TSechs Menschen berichten: Was ihnen in schweren Zeiten Hoffnung gibt
Die Gründerinnen von „Abend fürs Leben“: Nicky Emeljanov (links) und Annelies Schnoor. Foto: P. Meyer
Sie haben geliebte Menschen verloren oder bangen um Angehörige im Krieg: Zum Osterfest erzählen Menschen aus dem Landkreis Stade, woraus sie Zuversicht schöpfen.
Ostern steht für die Kraft der Hoffnung - selbst in dunkelsten Momenten. Doch was bedeutet Zuversicht ganz persönlich?
„Aus Schmerz kann auch etwas Schönes entstehen“
Für Nicky Emeljanov und ihre Mutter Annelies Schnoor aus Harsefeld ist Hoffnung ein sehr persönliches Thema: Nach dem Tod ihres Ehemanns und Vaters gründeten die Frauen den Verein „Abend fürs Leben“, mit dem sie Spenden für Krebsinitiativen sammeln und Trauernde zusammenbringen.
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„Hoffnung bedeutet für uns, auch in den dunkelsten Momenten ein kleines Licht zu sehen und daran festzuhalten“, sagt Nicky Emeljanov. Nach dem Verlust ihres Vaters weiß sie, wie schwer es sein kann, Zuversicht zu spüren. „Wir schöpfen unsere Kraft aus der Liebe, die bleibt, aus Erinnerungen und aus dem Wissen, dass wir nicht allein sind.“
Mit ihrem Verein wollen die beiden Frauen Zuversicht durch Gemeinschaft entstehen lassen: „Wir möchten einen Ort schaffen, der verbindet, Mut macht und zeigt, dass aus Schmerz auch etwas Schönes entstehen kann.“
Ihre größte Hoffnung sei es, ihr Leben fortan bewusster zu leben und jeden Moment zu genießen, erklärt Annelies Schnoor. „Und dass wir trotz Verlust nicht aufhören zu fühlen, zu lieben, weiterzugehen und daran erinnern, wie wertvoll das Leben ist. Jeden einzelnen Tag.“ Der Stader Gastronom Amir Afschartabbar.
Foto: privat
„Hoffnung ist der Wunsch nach einem guten Ausgang“
Amir Afschartabbar, Gastronom und Vorsitzender von Stade aktuell, dem Zusammenschluss der Kaufleute und Gastronomen in der Innenstadt: „In schweren Zeiten zeigt sich, wie widerstandsfähig wir Menschen sind. Oft erkennen wir unsere Stärke erst, wenn wir auf die Probe gestellt werden. Auch wenn vieles dunkel erscheint, gibt es in uns immer etwas, das unzerbrechlich bleibt.
Wie Albert Camus sagte: ‚Mitten im Winter habe ich in mir einen unbesiegbaren Sommer entdeckt.‘
Für mich ist Zuversicht mehr als Hoffnung. Hoffnung ist der Wunsch nach einem guten Ausgang – Zuversicht die innere Haltung, trotz aller Schwierigkeiten daran zu glauben und weiterzugehen.
Als Perser verbinde ich dieses Gefühl mit Nowruz, dem Fest des Neubeginns und des Lichts. Umso schöner ist es, dass sich diese Botschaft hier mit Ostern verbindet.
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Ich hoffe, dass wir als Gesellschaft gemeinsam zuversichtlich und hoffnungsvoll nach vorne blicken – das brauchen wir heute mehr denn je.“

Der Ukrainer Grischa Kaflowsky. Foto: Landkreis/Schmidt
„Wir hoffen und glauben, dass Vladi bald wiederkommt“
Grischa Kaflowsky, Geschäftsmann aus Kiew und Bindeglied für Hilfslieferungen aus dem Kreis Stade in die Ukraine: „Hoffnung - das ist mein aktueller emotionaler Stand, weil ich erwarte, dass sich im Kreise meiner Familie bald etwas ereignet, das wir uns sehr wünschen: Mit meinen Gedanken bin ich bei meinem an der Front vermissten Neffen Volodymyr Kowbel.
Vladi ist ein in der Ukraine beliebter junger Sänger und Schauspieler im Kiewer Theater, der Stolz unserer Familie. Durch seine Rocksongs, Konzerte und Kino ist er bekannt geworden. Das war aber vor dem Krieg!
Am ersten Tag der russischen Aggression gegen die Ukraine wurde Vladimir zusammen mit meinem Sohn Sascha als Freiwilliger in die ukrainische Armee eingezogen. Im Februar 2022 haben unsere militärischen Kräfte mit Tausenden Freiwilligen harte Kämpfe in Kiew überlebt. Nach der Befreiung des Kiewer Gebiets wurde Vladi in die Donbass-Region abkommandiert und diente bei den militärischen Aufklärern (HUR). Im Sommer 2023 bei Lisitschansk im Gebiet Luhansk sollte Vladimir mit einem Kameraden die sogenannte graue Zone durchfahren, um die Positionen zu decken.
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Leider sind beide mit dem Fahrzeug in eine russische Falle geraten. Bei Schusswechseln wurde Vladi an der Schulter verletzt. Beide Kameraden sollten das Fahrzeug sofort verlassen und in verschiedene Richtungen weglaufen. Bei Vladimirs Kamerad hat es geklappt. In einigen Stunden kam er in seine Einheit zurück. Es gibt einen schriftlichen Bericht über den Fall.
Vladimir konnte noch selbst laufen. Doch über Vladi hatte die ukrainische Leitung keine Informationen. Erst am nächsten Tag, durch Sputniks und seine Handynummer, kam die Bestätigung, dass er nicht mehr in grauen Zone ist. Stand heute: keine Informationen mehr. Ob Vladi noch lebt? Ob er in Gefangenschaft ist? Niemand kann uns das bestätigen.

