TRobinien sind sehr umstritten – Zuckergehalt von 50 Prozent
Robinien blühen. Foto: Paulin
Sie sind gekommen, um zu bleiben: die Robinien. Über kaum eine andere Baumart wird so kontrovers diskutiert. Mittlerweile haben sie sich als Stadtbäume bestens eingelebt.
Landkreis. Ursprünglich sind Robinien in Nordamerika zu Hause. So üppig blühende Bäume mit hellgelbem Laub, dachte man, die sollten auch bei uns ihre Heimat finden. Und so wurden Robinien ab dem 18. Jahrhundert vermehrt in Europa angepflanzt.
Robinien sind unkaputtbar und fast nichts hält sie auf. Denn sie sind Pionierbäume und das heißt: Sie kommen mit kargem Boden hervorragend zurecht. Ist im Blätterdach oder in Häuserschluchten eine Lichtöffnung, dann haben sie hier beste Startbedingungen. Ihr Vorteil ist, dass sich an ihren Wurzeln Bakterien ansiedeln, die im Boden den Luftstickstoff binden können. Auf diese Weise düngt sich die Robinie selbst.
Trockenheit macht diesen Bäumen nichts aus
Auch mit Trockenheit können sich Robinien arrangieren. Deshalb sind sie in der dicht gepflasterten und mit Asphalt zugegossenen Stadt fast ohne Konkurrenz. Ihre Methode: Sie versenken ihre meterlangen Wurzeln möglichst schnell in große Tiefen. Dadurch können sie sogar einer Streusalzbelastung im Oberboden entgehen. Ist es an Sommertagen zu heiß, klappen sie ihre Fliederblättchen zusammen und mindern so die Verdunstung. Sogar abgasschwangere Stadtluft können Robinien ertragen.
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Zu diesen Superlativen kommt, dass die schnell wachsenden Robinien hartes, haltbares Holz liefern. Es ersetzt manches Tropenholz. Ebenfalls ertragreich sind Robinien als Nektarlieferanten. Die weißen Blüten hängen in langen Trauben herab und duften süßlich. Das gefällt Bienen und Hummeln, die sich hier gewaltige Mengen an Nektar abholen können.
Die Blüten haben einen Zuckergehalt von 50 Prozent
Eine Blüte produziert am Tag davon etwa ein Milligramm. Der Zuckergehalt ist mit etwa 50 Prozent enorm hoch. Diese Zuckermengen erreichen Rapsblüten ebenfalls, jedoch ist die Nektarmenge pro Blüte geringer.
Der Nachteil: Robinien sind wie Bohnen und Erbsen auch Schmetterlingsblütler. Deshalb müssen Bienen und Hummeln beim Blütenbesuch die großen Blütenblätter beiseite schieben. Erst dann erreichen sie ihr Ziel, den nektarhaltigen Blütenboden.
Ökologen sehen die Ansiedelung der Bäume kritisch
So verwundert nicht, dass die Robinie zum „Baum des Jahres 2020“ gewählt wurde. Doch viele Ökologen sehen diese Wahl kritisch.
Erstes Argument: Die aus Nordamerika stammenden Robinien sind so schnellwüchsig, dass sie heimische Pionierpflanzen wie Schlehe, Sandbirke oder Vogelbeere verdrängen. Robinien zählen zu den problematischen invasiven Pflanzen. Die Anreicherung der Böden mit Stickstoff verdrängt den heimischen Pflanzenbestand.
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Zweitens: Wegen ihrer gewaltigen Nektarproduktion fördern sie die Bestände von Bienen und Hummeln. Doch tragen Robinien keineswegs zur ökologischen Vielfalt bei. Kein Käfer und nur ein einziger Schmetterling kann sich von Robinienlaub ernähren. Heimische Eichen dagegen bieten über 160 Raupen von Schmetterlingen Nahrung.
Drittens: Fast alle Pflanzenteile vom Blatt über die Rinde bis zur Wurzel sind für Säugetiere giftig.
Viertens: Ist die Robinie mit ihrem Standort gut verwurzelt. Wird sie gefällt, kann sie immer wieder Schösslinge ausbilden. Ihr Motto: Hier bin ich, hier will ich bleiben. Eine Robinie pflanzen - oder doch nicht? Ja, sagen viele Forstwirte. Nein, viele Ökologen.
Serie und Buch
Was kreucht und fleucht in der Region? Wolfgang Kurtze, Vorsitzender der Lions-Naturschutz-Stiftung, schreibt über Phänomene und Kuriositäten in der Natur. Das TAGEBLATT veröffentlicht die Artikel des promovierten Biologen in loser Reihenfolge. Die erfolgreiche TAGEBLATT-Serie „Phänomene der Natur“ rückt kurzweilig Wissenswertes aus der Natur in den Mittelpunkt. Der zweite, reich illustrierte Band von Wolfgang Kurtze ist für 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Herausgeber ist die Lions Stiftung Stade zur Förderung des Natur- und Umweltschutzes.
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