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Berufsverkehr

TPendlerfrust: Das sagen Menschen aus dem Kreis Stade über das tägliche Chaos

Sehr viele Berufspendler setzen auf den Regionalzug, um von Buxtehude zu ihren Arbeitsstellen in Harburg zu gelangen.

Sehr viele Berufspendler setzen auf den Regionalzug, um von Buxtehude zu ihren Arbeitsstellen in Harburg zu gelangen. Foto: Sulzyc

Einige gehen lieber zu Fuß. Andere nehmen es gelassen. Viele sind einfach nur genervt. Das sagen Hamburg-Pendler aus dem Landkreis Stade an einem Montagmorgen.

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Von Thomas Sulzyc,
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Von Lars Wertgen, Von Susanne Laudien
Dienstag, 19.05.2026, 04:50 Uhr

Landkreis. Seit einer Woche bis Sonnabend, 23. Mai (circa 1 Uhr), fahren zwischen Wilhelmsburg und Neugraben Busse statt S-Bahnen. Der Grund sind umfangreiche Instandhaltungsarbeiten im Harburger Tunnel.

Für Pendler aus dem Landkreis Stade verlängert sich dadurch der Arbeitsweg erheblich. Wie gehen sie damit um? Das TAGEBLATT hörte sich am Montagmorgen auf den Bahnsteigen um.

Harsefeld: Zwei Stunden bis Hamburg-Mitte

Kurz vor 6 Uhr morgens warten schon etliche Pendler am Harsefelder Bahnhof auf den EVB-Zug um 5.58 Uhr nach Buxtehude. Die meisten wollen weiter zur Arbeit nach Hamburg.

Der EVB-Zug ist ist pünktlich - das steigert die Stimmung bei Pendlern und Zugbegleiterin Ramona Kamke.

Der EVB-Zug ist ist pünktlich - das steigert die Stimmung bei Pendlern und Zugbegleiterin Ramona Kamke. Foto: Laudien

Einige Pendler erzählen, sie seien genervt von den Verspätungen und dem Schienenersatzverkehr. Zudem sei der EVB-Zug immer häufiger unpünktlich. „Ich brauche zwei Stunden nach Hamburg-Mitte“, sagt ein Harsefelder.

„Die Bahnfahrt ist immer wieder gut für Überraschungen“, so ein anderer Pendler. „Ich hoffe, dass die EVB pünktlich ist, sonst verpasse ich den Anschluss an die S-Bahn und muss womöglich eine halbe Stunde oder länger warten.“ Am Freitag sei er mit der S-Bahn bis Neugraben gefahren und von dort mit dem Schienenersatzverkehr nach Harburg. „Der Bus ist derzeit immer total voll.“

Sebastian Kraczko muss von Harsefeld nach Hamburg-Niendorf. Meistens arbeitet er im Homeoffice. Jetzt hat er aber einen Kundentermin. „Eine Punktlandung um 8.30 Uhr wäre nicht schlecht.“

„Es wäre schön, wenn der Bus mal pünktlich wäre“

Von Buxtehude muss Kraczko bis Harburg fahren, dort umsteigen und weiter zum Hamburger Hauptbahnhof. Dort steigt er in den Bus nach Niendorf. „Meistens hat die S-Bahn Verspätung oder fällt aus“, schildert er seine bisherigen Erfahrungen.

Peer Brinkmann arbeitet in einer Physiopraxis in Neuwiedenthal und will von Harsefeld bis Buxtehude, dann weiter mit der S-Bahn bis Neugraben. Von dort ist wegen des Tunnelbaus Schienenersatzverkehr eingerichtet. „Es wäre schön, wenn der Bus mal pünktlich wäre“, sagt der Harsefelder. „Ich gehe das Stück bis Neuwiedenthal daher zu Fuß, da bin ich schneller als der Bus.“

„Ich muss nur nach Buxtehude und habe flexible Arbeitszeiten. Daher nehme ich es gelassen, wenn der EVB-Zug mal Verspätung hat“, sagt Sophie Schröder. An diesem Morgen ist die EVB pünktlich um 5.58 Uhr in Harsefeld.

