TSkin Gin in Buxtehude: Rote Linien und ganz viel Leidenschaft
Christoph Kramer aus Cranz füllt die Skin-Gin-Flaschen ab. Foto: Wisser
In Buxtehude geht der Arbeitstag bei Skin Gin in die letzte Runde: Martin Birk Jensen und Christoph Kramer zwischen Bürokratie und der Abfüllung von 100 Gin-Flaschen.
Buxtehude. 17 Uhr. Der Arbeitstag bei Skin Gin in Buxtehude geht in die Schlussphase. Der gebürtige Däne Martin Birk Jensen und Christoph Kramer aus Cranz haben in ihrem Gebäude in der Rudolf-Diesel-Straße im Gewerbegebiet Lüneburger Schanze noch eine Stunde lang zu tun. Die Arbeit hat viel mit Alkohol und fast noch mehr mit Bürokratie zu tun.
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Jensen – Erfinder und Gründer der Marke und des charakteristischen Designs – und sein Mitarbeiter Kramer sitzen an ihren Schreibtischen. Jensen ist für Vermarktung und Strategie zuständig, Kramer für alles andere. Bevor er noch eine letzte Charge Skin Gin filtriert und abfüllt, bringt er die Unterlagen für den Zoll auf den neuesten Stand.
So viele Flaschen werden in Buxtehude abgefüllt
Die Alkoholsteuer liegt bei 13,03 Euro pro Liter reinem Alkohol. „Das wird sehr regelmäßig kontrolliert“, sagt Kramer. „Hier machst du am besten keine Fehler“, scherzt er. Die Arbeitsatmosphäre bei Skin Gin ist entspannt.
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Es geht um 20.000 Liter Alkohol für rund 43.000 Flaschen. Es gab Zeiten, da verließen im Jahr mehr als 80.000 Flaschen das Skin-Gin-Firmengebäude in Buxtehude. Zwei Lagerbücher halten alles detailliert fest.

Skin-Gin-Erfinder Martin Birk Jensen betreibt das Projekt mit großer Leidenschaft. Foto: privat
„Ich habe vor einigen Jahren die Jagd nach dem Umsatz aufgegeben“, sagt Jensen. Im firmeninternen Rekordjahr 2021 machte Skin Gin rund zwei Millionen Euro Umsatz. Während Corona hatten die Leute Zeit und Geld. „Sie sind nirgends hingefahren und konnten nicht essen gehen“, sagt Jensen.
Damals beschäftigte Skin Gin in der Spitze 16 Leute. Heute sind es mit Jensen, Kramer und der Buchhaltung drei Personen. Der Umsatz hat sich mehr als halbiert. „Es macht auf Dauer keinen Sinn, Skin Gin in jedem Supermarkt zu verkaufen. Skin Gin ist auch vom Preis her ein Produkt, das Erklärungsbedarf hat“, erzählt Jensen. Jetzt bringt ihm Skin Gin wieder Spaß.
Die personalisierten Flaschen sind sehr beliebt
Kurz nach 17 Uhr ist Kramer mit den Formalien für den Zoll und den Einkauf fertig. In der verbleibenden Zeit will er noch einmal 100 Flaschen abfüllen. Der Gin kommt aus einem 1000-Liter-Fass. Eine Brennerei in Heide stellt ihn nach den Vorgaben von Jensen her. Die 100 Flaschen sind die geringste Stückzahl, die in Buxtehude auf Bestellung für Kunden als personalisierte Flaschen abgefüllt wird.
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Diesmal ist die Leo-Edition mit oranger Ummantelung dran. Schnell und routiniert wird abgefüllt. Kramer ist der Gastronomie-Experte bei Skin Gin. Unter anderem war er zehn Jahre lang Einkaufsleiter im renommierten Hotel Vier Jahreszeiten in Hamburg.

