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Nahverkehr

TPendler-Frust: Harsefelder beklagt fehlende Abstimmung zwischen EVB und Bahn

Jörn Ahrens pendelt regelmäßig von Harsefeld nach Hamburg.

Jörn Ahrens pendelt regelmäßig von Harsefeld nach Hamburg. Foto: P. Meyer

Oft muss Pendler Jörn Ahrens eine Stunde am Buxtehuder Bahnhof warten, weil der Anschlusszug der EVB nicht auf die verspätete S-Bahn wartet. Das ist der Grund dafür.

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Von Pauline Meyer
Mittwoch, 11.02.2026, 08:00 Uhr

Harsefeld. Unpünktliche Bahnen sind für Pendler im Landkreis Stade Alltag. Verspätungen, Zugausfälle und widersprüchliche Fahrgastinformationen sorgen regelmäßig für Frust. Doch während sich die öffentliche Debatte meist auf die S-Bahn konzentriert, melden sich auch Pendler zu Wort, die das Zusammenspiel zwischen der S-Bahn und den Anschlussverbindungen der EVB kritisieren.

Jörn Ahrens aus Harsefeld fährt mehrmals die Woche beruflich mit der Bahn nach Hamburg. Der 59-Jährige ist schon häufiger in Buxtehude gestrandet, weil die S-Bahn sich verspätet und der Anschlusszug in Richtung Harsefeld nicht gewartet hat. Nicht selten fuhr ihm die Bahn direkt vor der Nase weg.

Der Heimweg als Geduldsprobe

„Teilweise fehlte nur eine Minute, das ist schon frech“, ärgert sich Ahrens. Sein Heimweg ist eigentlich klar getaktet: Mit der S-Bahn fährt er von Hamburg nach Buxtehude. Von dort weiter mit der RB33 der EVB nach Harsefeld. Die planmäßige Umsteigezeit beträgt neun Minuten - machbar, wenn alle Beteiligten pünktlich sind. Doch genau das sei oft nicht der Fall, so Ahrens.

Der Bahnhof in Harsefeld: Viele Pendler fahren von hier aus nach Hamburg.

Der Bahnhof in Harsefeld: Viele Pendler fahren von hier aus nach Hamburg. Foto: P. Meyer

Besonders abends wird der Anschluss zur Geduldsprobe. Ahrens berichtet, wie er in den vergangenen Wochen mehrfach in Buxtehude warten musste. Die EVB-Züge seien abgefahren, obwohl die verspätete S-Bahn bereits angekündigt war oder kurz darauf einfuhr.

Bis zu eine Stunde Wartezeit bei Minusgraden

Auch die telefonische Bitte bei der EVB-Leitstelle, den Zug wenige Minuten warten zu lassen, führte zu nichts. Das Ergebnis: Bis zu eine Stunde Wartezeit für Ahrens und die anderen Pendler - und das bei Minusgraden. „Der Bahnhof in Buxtehude hat auch keinen Warteraum“, sagt Ahrens. Gerade bei der Kälte sei das zusätzlich belastend.

Für witterungsbedingte Einschränkungen habe Ahrens natürlich Verständnis, betont er. Doch die Probleme bestünden seiner Ansicht nach schon deutlich länger. Sein Wunsch: Fahrpläne, die sich stärker am Alltag der Pendler orientieren, realistischere Umsteigezeiten und eine bessere Kommunikation zwischen den Verkehrsunternehmen. Letzteres sei besonders frustrierend, sagt Ahrens: „Ich verstehe nicht, dass sich Fahrdienstleiter und Zugführer nicht besser abstimmen. Das müsste doch machbar sein.“

Warten würde Kettenreaktion der Verspätung auslösen

Wie Andrea Stein, Sprecherin der EVB, auf TAGEBLATT-Anfrage mitteilt, sei es dem Unternehmen aus verschiedenen Gründen leider nicht immer möglich, Fahrgästen eine reibungslose Reise zu gewährleisten - auch wenn das höchste Priorität habe.

„Insbesondere bei den sehr häufig verspäteten S-Bahnen der Linie S5 und den Zügen der RE 5 (Start Unterelbe, Anm. d. Red.)“, erklärt sie. Das Problem: Die von der EVB genutzte Strecke Buxtehude – Bremerhaven – Cuxhaven ist nur eingleisig. Das heißt, dass es nur sehr wenige Möglichkeiten gibt, dass zwei Züge aneinander vorbeifahren können.

Verspätet sich also ein Zug, überträgt sich die Verzögerung automatisch auf den Gegenzug, da die Züge nur an wenigen Stellen aneinander vorbeifahren können. „Das heißt, dass der entgegenkommende Zug durch das Warten auf den anderen Zug aus Buxtehude Verspätung erhält und somit die Fahrgäste ihren Anschluss in Buxtehude nicht bekommen, weil auf den entgegenkommenden, verspäteten Zug aus Buxtehude gewartet werden musste“, erklärt Stein. „Die S-Bahn und auch der RE 5 warten in Buxtehude nicht auf die Fahrgäste der dann verspätet einfahrenden EVB.“

Auch würden Fahrgäste, die im dann verspäteten Zug aus Buxtehude sitzen, ebenfalls Anschlüsse bei der Weiterreise in Richtung Bremerhaven oder Cuxhaven nicht erreichen oder ihre Busverbindungen in die umliegenden Dörfer verpassen.

Warten nicht möglich: Eine Patentlösung gibt es nicht

Wegen der Eingleisigkeit sei die Anschlusssicherung für die EVB demnach nur beschränkt möglich, so die Pressesprecherin. Bei einer pünktlichen S5 hätten Gäste allerdings rund neun Minuten, um am selben Bahnsteig umzusteigen. „Selbst bei einer S-Bahn-Verspätung von fünf Minuten wäre die EVB noch zu erreichen“, so Stein.

Wie die Sprecherin betont, stehe die EVB im Vergleich mit anderen Eisenbahnunternehmen in Niedersachsen und Hamburg in Sachen Pünktlichkeit gut da. „Sind Züge unpünktlich, ärgert das zu Recht die Fahrgäste. Ist ein Zug aber pünktlich und wartet nicht auf einen anderen verspäteten Zug, ärgert das ebenfalls die Fahrgäste. Eine Patentlösung wird es hierfür nicht geben“, so Andrea Stein.

Eine Verbesserung der Situation könne laut Stein vorrangig erreicht werden, wenn die S5 und der RE 5 pünktlicher wären und den Fahrplan einhalten würden.

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