TRatten im Müll: Wie die Stadt Stade im Altländer Viertel aufräumt
So sah es vor kurzem noch am Parkplatz gegenüber dem Stadtteilhaus im Altländer Viertel aus. Foto: Stehr
Im Altländer Viertel wird seit Jahren Abfall illegal entsorgt. Kürzlich spitzte sich die Lage dramatisch zu. Was die Stadt tut, um das Problem in den Griff zu kriegen.
Stade. Iurii Shikunov und sein Kollege Vladimir Lutz von den Kommunalen Betrieben Stade (KBS) ächzen. Die beiden Männer hieven gerade einen großen Kühlschrank auf die Ladefläche ihres Kleinlasters. Heute ist das Gerät allerdings das einzige Teil, das die Männer aus dem Altländer Viertel abholen und zur Mülldeponie fahren. Das ist ungewöhnlich.
Überreste von toten Schafen zogen Ratten an
Normalerweise prägen an mehreren Stellen entlang der Grünendeicher Straße hohe Müllberge das Stadtbild - und das, obwohl die vom Landkreis beauftragte Firma Meyer wöchentlich zur Abfuhr vorbeikommt.

Mitarbeiter der Kommunalen Betriebe Stade räumen regelmäßig im Altländer Viertel auf. Der Stadt entstehen dadurch Kosten in Höhe von 60.000 Euro im Jahr. Foto: Stehr
Wenn der Sperrmüll aber zu stark mit Restmüll vermischt ist, werde nichts mitgenommen, sagt Lona Hollander von der Stadt Stade beim Ortstermin mit dem TAGEBLATT. Es handelt sich dann um Wildmüll.

Vor wenigen Wochen: ein Wildmüllberg an der Mittelnkirchener Straße. Foto: Stehr
Den muss innerorts die Stadt entsorgen. Zweimal im Monat finde eine große Aufräumaktion statt, die Containerplätze würden täglich von KBS-Mitarbeitern angefahren, ergänzt KBS-Bauaufseher Bernd Cords. Doch vor kurzem stießen auch die KBS-Mitarbeiter an ihre Grenzen.
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„Überreste von toten Schafen wurden in den Müllbergen auf der Straße entsorgt, das hat viele Ratten angezogen“, sagt Lona Hollander. Sie bat deshalb die Stader Entsorgungsfirma Buhrfeind um Hilfe. Die habe sofort reagiert und einen Tag später Tabula rasa gemacht. Alle Müllberge seien komplett abgetragen worden. Dass dieser Zustand sich lange hält, bezweifelt Lona Hollander allerdings.
Mülltouristen fahren das Altländer Viertel gezielt an
Das Problem mit dem Wildmüll im Altländer Viertel sei in den vergangenen Jahren immer schlimmer geworden, bestätigen Bernd Cords und seine Mitarbeiter. Wohl auch, weil sogenannte Mülltouristen gezielt das Altländer Viertel anfahren, um ihren Abfall hier illegal abzuladen.

Etliche Kühlschränke wurden kürzlich im Altländer Viertel entsorgt. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass es viele Mülltouristen gibt, die gar nicht im Viertel leben, ihren Müll aber trotzdem hier abladen. Foto: Stadt Stade
Nicht selten seien Autoreifen, teilweise auch Gasflaschen oder gefährliche Stoffe darunter. Außerdem stünden manchmal bis zu 20 Kühlschränke an der Straße. Obwohl knapp 3000 Menschen im Altländer Viertel leben, könne der ganze Müll unmöglich nur von ihnen stammen.

KBS-Mitarbeiter Iurii Shikunov muss regelmäßig im Altländer Viertel aufräumen, weil Menschen ihren Müll nicht ordnungsgemäß entsorgen. Foto: Stehr
„Wir sehen immer wieder verdächtige weiße Transporter auf dem Parkplatz am Haus der Begegnung und vermuten, dass es sich um private Entsorger von außerhalb handelt“, sagt Cords. Um Täter überführen zu können, müsste man sie aber auf frischer Tat erwischen.
Videoüberwachung ist nur auf Privatflächen erlaubt
Eine Videoüberwachung sei aus Datenschutzgründen auf öffentlichen Flächen nicht erlaubt, erklärt Stadtpressesprecher Stephan Voigt. Die Stadt sei daher auf Hinweise angewiesen. Wer etwas beobachte, sollte sich das Kennzeichen sowie die Tatzeit merken und bestenfalls auch ein Foto machen.

Alle Wildmüllberge wurden kürzlich im Auftrag der Stadt von Mitarbeitern der Stader Firma Buhrfeind beseitigt. Foto: Richter
„Wir wollen zumindest die Eigentümer dahin bringen, Videoüberwachung einzurichten. Auf Privatgrundstücken ist das nämlich erlaubt“, sagt Stephan Voigt. Auch die Polizei solle öfter durch das Altländer Viertel fahren.

Blumen in Apfelgroßkisten sollen das Altländer Viertel verschönern und verhindern, dass Menschen ihren Wildmüll hier entsorgen. Auf dem Parkplatz am Haus der Begegnung mussten allerdings alle Kisten wieder abgebaut werden. Ratten hatten sich dort eingenistet. Foto: Stehr
Ein anderer Versuch, die illegale Müllentsorgung zu verhindern, ist gescheitert. Vor kurzem musste die Stadt auf dem Parkplatz am Haus der Begegnung mehrere große Pflanzkisten abbauen lassen.
Ratten hatten sich darunter eingenistet, weil immer wieder Müll vom benachbarten Privatgrundstück herüberkippte, sagt Lona Hollander. Um den Parkplatz freizuhalten, hat die Stadt inzwischen einen Zaun ziehen lassen.
Extra Container statt Grillverbot
Was plant die Stadt noch, um das Problem in den Griff zu kriegen? Darüber werde regelmäßig „dynamisch diskutiert“, sagt Lona Hollander. Womöglich würden im kommenden Jahr extra Container für die Entsorgung von Fleisch aufgestellt. Ein Grillverbot solle es nicht geben.

Am Haus der Begegnung hat die Stadt einen Zaun ziehen lassen, damit der Wildmüll vom benachbarten Privatgelände nicht mehr auf den Parkplatz geschoben werden kann. Foto: Stehr
Man hoffe zudem, dass durch Müllsammelaktionen mit Schulen und Kitas Kinder und deren Eltern für das Problem sensibilisiert würden und setze auf die Hilfe aus der Bevölkerung, ergänzt Stephan Voigt. Außerdem werde der Müll weiterhin regelmäßig abgefahren. Die Wildmüllentsorgung koste die Stadt allein im Altländer Viertel 60.000 Euro im Jahr.
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KBS-Mitarbeiter Vladimir Lutz sieht es pragmatisch: „Einer muss den Müll ja wegräumen“, sagt er, bevor er sich auf den Weg zur Deponie macht. Manche Menschen aus dem Altländer Viertel bedankten sich, wenn sie ihn bei der Arbeit sehen. Denn auch viele Bewohner störe der Müll vor ihrer Haustür.
So kann man Wildmüll bei der Stadt melden
Wildmüllmeldungen bei der Stadt sind möglich unter 04141/401391, per Mail an wildmuell@stadt-stade.de, auf www.stadt-stade.info/maengelmelder oder in der Facebookgruppe „Wildmüll in der Hansestadt Stade“.
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Leider ein ungewöhnliches Bild. Es liegt kein Wildmüll auf dem Parkplatz gegenüber des Stadtteilhauses. Foto: Stehr