Zähl Pixel
Ausstellung abgesagt

TStader Kunsthaus bleibt geschlossen: So groß ist der Schaden

Vor dem Drama am Eröffnungstag hatte es einen ersten Rundgang für die Vermittlungskräfte gegeben.

Vor dem Drama am Eröffnungstag hatte es einen ersten Rundgang für die Vermittlungskräfte gegeben. Foto: Weselmann

Einen echten Kunstkracher wollten die Museen Stade mit der neuen Expressionismus-Ausstellung zeigen. Aber schon bei der Eröffnung gab es Probleme und das Kunsthaus musste wieder schließen. Nun ist klar: Die Schau ist abgesagt und das Drama groß.

author
Von Fenna Weselmann
Donnerstag, 28.03.2024, 23:58 Uhr

Stade. Mit einem Paukenschlag sollte das Kunsthaus nach einer Pause für Modernisierungsarbeiten im Foyerbereich neu durchstarten. Doch daraus wird nichts. Einen Tag nach Eröffnung am 9. März war es mit der neuen Ausstellung „Expressionismus in Kunst und Film“ vorbei.

Gebäudeschäden im Kunsthaus gravierend

Grund ist ein Gebäudeschaden im Kunsthaus. Entdeckt wurde dieser am Eröffnungstag, als Mitarbeiter Feuchtigkeit in den Leuchten bemerkten. Das war eine halbe Stunde vor Besuchereinlass. Aus Sicherheitsgründen wurden daraufhin sofort die Strom- und Wasserleitungen abgeschaltet. Betroffen war nur ein Teil der Ausstellungsräume.

„Glücklicherweise bestand zu keinem Zeitpunkt eine direkte Gefahr für die Exponate“, erklärt Museumsdirektor Dr. Sebastian Möllers. Das gilt auch hinsichtlich der einzuhaltenden Temperatur- und Feuchtigkeitswerte für die Konservierung der Bilder. Deshalb entschied Möllers, die Eröffnung trotzdem stattfinden zu lassen und wenigstens die erste, nicht betroffene Etage für das teils aus Hamburg und Bremen angereiste Publikum freizugeben.

Feuchtigkeit sitzt in den Zwischendecken

„Da war noch nicht klar, in welchen Dimensionen wir uns bewegen“, so Kuratorin Luisa Fink. Anfangs gab es noch Hoffnung auf eine baldige Wiedereröffnung, aber inzwischen wurde die Schau endgültig abgesagt. „Das ist sehr traurig, zumal wir ein Rahmenprogramm mit vielfältigen Kooperationen gestaltet hatten“, sagt Fink. Die Ausstellung wäre sicher ein absoluter Besuchermagnet gewesen. Denn wo immer ihre Werke gezeigt werden, ziehen Künstler der Klassischen Moderne wie Emil Nolde, Franz Marc oder Käthe Kollwitz das Publikum magisch an. Und mit dem Bezug zu der bis heute nachwirkenden Filmära der 1920er Jahre versprach die Ausstellung neue, spannende Einblicke in eine der bekanntesten Kunstbewegungen des frühen 20. Jahrhunderts.

Gleichzeitig ist das Team erleichtert, dass nicht Schlimmeres passiert ist. Museumsdirektor Möllers: „Keines der Kunstwerke ist zu Schaden gekommen. Das ist das große Glück bei dem ganzen Drama. Aber die Kunst kann nicht im Haus bleiben.“ Die genaue Schadensursache muss noch geklärt werden. Klar ist nur: Von der Teeküche im Obergeschoss her ist Wasser in die Zwischendecken gelaufen. Erste Messungen haben ergeben, dass hier Feuchtigkeit sitzt. Das tatsächliche Ausmaß lässt sich nur durch Öffnen der Decken feststellen. Erst dann ist der finanzielle Gesamtschaden samt Einnahmeverlusten und Kostenaufwand für Einlagerung der Kunst abzuschätzen. Für die Instandsetzung planen die Museen Stade nun die weitere Vorgehensweise mit dem Landkreis Stade, der Eigentümer des denkmalgeschützten Gebäudes ist.

Baumaßnahmen starten wohl erst nach Ostern

Das ist erst möglich, wenn die Schau abgebaut ist. Bauliche Eingriffe parallel zur Ausstellung sind keine Option. Denn die Sicherheit der Exponate hat oberste Priorität. Die werden nun wieder sorgsam verpackt und in einem speziellen Depot verwahrt. Für die Dauer der Sanierungsarbeiten sind auch alle Bilder aus dem Kunsthausbestand ausgelagert. Vor Ostern rechnet Möllers nicht mit Bauarbeiten. Für die gehen schnell ein paar Wochen ins Land. Die Schau hatte ohnehin nur eine kurze Laufzeit - bis zum 20. Mai. Dann steuert die vom Institut für Kulturaustausch in Tübingen organisierte Wanderausstellung die nächste Station an. „Es gibt also keine Chance, sie direkt wieder zu zeigen. Aber ich gehe fest davon aus, dass das Kunsthaus zur neuen Ausstellung ,Marinella Senatore. Together we stand‘ im Juni wieder fit ist“, sagt Möllers.

Nach Möglichkeit sollen wenigstens die für das Begleitprogramm geplanten Vorführungen von Filmen wie „Metropolis“ laufen.

Nach Möglichkeit sollen wenigstens die für das Begleitprogramm geplanten Vorführungen von Filmen wie „Metropolis“ laufen. Foto: Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, Wiesbaden

Ein Hoffnungsfunke bleibt: Vielleicht kann „Expressionismus in Kunst und Film“ ja zu einem späteren Zeitpunkt doch noch Station in Stade machen. Nach Möglichkeit sollen jetzt zumindest die für das Begleitprogramm geplanten Filmvorführungen in der Deluxxe Bar in Stade und im Metropolis Kino Hamburg über die Leinwand gehen.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel