TPhysiotherapie: Proteste retten Ausbildung in Buxtehude
Ein Physiotherapeut behandelt das Bein einer Patientin. In diesen Branchen fehlen die meisten Fachkräfte im Gesundheitswesen. Foto: Felix Kästle/dpa
Das Kultusministerium reagiert auf öffentlichen Druck und erlaubt die Ausbildung in Buxtehude. Das nächste Ausbildungsjahr ist gesichert.
Buxtehude. Die Physiotherapie-Ausbildung an den Berufsbildenden Schulen in Buxtehude bleibt mindestens für das Ausbildungsjahr 2026/2027 bestehen. Das Kultusministerium in Hannover reagierte am Montag auf den öffentlichen Druck aus dem Landkreis Stade und sicherte der Schule sowie dem Landkreis Stade als Träger der Berufsschulen ein weiteres Schuljahr zu. Auch in Hameln und Emden darf der Schulversuch fortgesetzt werden.
Intensive Verhandlungen mit der Ministerin
Dieser Entscheidung gingen intensive Verhandlungen voraus. Kultusministerin Julia Willie Hamburg telefonierte am Freitagabend mit dem Stader Landrat Kai Seefried und der SPD-Landtagsabgeordneten Corinna Lange aus Deinste. Mehrere Landräte und Landtagsabgeordnete hatten sich in den vergangenen Wochen für die Rettung des Ausbildungsgangs eingesetzt.

Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg. Foto: Shireen Broszies/dpa
Nach der Berichterstattung im TAGEBLATT griffen auch überregionale Medien wie der NDR das Thema auf. Der Protest kam von Schülern, Lehrern, Physiotherapie-Praxen und parteiübergreifend aus der Politik.
Sicherheit für die angemeldeten Schüler
„Mit Blick auf das jetzt kommende Ausbildungsjahr 2026/2027 gibt es die verlässliche Zusage, dass alle angemeldeten Schülerinnen und Schüler das hervorragende Angebot der Physiotherapie in Buxtehude nutzen können, angemeldete Personen werden einen Ausbildungsplatz erhalten und müssen nicht auf andere Orte ausweichen“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung des Kultusministeriums und der Landkreis-Verwaltung.
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Da eine langfristige Lösung voraussichtlich nicht bis zum Ausbildungsbeginn im Sommer 2026 realisierbar ist, verlängert das Land die Genehmigung der Berufsbildenden Schulen (BBS) in Buxtehude übergangsweise um ein Jahr.
Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) erklärte: „Ich freue mich, dass wir gemeinsam mit dem Landkreis in konstruktiven Gesprächen eine tragfähige Perspektive für die Zukunft der Physiotherapie-Ausbildung vor Ort gefunden haben.“
Sachliche und lösungsorientierte Gespräche
Es solle sichergestellt werden, dass Bewerberinnen und Bewerber sowie bereits angemeldete Auszubildende nach Auslaufen des Schulversuchs ein qualitativ hochwertiges und kostenfreies Ausbildungsangebot erhalten. „Die Vereinbarung schafft Planungssicherheit und stärkt zugleich die Fachkräftesicherung im Gesundheitsbereich“, so Julia Willie Hamburg. Sie dankte allen Beteiligten für die sachliche und lösungsorientierte Zusammenarbeit und der BBS Buxtehude für das hohe Engagement.
Landrat Seefried für Bildungsgerechtigkeit
Landrat Kai Seefried (CDU) begrüßte die Zusage des Landes: „Die Zusage, dass alle angemeldeten Schülerinnen und Schüler das Angebot der Physiotherapie in Buxtehude nutzen können, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“

Stades Landrat Kai Seefried. Foto: Landkreis Stade/Nina Dede
Seefried setzt auf weitere Gespräche mit dem Kultusministerium, um langfristig ein Ausbildungsangebot für Realschülerinnen und Realschüler im Landkreis Stade zu sichern. Dies sei angesichts des Fachkräftemangels in den Gesundheitsberufen und unter dem Gesichtspunkt der Bildungsgerechtigkeit dringend notwendig.
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„Wer einmal einen Physiotherapeuten gebraucht hat, weiß wie wichtig es ist, dass diese Ausbildung fortgesetzt wird“, sagte die SPD-Landtagsabgeordnete Corinna Lange mit einem Hinweis auf die langen Wartezeiten. Die Deinsterin will sich dafür einsetzen, dass im Landkreis Stade Menschen mit mittlerer Reife diese Ausbildung machen können, bis geklärt ist, wie es auf Bundesebene weitergeht.
Im Gespräch ist dort eine Akademisierung des Berufs. Eine Ausbildung ist dann nur noch im Rahmen eines Studiums und mit entsprechendem Schulabschluss möglich.
Oppositionsfrau kritisiert Kultusministerium
Die CDU-Landtagsabgeordnete Birgit Butter aus Buxtehude äußerte sich ebenfalls positiv: „Ich befürworte die kurzfristige, aber pragmatische Lösung für das kommende Schuljahr.“ Sie betonte jedoch, dass eine Weiterführung der BBS Physiotherapie über das Schuljahr hinaus ein vorrangiges Ziel bleiben solle.
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Butter kritisierte, dass Kultusministerin Julia Willie Hamburg erst jetzt einlenke, obwohl das Ministerium seit Dezember letzten Jahres mit Gegenargumenten und heftigem Gegenwind der niedersächsischen Berufsbildenden Schulen konfrontiert worden sei. Auch sie hatte die Kultusministerin Anfang Februar aufgefordert, die Entscheidung zur Zukunft der BBS Physiotherapie zu überdenken.
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