TRoboter contra Handwerk: Sorgen und Nöte von Fredenbecker Unternehmern
Beim Unternehmer-Treff in Deinste: Kim Katharina Koch, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Stade, und Christian Böhlmann, Standortleiter vom Fraunhofer Institut in Stade. Foto: Laudien
Fachkräftemangel, KI, Robotik - große Herausforderungen für Handwerk und Handel. Welche Sorgen Unternehmer in Deinste teilten. Und was Jeff Bezos damit zu tun hat.
Deinste. Jörn Euhus schaut besorgt in die Zukunft. Der Inhaber des Edeka-Marktes in Fredenbeck, der 50 Mitarbeiter beschäftigt, ist froh, dass er aktuell so viele treue Mitarbeiter hat. „Eine der Mitarbeiterinnen hat mit 15 bei mir angefangen und ist heute mit 63 immer noch dabei“, berichtet Euhus beim Unternehmer-Treffen in Deinste. Für seinen Sohn, der den Betrieb übernimmt, werde es bestimmt schwieriger, Personal zu bekommen, sagt Euhus.
Das Sterben der Fleisch- und Käse-Theken
„Die wenigsten wollen heutzutage samstags arbeiten“, sagt Euhus. Mit vielen jungen Leuten habe er gesprochen, die 20 Euro die Stunde verdienen wollten. Eine Folge des Fachkräftemangels sei unter anderem das Thekensterben. Schrittweise vollzieht sich der Abbau von klassischen Frische- und Bedientheken für Fleisch, Wurst, Fisch oder Käse in Supermärkten und im Lebensmittelhandel. Euhus-Edeka in Fredenbeck hat noch eine Käsetheke.

Jörn Euhus vom Edeka-Markt in Fredenbeck sorgt sich um den Fachkräftemangel im Lebensmittelhandel. Foto: Laudien
Kim Katharina Koch, in Helmste aufgewachsen und Medienfachfrau, ist seit vergangenem Jahr Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Stade. Mittelstand und Handwerk seien ihre Passion. Sie verkündete beim Unternehmer-Treff eine positive Nachricht aus dem Handwerk: 11 Prozent mehr Ausbildungsverträge seien im vergangenen Jahr abgeschlossen worden. Sie glaube fest daran, dass der Aufwärtstrend nicht nur im Handwerk, sondern auch beim Handel ankommen wird.

Beim Unternehmer-Treff in Deinste: Das TAGEBLATT-Team mit Christian Nähring, John Bekkema und Sönke Giese sowie die beiden Referenten Kim Katharina Koch und Christian Böhlmann (rechts). Foto: Laudien
Der Austausch für Betriebe aus Fredenbeck und Umgebung wurde vom TAGEBLATT initiiert. Im Deinster Quellenhaus trafen sich die Unternehmer aus den unterschiedlichsten Branchen: Tischlerei, Touristik, Haustechnik, Lebensmittelhandel und Kfz-Branche.
Positive Entwicklung im Handwerk
Mehrere Gründe nannte die Geschäftsführerin der Stader Kreishandwerkerschaft für die positive Entwicklung im Handwerk: „Haus, Familie und ein sicherer Job sind jungen Leuten wieder wichtig.“ Aber auch unterstützende Maschinen würden dazu beitragen, dass Handwerksberufe an Attraktivität gewinnen und auch Mitarbeiter länger erhalten blieben.

Kim Katharina Koch im Gespräch mit Heiko Fischer vom Bargstedter Fachbetrieb Fischer für Metallbau, Heizungstechnik und Photovoltaik. Foto: Laudien
Ein weiterer Aspekt bei der Generation unter 25: Sie kämen wieder mehr analog zusammen. Social Media erfahre eine Rückwärtsbewegung. „Wir müssen daher an die Menschen ran, etwa mit Messen und Werbung“, sagte Koch. Schon in den Schulen sollten Betriebe damit beginnen, rät die Expertin.
Tatsache ist aber auch: „Die Schlagzahl an Veränderungen in Handel und Handwerk wird höher. Was heute noch aktuell ist, ist morgen schon wieder alt“, sagte Koch. Umstrukturierungen, Automatisierung und Klima würden für immer neue Herausforderungen sorgen.

Arndt und Angela Ropers erleben den technischen Wandel in ihrem Kfz-Betrieb in Fredenbeck. Foto: Laudien
Das bestätigen auch Arndt und Angela Ropers, die seit 2011 in Fredenbeck eine Kfz-Werkstatt betreiben. In der Autobranche sei in den letzten Jahren viel passiert, berichtet das Ehepaar. E-Fahrzeuge, Werkzeuge, Messgeräte, Arbeitsplätze und die gesamte Ausstattung hätten sich enorm gewandelt.
Jeff Bezos kauft Roboter in Stade
Ein Experte für Automatisierung und Robotik ist Christian Böhlmann, Standortleiter des Fraunhofer Instituts in Stade. Er informierte die Unternehmer, wie die neuen Technologien sinnvoll für das Handwerk und den Handel eingesetzt werden können.
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„Wir haben viele Dinge in unserer Region, die man durch Automatisierung und Roboter vorantreiben kann“, sagte Böhlmann.

Experte für Automatisierung und Robotik: Christian Böhlmann vom Fraunhofer Institut in Stade. Foto: Laudien
Dazu nannte der Stader einige Beispiele: Etwa beim Asbestabbau und Fräsen auf dem Bau. Aber auch beim Einräumen von Regalen können Roboter unterstützen. Ebenso wie im Pflegebereich, etwa zum Verschieben von Betten oder zur Unterhaltung von Pflegebedürftigen. Im Alten Land unterstützt bereits eine vom Fraunhofer IFAM in Stade entwickelte „Sensorbox“ an einem Schlepper zur Datenaufnahme und -verarbeitung in den Obstbauanlagen.
„Roboter sind das nächste Handy“
Sogar Jeff Bezos, der bekannte US-Informatiker und Unternehmer, habe Roboter gekauft, die in Stade entwickelt wurden, erzählte Böhlmann.
Der Roboter sei das nächste Handy, so seine Prognose.

Einst Tischlermeister - jetzt Kreishandwerksmeister: Jörg Klintworth aus Helmste. Foto: Laudien
„Geht durch die Robotik nicht das Handwerk verloren?“, fragte Jörn Euhus.
Das Handwerk werde nie aussterben, versicherte Kreishandwerksmeister Jörg Klintworth, der zudem im Vorstand der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade ist. 2024 hat er seine Tischlerei, die seit 1896 in Helmste besteht, an seine beiden Söhne Nils und Thilo übergeben. „Die Roboter werden lediglich unterstützen und Berufe attraktiver machen“, versicherte Böhlmann.
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