TRaus aus der Komfortzone: Abiturient aus Himmelpforten seit einem Jahr in Kenia
Leo Strzeszynski hat nach seinem Abitur 2025 einen Freiwilligendienst in Kenia begonnen. Bei seinen Gasteltern Violet und David Kahindo fühlt Leo sich wohl. Foto: privat
Kurz nach seinem Abschluss hat Leo 2025 dem Kreis Stade den Rücken gekehrt - um mehr als 6.000 Kilometer entfernt von zu Hause zu unterrichten. Manches war gewöhnungsbedürftig.
Himmelpforten. Knapp 6500 Kilometer liegen zwischen Hamburg und Kenia. Für Leo Strzeszynski aus Himmelpforten ist die Entfernung von seinem Zuhause kein Problem: Einen Kulturschock habe er nicht gehabt, als er im September 2025, wenige Monate nach seinem Abitur, in Kenia ankam. Noch bis Ende Juli arbeitet er dort im Rahmen eines Freiwilligendienstes an einer Schule.
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Inspiriert zu seinem Auslandsjahr hat Leo ein Schüleraustausch nach Simbabwe, den die IGS Stade 2023 organisiert hat. Danach war für ihn klar, dass er wieder ins Ausland will - am liebsten wieder nach Afrika. Er verglich die Angebote verschiedener Organisationen für Freiwilligendienste und entschied sich schließlich für elf Monate Kenia.
Nach drei Wochen eingelebt
„Ich bin da ganz offen rangegangen”, sagt Leo und erzählt, was in seiner Heimat auf Zeit anders ist als in Deutschland. Am Anfang seien die vielen neuen Eindrücke etwas überwältigend gewesen. Ungewohnt war zum Beispiel die Toilette bei seiner Gastfamilie: „Die ist ein Loch im Boden.”
Außerdem: Wenn er mit den Matatus, den Sammeltaxis, die in Kenia im Nahverkehr eingesetzt werden, fährt, muss er sich bücken. „Die Fahrzeuge sind beengter als in Deutschland. Da muss man sich reinquetschen.” Wenn er im Gang steht, stößt der 1,90 Meter große Himmelpfortener gegen die Decke.

Einen Kulturschock hatte Leo nicht, als er in Kenia ankam. In den Matatus, den Sammeltaxis, muss der Himmelpfortener sich bücken. Foto: privat
Aber all das hat Leo nicht gestört. „Nach drei, vier Wochen hatte ich mich eingelebt.” Auch die Verständigung funktioniere gut. In Kenia sind Englisch und Kiswahili Amtssprachen. „Untereinander sprechen die Menschen meist Kiswahili, aber mit mir dann Englisch”, sagt Leo, der nur einige Wörter Kiswahili spricht.
Viel zu tun beim Freiwilligendienst
„Am Anfang war es komisch, zu wissen, dass ich hier so lange bin”, sagt Leo. Doch insgesamt sei die Zeit in Kenia für ihn sehr schnell vergangen. Heimweh hatte er keines. Familie und Freunde hätten ihm zwar gefehlt, aber er habe oft mit ihnen telefoniert. „Ich habe versucht, neue Erfahrungen zu sammeln, anstatt darüber nachzudenken, was ich alles vermisse.”
Unter der Woche hilft er den Lehrkräften im Englisch- und Matheunterricht von morgens bis nachmittags in der Schule. Deutsch darf der 19-Jährige sogar alleine unterrichten. Zudem hat er bei der Renovierung eines Klassenraums geholfen und das WLAN im Computerraum eingerichtet.

Während seines Freiwilligendienstes unterrichtet Leo an einer Schule. Foto: privat
Nach dem Schultag spielt er oft mit den Nachbarskindern oder unterhält sich mit seiner Gastmutter, die Lehrerin an Leos Schule ist. „Alleine bin ich hier eigentlich selten”, sagt er.
Die Schulferien hat Leo genutzt, um zu reisen. Unter anderem besuchte er ein zweites Mal seine ehemalige Gastfamilie in Simbabwe. Im Laufe der letzten Monate war er außerdem in Uganda, Ruanda und Südafrika.
Freiwilligendienst bedeutet Austausch
Ende des Monats fliegt Leo zurück nach Hamburg. In Deutschland werde er vor allem seine Gastfamilie und die Freunde, die er vor Ort in Kenia gefunden hat, vermissen, sagt er. Aber für seine Gastfamilie hat er sich etwas Besonderes überlegt.
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„Ich verstehe die Zeit als Austausch”, erklärt Leo. Deshalb hat er für seine Gasteltern eine Deutschlandreise organisiert. Wenn mit den Visa alles funktioniert, fliegen sie im Juli mit Leo nach Deutschland. Unterkommen werden sie bei ehemaligen Freiwilligen, die bei ihnen in Kenia gelebt haben. „So sehen sie verschiedene Städte in Deutschland, wie Hannover, Frankfurt und Stuttgart.”
Was der Himmelpfortener jetzt vorhat
Seinen Freiwilligendienst hat Leo über das „Weltwärts“-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefunden. Das Programm hilft jungen Menschen, die sich in Ländern des globalen Südens engagieren wollen, einen passenden Freiwilligendienst zu finden und finanziert 75 Prozent eines solchen Auslandsaufenthaltes.

Leos Schultag geht etwa bis 15 Uhr. Er unterrichtet unter anderem in der Vorschule zusammen mit seiner Gastmutter. Foto: Haardt
Wie es nach seiner Rückkehr nach Deutschland für ihn weitergeht, weiß Leo schon recht genau: „Ich habe einen Monat Pause und dann mache ich ein Krankenpflegepraktikum am Elbe Klinikum in Buxtehude.” Er überlegt, anschließend Medizin zu studieren.
Kenia ist für Leo zum Zuhause geworden
Der Freiwilligendienst habe es ihm ermöglicht, Erfahrungen zu machen, die er sonst nie hätte machen können. „Ich kann jedem nur raten, aus seiner Komfortzone herauszukommen”, sagt Leo. „Für mich ist nach Deutschland und Simbabwe Kenia jetzt mein drittes Zuhause auf der Welt.”
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