Himmelpforten: „Man gewöhnt sich daran“

Viele Schüler und Pendler, die am Bahnhof in Himmelpforten einsteigen, fahren nur bis Stade. Von den Behinderungen bekommen sie wenig mit. Wer aber täglich nach Hamburg muss, spürt die Auswirkungen der gleichzeitigen Bauarbeiten an S-Bahn und B73.

„Es ist lästig, insbesondere da keine S-Bahn fährt. Das ist das Schlimmste“, sagt Alexander Schrapel. Bei anderen Baustellen sei das schnell gelöst gewesen: mit dem RE5 bis Harburg, dann in die S-Bahn springen.

„Da war das Thema durch. Jetzt ist es noch voller“, sagt Schrapel. Denn ab Harburg bleibe nur noch die Regionalbahn. Gibt es Alternativen? „Mit dem Auto in die Stadt zu fahren, ist keine Option“, sagt er mit Blick auf den zähen Berufsverkehr nach und in Hamburg.

Roman Zinn nimmt es sportlich und geht die S-Bahn-Strecke zu Fuß.

Roman Zinn nimmt es sportlich und geht die S-Bahn-Strecke zu Fuß. Foto: Wertgen

Kevin Bruns ärgert sich zwar, hat sich aber mit der Situation arrangiert: „Man gewöhnt sich daran. Es ist ja nicht das erste Mal.“ Eine gewisse Routine im Umgang mit Einschränkungen hat sich eingeschlichen.

Pendler würde den Job wechseln

Roman Zinn kommt vergleichsweise gut durch. Er fährt bis Hamburg-Harburg und müsste mit der S-Bahn nur eine Station fahren. Die eine Station läuft er derzeit zu Fuß - zehn Minuten.

Ihn stören die neuerlichen Behinderungen nicht allzu sehr, weil er nur noch einmal pro Woche pendelt. „Das ist ein großer Vorteil und ansonsten hätte ich mir wohl schon eine andere Arbeitsstelle gesucht“, sagt Zinn.

Seinen Blick auf den Schienenverkehr insgesamt trüben die wiederkehrenden Probleme aber schon: Verzögerungen wegen Personalnot, Weichenproblemen oder Baustellen seien die Regel, nicht die Ausnahme. „Das hat eher zugenommen und ist ärgerlich, wenn man Termine hat“, sagt Zinn. Sein Wunsch: eine S-Bahn-Linie bis Himmelpforten.

Stade: Pendler bleiben gelassen

Am Montagmorgen um 7 Uhr ist am Stader Bahnhof nicht allzu viel los. In die S-Bahn nach Harburg um 7.15 Uhr steigen einige Menschen, darunter Ihor Ponomarenko. Der 21-Jährige studiert in der Hamburger HafenCity und pendelt unter der Woche jeden Tag zur Uni.

Seine erste Veranstaltung beginnt um 8.15 Uhr. Seit der Sperrung steht er etwas früher auf als sonst, heute hat er es aber erst in die S-Bahn um 7.16 Uhr geschafft. Er weiß, dass er deshalb heute nicht mehr pünktlich zur Uni kommen wird, aber er nimmt die Situation gelassen: „Positiv finde ich das natürlich nicht, aber man kann nichts gegen die Sperrung machen."

Die S5 ab Stade fährt bis zum 23. Mai nur bis Harburg. Pendler, die nach Hamburg wollen, müssen auf den Schienenersatzverkehr umsteigen.

Die S5 ab Stade fährt bis zum 23. Mai nur bis Harburg. Pendler, die nach Hamburg wollen, müssen auf den Schienenersatzverkehr umsteigen. Foto: Haardt

Valeria Bartsch ist auf dem Weg zur Arbeit ins Fraunhofer Center am Harburger Hafen. Zweimal die Woche fährt sie mit der S-Bahn dorthin. Normalerweise steigt sie an der Station Harburg Rathaus aus. Da die Haltestelle aktuell nicht bedient wird, fährt sie bis zum Harburger Bahnhof und läuft dann etwa 20 Minuten zu ihrer Arbeit.