Der vermisste Volodymyr Kowbel (links) zusammen mit Sascha Kaflowsky. Foto: privat
Aber es gibt Hoffnung und Glauben! Vladis Frau Katja, sein siebenjähriger Sohn Semen, seine Eltern, wir alle hoffen und glauben, dass er bald wiederkommt! Wie in dem deutschen Film ‚So weit die Füße tragen‘ von 2001, den ich empfehle, besonders der jungen Generation.
Bald wird Ostern gefeiert, ein besonderer Tag für alle Christen der Welt! Für Ostersonntag ist der größte Austausch der russischen und ukrainischen Gefangenen seit Beginn dieses sinnlosen Krieges geplant. Ich hoffe und glaube: Unser Vladi kommt zu Ostern zurück!“

Sabine Preuschoff, Regionalbischöfin im Sprengel Stade. Foto: privat/Jens Schulze (nomo)
„Ich hoffe, dass Menschen mit Rückgrat aufstehen“
Sabine Preuschoff, Regionalbischöfin im Sprengel Stade: „Was gibt mir Zuversicht? Menschen, die mutig aufstehen gegen Hass und Hetze. Israelis und Palästinenser, die gemeinsam in einem Orchester musizieren. Ein Kind – geboren in der Nacht, als ich die Großmutter aussegnete. Die jedes Jahr neu erwachende Natur. Menschen, die mir Gott in existenzieller Not schickte, die aushielten, mich aufrichteten und erinnerten: Gott will Leben.
Gott hält sich nicht raus aus unserem Alltag und Leiden, sondern kommt mitten hinein ins Chaos der Welt. Das letzte Wort über unser Leben haben nicht Angst, Scheitern, Tod – sondern Gott.
Meine größte Hoffnung mit Blick auf Kriege und darauf, wie Hass gesät wird und andere niedergemacht werden: Ich hoffe, dass es stets genug Menschen gibt – ob nun ein Nelson Mandela oder eine Malala oder auch jemand wie du und ich –, denen Gott Kraft, Mut und Liebe schenkt, dass sie mit Rückgrat aufstehen für das Leben in seiner Vielfalt. Und damit andere stark machen, dass auch sie aufrecht durchs Leben gehen.“

Dieter Kanzelmeyer, Vorsitzender der Hospiz-Gruppe Stade. Foto: privat
„Ich schöpfe Hoffnung aus Menschen, die sich für andere einsetzen“
Dieter Kanzelmeyer: „Als Vorsitzender der Hospiz-Gruppe Stade erlebe ich seit 20 Jahren, wie sich unsere Hospizhelferinnen und -helfer und Trauerbegleiterinnen und -begleiter für schwerstkranke und sterbende Menschen sowie für ihre trauernden Angehörigen einsetzen. Und das alles ehrenamtlich – ohne jegliche Vergütung. Das macht mich dankbar und gibt mir Hoffnung und Zuversicht.
Unsere Arbeit wird nur zum Teil von den Krankenkassen finanziert. Einen erheblichen Teil der Kosten bringen Spender auf, die kleine und große Beträge auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten geben.
Seit über 20 Jahren bemüht sich die Hospiz-Gruppe Stade um ein stationäres Hospiz in Stade. Es gab viele Anläufe und ebenso viele Enttäuschungen. Aber wir haben die Hoffnung nie aufgegeben und stehen nun mit einem starken Partner kurz vor der Realisierung.
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Woraus schöpfe ich nun die Hoffnung? Es sind die Menschen, die sich für andere einsetzen. Ich bin zuversichtlich, dass sich daran auch nichts ändern wird.“
Konzept: Fenna Weselmann. Mitarbeit: Susanne Helfferich, Pauline Meyer, Anping Richter, Lena Stehr. Redaktion: Tim Scholz.
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