekündigten Hochlauf der zum größten Teil in Finkenwerder endmontierten Jets der A320-Familie, der auch wieder neue Arbeitsplätze in den Nordwerken bringen soll.
„Wir hatten ein anspruchsvolles und erfolgreiches Jahr 2025 und werden unsere Produktionsstandorte im Norden weiter ausbauen“, sagte André Walter, Chef der Airbus Aerostructures GmbH und der Airbus GmbH in Deutschland – ganz auf der Linie von Airbus-Chef Guillaume Faury, der bei der Bilanzpressekonferenz in der vergangenen Woche eine Zielzahl für den Hochlauf der A320-Baureihe genannt hatte: 70 bis 75 Flieger sollen bis Ende 2027 monatlich ausgeliefert werden.
Das wäre eine geschätzte Steigerung der Produktion um bis zu 25 Prozent, genaue Zahlen über die derzeitige Produktionsrate liefert Airbus nicht, Insider gehen aber davon aus, dass zurzeit etwas mehr als 60 Flieger pro Monat ausgeliefert werden. Airbus betreibt weltweit zehn A320-Endlinien: Jeweils zwei in Tianjin (China), Mobile (USA) und Toulouse und vier in Finkenwerder.
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Insbesondere der Standort Finkenwerder wird derzeit weiter aufgerüstet: Nach der Einweihung des ElbAir-Dienstleistungszentrums im vergangenen Jahr wird demnächst ein neues Auslieferungszentrum und eine neue Montagehalle gebaut werden, in der die Sektionen für die Serienfertigung vorbereitet werden.
„Wir in Hamburg sind das Kompetenzzentrum und das soll auch in Zukunft so bleiben“, betonte Sebastian Peters, der die Endlinien weltweit verantwortet. Die Logistik aller Endlinien werde aus Hamburg gesteuert, was auch mit Blick auf ein Nachfolgemodell der A320-Flieger bedeutsam werden soll, so Peters, der erinnerte, dass diese Baureihe das erfolgreichste Flugzeug in der Geschichte der Luftfahrt ist.
Vor 39 Jahren hatte Lady Di in Toulouse den ersten A320-Flieger getauft. Seither wurden gut 12.500 Flieger ausgeliefert, insgesamt wurden bis Ende 2025 über 19.600 Flugzeuge der A320-Baureihe bestellt – alleine diese Zahlen machen deutlich, wie die Produktion in den nächsten zehn Jahren ausgelastet ist.
A321XLR startet als neuer Verkaufshit in der Mittelstrecke
Zumal mit dem seit eineinhalb Jahren fliegenden A321XLR ein neuer Flugzeugtyp bestellt werden kann: Ein Mittelstreckenjet, mit dem auch auf der Langstrecke bis zu 8.700 Kilometern Reichweite geflogen werden kann. „Wir sind mit der XLR auf einem guten Weg“, sagte André Walter, 26 Flieger seien bisher ausgeliefert, gut 500 stehen in den Auftragsbüchern. Bisher werden alle XLR-Flieger in Hamburg endmontiert, demnächst aber auch auf einer Endlinie in Toulouse.
Trotz der in der vergangenen Woche in Toulouse einmal mehr beklagten Lieferproblematik der Triebwerke des US-Herstellers Pratt & Whitney peilt Airbus im laufenden Jahr eine Rekord-Auslieferungsquote an: Zum Jahresende sollen 870 Flugzeuge aller Baureihen ausgeliefert werden.
Walter verlässt Airbus und übernimmt Führung der Meyer-Werft
In Bezug auf den Arbeitsmarkt in den Nordwerken spricht André Walter von einer Konsolidierung auf hohem Niveau mit gut 27 000 Beschäftigten in den Nordwerken: „Wir suchen weiterhin in vielen Bereichen Arbeitskräfte, aber gebremst bis zur nächsten Ratensteigerung, die kommen wird.“
Walter wird die nicht mehr als Airbus-Chef erleben, denn der Top-Manager wechselt zum 1. Juni als neuer Geschäftsführer zur Meyer-Werft nach Papenburg.
Neben der aktuellen Produktionssteigerung wird derzeit in allen Airbus-Standorten bereits an einem Nachfolgemodell der A320-Baureihe geforscht. Drei Milliarden Euro fließen jährlich in die Entwicklung. Es gelte, die Technologieführerschaft zu verteidigen, so André Walter.
Einblicke in die Airbus-Zukunft
In der zweiten Hälfte der 2030er-Jahre soll der neue Flieger entwickelt und zugelassen sein. Das Ziel sei, den Kraftstoffverbrauch um 20 bis 30 Prozent im Vergleich zu den A320-Fliegern der neuen Generation zu senken und mit nachhaltigem Flugbenzin zu fliegen, das aus nicht fossilen Rohstoffen hergestellt wird, sagt Nicole Dreyer-Langlet, die für Forschung und Entwicklung zuständige Geschäftsführerin.
Zwei wesentliche Maßnahmen sollen zu diesem Ergebnis führen: Ein ganz neues Modell von Triebwerken und neue Flügel, die länger und schlanker werden sollen, um mehr Auftrieb und weniger Luftwiderstand zu erreichen. In Bezug auf das Design prophezeite die Airbus-Managerin: „Der neue Flieger wird noch als Airbus erkennbar sein.“
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