Skin Gin gibt es in vielen verschiedenen Editionen. Foto: Wisser Foto: Wisser
Die spezielle Beschichtung der Flaschen gehört – wie der Inhalt und das Gefühl beim Anfassen – zum Konzept von Skin Gin. Skin steht für Haut. „Ich wollte etwas Besonderes“, erzählt Jensen, hauptberuflich Schiffsmakler.
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Im Sommerurlaub 2014 in Griechenland kam ihm die Idee für seinen Gin. Beim Tauchen im Ägäischen Meer: „Ich mochte immer gerne Gin, aber irgendwann schmeckten mir die gängigen Sorten zu sehr nach Wacholder.“ Jensen wollte einen frischen und fruchtigeren Gin.
Seit sieben Jahren in Buxtehude zu Hause
Skin Gin gibt es seit März 2015. Vier Jahre später zog die Firma von Grünendeich nach Buxtehude um. Jensen brauchte mehr Platz. Kramer stieß schon im ersten Jahr dazu. Die beiden kannten sich vom Fußball aus dem Alten Land.
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Als Gin-Liebhaber hatte Jensen zwar Ahnung vom Geschmack, aber keinerlei Ahnung von der Herstellung. Seinen persönlichen, minzigen Geschmack fand er nach 21 Versuchen bei einer Brennerei. Bei der Flasche inspirierte ihn das Maritime aus seiner Berufswelt. Ein tätowierter Anker lieferte die Idee.
Der Anker ist Firmenlogo, die Ummantelung - beschichtetes Papier - die Haut. Es brauchte mehrere Anläufe, um eine Manufaktur in Bayern zu finden, die die Skin-Gin-Flaschen nach Wunschvorstellung mit dieser Haut per Handarbeit versieht.
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Wenn Jensen im Raum mit den ausgestellten personalisierten Flasche über Skin Gin spricht, spürt der Zuhörer die Leidenschaft, mit der er das Projekt betreibt.
Lamborghini und die Sansibar auf Sylt haben eigene Editionen
Die Flasche wird in Handarbeit zum Original. Erst wird der obere Teil angebracht, dann die seitliche Ummantelung. Ursprünglich gab es die charakteristischen, viereckigen Halbliter-Flaschen in Anthrazit, Braun, Weiß und Pink.

Die Hamburg-Edition vor dem Hintergrund der Elbphilharmonie. Foto: privat
Für Firmen und Organisationen, die etwas Besonderes für Kunden suchen, ist Skin Gin angesagt. Gelistet ist Skin Gin unter anderem bei Edeka und Rewe. Es gibt über 700 verschiedene Editionen. Klangvolle Namen wie Lamborghini, Bentley, McLaren, die Reederei Hamburg Süd oder die Sansibar auf Sylt haben eigene Serien abfüllen lassen. Es gibt Hamburg-, Berlin-, Altes-Land- und Revier-Editionen. Neben dem klassischen Gin gibt es im Sortiment inzwischen auch Rum, Wodka und einen sommerlichen Aperiva.
Viele Editionen habe ihre eigene Geschichte
Die Flaschenhaut und der Firmenname sind nach Kundenwunsch individuell gestaltet. Die hohe Wertigkeit von Gin und Flasche ist in diesem Kundensegment ein starkes Verkaufsargument. „Auch wenn der Gin leer ist, behalten die Leute die Flasche zur Dekoration. Das erhöht den Werbeeffekt für die Firma und für uns“, sagt Jensen.

Hier trinkt das Auge mit. Skin-Gin-Flaschen sind aufgrund ihres Designs auch Sammlerstücke. Foto: Wisser
Zu vielen Editionen gibt es eine Geschichte. Ein Basketball-Fan hat einmal 1000 Flaschen für einen Verein geordert. Eine andere Basketball-Edition kam über den Kontakt zu einem Kapitän einer Bundesligamannschaft zustande.
Rote Linien dürfen nur versteuert überschritten werden
Christoph Kramer nimmt jede Flasche vorsichtig einzeln in die Hand und lässt den Gin durch die Abfüllanlage fließen. Kein Tropfen geht verloren.
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Kramer ist bei Skin Gin derjenige, der aufpasst, dass nichts und niemand rote Linien überschreitet - und damit schließt sich der Kreis zum Zoll. Besteuert wird der Alkohol, wenn er als Skin Gin das firmeninterne Steuerlager verlässt. Für den Bereich gibt es strikte Betretungsvorschriften. Das Lager ist durch eine rote Linie vom Rest des Gebäudes abgeteilt.

Diese rote Linie trennt das Steuerlager vom Rest der Firma. Foto: Wisser
Um es noch etwas komplizierter zu machen, gibt es dazu noch ein Lager für versteuerte Ware, die wieder in die Firma zurückkommt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Flaschen für eine Verkostung aus dem Steuerlager geholt und davon nicht alle verbraucht werden. Theoretisch könnten diese Flaschen wieder entsteuert werden.
„Das wäre aber die dreifache Arbeit“, sagt Kramer, während er routiniert die letzten vier personalisierten Flaschen aus der Abfüllanlage nimmt.

Skin Gin ist im Alten Land in Grünendeich gegründet worden. Seit 2019 ist Buxtehude Heimat des Unternehmens. Foto: Wisser
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