„Ich rede mir das ein bisschen schön. So habe ich morgens mehr Bewegung", sagt sie. Insgesamt bleibt sie entspannt: „Ich brauche eh etwa eineinhalb Stunden zur Arbeit. Jetzt sind es 20 Minuten mehr."

Buxtehude: „2 Busse für 500 Leute“

Im Berufsverkehr am Montagmorgen auf dem Bahnhof Buxtehude wird deutlich: Sehr viele Pendler setzen auf dem Weg zur Arbeit nach Hamburg auf den Regionalzug – und versuchen, den Schienenersatzverkehr mit Bussen zu vermeiden.

Die Strategie gehe besonders gut auf, weil er nur bis Harburg müsse, sagt zum Beispiel Florian Runge (25) aus Jork. Von einer Bekannten habe er gehört, dass sie in der vergangenen Woche auf dem Weg zum Hauptbahnhof Hamburg zwei Ersatzbusse verpasst habe – weil sie wegen des großen Andrangs nicht in die Busse hineinkam. „2 Busse für 500 Leute“, sagt Florian Runge.

Jorker steigt auf E-Scooter um

Auf seinem Arbeitsweg läuft Florian Runge lieber zu Fuß vom Fernbahnhof Harburg zu seiner Arbeitsstelle nahe der S-Bahn-Station Harburg Rathaus, als mit S-Bahn und Ersatzbus das Ziel direkt anzusteuern. „Verpasse ich den Regionalzug, kann es bis zu einer Stunde länger dauern.“

Den Ersatzverkehr mit Bussen meidet auch Lenny Wetzel aus Jork. Auch er arbeitet in Harburg. Nach der Ankunft mit dem Regionalzug am Harburger Bahnhof steigt der 21-Jährige auf einen Leih-E-Scooter um.

Lenny Wetzel (links) und Florian Runge steigen am Bahnhof Buxtehude in den Zug: „Wenn wir den Regionalzug verpassen, kann es bis zu einer Stunde länger zur Arbeit dauern.“

Lenny Wetzel (links) und Florian Runge steigen am Bahnhof Buxtehude in den Zug: „Wenn wir den Regionalzug verpassen, kann es bis zu einer Stunde länger zur Arbeit dauern.“ Foto: Sulzyc

Mit dem Auto in die Hamburger Innenstadt zu fahren, sei keine Alternative, sagt Christian Peters aus Apensen. Der Wirtschaftsprüfer fährt an diesem Montagmorgen mit der Bahn ins Büro am Gänsemarkt in Hamburg: von Buxtehude mit dem Regionalzug nach Harburg, von dort weiter in einem anderen Regionalzug zum Hauptbahnhof. Wie klappt das so? „Wenn ich Termine habe, fahre ich eine Stunde früher los“, sagt Christian Peters. An anderen Tagen weicht er ins Homeoffice aus.

Er nimmt sich Arbeit mit in den Zug

Entspannt wirkt Tony Lüthke (46), als er auf dem Bahnsteig in Buxtehude auf den Regionalzug in Richtung Harburg wartet. Dabei hat der Qualitätsmanager aus Nindorf bei Beckdorf einen gewaltigen Arbeitsweg vor sich: gut sieben Kilometer von Nindorf mit dem Fahrrad nach Buxtehude, weiter mit dem Regionalzug nach Harburg, von dort mit einem anderen Regionalzug zum Hauptbahnhof, um von dort mit der U-Bahn zu seinem Arbeitsplatz am Hamburg Airport zu gelangen.

Eine Stunde und 40 Minuten oder bis zu zwei Stunden dauere die Fahrt mit der Bahn. Keine verschwendete Zeit, sagt Tony Lüthke: „Während der Fahrt kann ich E-Mails bearbeiten.“

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