TSchützenverein Altkloster: Warum tragen manche Zylinderhut?
Das Bild zeigt das Schwarze Corps des Schützenvereins Altkloster am Tag seiner Gründung am 16. Juni 1901. Das Bild erschien damals im TAGEBLATT-Vorgänger „Buxtehuder Wochenblatt“. Foto: Schützenverein Altkloster
Das Schwarze Rott im Schützenverein Altkloster feiert 125-jähriges Bestehen. Eine Versammlung am Gründungstag bietet Einblicke in seine Rituale. Ein Besuch.
Buxtehude. Weiße Nelke, Fliege und Zylinderhut: Dass sich 48 Männer an einem gewöhnlichen Dienstag so fein in Schale werfen, muss einen außergewöhnlichen Anlass haben. Die Kombination bildet ihre korrekte Uniform.
Vor 125 Jahren, am 16. Juni 1901, fand sich eine Gruppe von Schützen zusammen, die im Schützenverein Altkloster das Schwarze Rott, damals noch Schwarzes Corps genannt, gründete. Sie sagten sich von der Uniform der Joppen los und feierten das Schützenfest im schwarzen Anzug und Zylinder.
Feierlich in Uniform stellen sich Mitglieder des Schwarzen Rotts im Schützenverein Altkloster am 16. Juni 2026 zu einem Foto im Jahnstadion in Buxtehude-Altkloster auf. An dem Tag vor 125 Jahren gründete sich das Schwarze Rott. Foto: Sulzyc
Auf den Tag genau 125 Jahre später feiert das Schwarze Rott den Gründungstag und hält seine Jahreshauptversammlung ab. Anders als sonst bei Mitgliederversammlungen hat Kommandeur Stefan Siebert das Tragen der Uniform angeordnet. 50 weiße Nelken hat er bestellt - eine Konjunkturspritze für den örtlichen Blumenhandel.
Die Geschichtsschreibung hat eine große Lücke
Aus der Zeit von 1901 bis 1927 existieren keine Protokolle oder andere Schriftstücke des Schwarzen Rotts. Was in diesem Zeitraum geschah, können die Nachfahren heute nur vermuten. Einzig ein Foto aus dem Jahr 1901 existiert - im Schützenverein Altkloster gilt es als Dokument zur Gründung des Schwarzen Rotts.
Die Jahreshauptversammlung bietet Einblicke in überliefertes Brauchtum der Zylinderträger. Warum sind diese Schützenbrüder eigentlich so vornehm gekleidet?
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T Darum gibt es fünf unterschiedliche Uniformen in Altkloster
Wer meint, es habe sich um besonders wohlhabende Menschen gehandelt, irrt. Das Schwarze Rott habe nicht uniformiert sein wollen, weil es sich die Uniformen finanziell nicht leisten konnte, sagt Walter Olgemöller. Der Ehrenpräsident des Schützenvereins Altkloster ist Zylinderträger und gilt als Kenner der Vereinsgeschichte. „Sie zogen sich ihren schwarzen Sonntagsanzug an.“

Walter Olgemöller ist Ehrenpräsident des Schützenvereins Altkloster - und gehört dem Schwarzen Rott an. Foto: Sulzyc
Im Jahr 1901 war das Tragen eines Hutes für Männer eine Selbstverständlichkeit. Ohne Kopfbedeckung auf die Straße zu gehen, galt als unschicklich.
Das kostet heute ein Zylinderhut
Wer heute dagegen Zylinder trägt, fällt auf. Weil Hutmacher ein seltenes Handwerk ist, steigen die Preise für den hohen, steifen Herrenhut rasant in die Höhe. „Für einen Zylinder habe ich jetzt 750 Euro bezahlt - vor wenigen Jahren waren es noch 220 Euro“, sagt Stefan Siebert. Wenn es regnet, legt er die teure Kopfbedeckung zur Seite.
Den Zylinder nehmen die Mitglieder des Schwarzen Rotts beim Eintreffen zur Jahreshauptversammlung vom Kopf. Nicht schnöde am Kleiderhaken wird er aufbewahrt. Stattdessen stapeln die Schützenbrüder die Zylinderhüte auf Tischen. Das spart Platz - erschwert aber das Auffinden des eigenen Huts. Ein Namensschild im Hutinneren kennzeichnet seinen Besitzer.

Wie legen Mitglieder des Schwarzen Rotts ihre Zylinder ab? Sie stapeln sie übereinander! Foto: Sulzyc
48 Mitglieder nehmen an der Jahreshauptversammlung zur Erinnerung an die Gründung vor 125 Jahren teil. Insgesamt 80 hat das Schwarze Rott.

Traditionell fällt das Geburtstagsessen während der Jahreshauptversammlung des Schwarzen Rotts aus: Zur Feier der Gründung vor 125 Jahren wird Schwarzbrot mit Schinken, Gurke und Tomate aufgetischt. Foto: Sulzyc
Zu einer Feier gehören Speisen und Getränke. Zum 125-jährigen Bestehen geben sich die „Schwarzen“, wie die Mitglieder des Schwarzen Rotts vereinsintern heißen, bodenständig. Der Wirt tischt Schwarzbrot mit Schinken auf. Eine traditionelle Mahlzeit, die auch vor 125 Jahren auf dem Tisch gestanden haben könnte.
Diesem Ritual unterziehen sich Neumitglieder
Ob das Ritual zur Aufnahme von Neumitgliedern bis auf die Gründungsmitglieder zurückgeht, ist selbst Ehrenpräsident Walter Olgemöller nicht bekannt. Wer in das Schwarze Rott aufgenommen werden möchte, muss von sich erzählen - und aus einer Holzkelle Weinbrand trinken. Anschließend klopft der Kommandeur dem neuen Mitglied mit der Holzkelle auf den Hintern.
Erinnerungen zufolge geht das Aufnahmeritual mindestens auf das Jahr 1950 zurück. Das Klopfen mit der Holzkelle auf den Po soll damals deutlich härter gewesen sein als heute, sagt Walter Olgemöller.

Stefan Siebert ist seit 2025 Kommandeur des Schwarzen Rotts im Schützenverein Altkloster. Foto: Sulzyc
Das Schwarze Rott in Altkloster gilt als besonders ehrgeizig bei den Schießwettbewerben. Eine Ansage macht Stefan Siebert zum Schützenfest vom 31. Juli bis 3. August: „Wir hoffen, den Schützenkönig zu stellen. Und ich strebe an, Bester Mann zu werden.“
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