TStadion, Schafstall, Olympia: Tabea Kemmes aufregendes Leben
Tabea Kemme steht regelmäßig als Expertin vor der TV-Kamera, wie hier mit dem ehemaligen Nationalspieler Lothar Matthäus (rechts) und dem Sky-Moderator Sebastian Hellmann. Foto: Tom Weller/dpa
Tabea Kemme liebt das ruhige Landleben und die große TV-Bühne. In ihrer Heimat schafft sie die Balance zwischen Schafstall und internationalen Stadien.
Freiburg/Geversdorf. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht sitzt sie am Tisch. Tabea Kemme ist glücklich. Das strahlt sie in jeder Sekunde aus. Die gebürtige Geversdorferin lebt ihren Traum - seit vielen Jahren. Erst als erfolgreiche Profifußballspielerin, nun als TV-Expertin, Investorin und eine Art Betriebsleiterin auf dem elterlichen Hof an der Oste.
Tabea Kemme. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Die 34-Jährige ist zu ihren Wurzeln zurückgekehrt. Ihr Erstwohnsitz ist seit einiger Zeit wieder Geversdorf, ein Ortsteil von Cadenberge (Landkreis Cuxhaven). Dort tankt sie Kraft - für die nächsten Projekte und Abenteuer auf der ganzen Welt.
Von Freiburg über Portsdam in die weite Fußball-Welt
Ihre fußballerischen Wurzeln liegen im Kreis Stade: Das Fußball-ABC hat sie bei der SG Freiburg/Oederquart von 2000 bis 2006 erlernt. Mit 14 Jahren zog es Tabea Kemme anschließend in Richtung Potsdam. Nur zwei Jahre später feierte sie als 16-Jährige ihr Debüt in der 1. Frauen-Bundesliga. Es war der Anfang einer großen Karriere.
Sie gewann mit Turbine fast alles auf Vereinsebene, wurde mehrfach Deutsche Meisterin und auch Champions-League-Siegerin. Ihren persönlichen Höhepunkt erlebte sie aber ein paar Jahre später im Trikot der Deutschen Nationalmannschaft. Bei den Olympischen Spielen in Brasilien 2016 durfte sie sich mit ihren Teamkolleginnen die Goldmedaille umhängen. Zehn Jahre später bezeichnet sie diesen Erfolg als einschneidend in ihrem Leben.
„Olympia war für mich ein Gamechanger“, sagt sie rückblickend. Die Zeit in Brasilien hat ihren Horizont erweitert, sorgte dafür, dass nicht nur der Fußball, sondern der gesamte Sport mit all seinen Werten und gesellschaftlichen Aspekten noch stärker in ihren Fokus rückte. „Meine Inspiration ist nicht der Fußball, das war er auch noch nie“, sagt Kemme. Das ist aus ihrer Sicht der wichtigste Grund, warum sie zu der Athletin geworden ist, die sie am Ende auch war.
Polizeijob an den Nagel gehängt
Fast 15 Jahre ist sie auf höchstem Niveau ihrer Passion Fußball nachgegangen, fast auf den Tag genau vor sechs Jahren beendete sie ihre Karriere aufgrund anhaltender Knieprobleme. „Es war ein geiles Leben. Ich will das nicht missen“, sagt sie. Die Geversdorferin hat die Welt kennenlernen dürfen, hat viele Türen geöffnet, durch die sie nach ihrer aktiven Karriere gehen konnte.
Dass sie heute als TV-Expertin arbeitet, hätte sie vor ein paar Jahren auch nicht gedacht. Nach ihrer Fußballkarriere wollte sie bei der Polizei durchstarten. „Ich habe dann gemerkt, dass das nichts für mich ist“, sagt sie heute. Die ersten lukrativen Anfragen eines großen Streaminganbieters lehnte sie anfangs noch dankend ab, etwas später ließ sie sich überreden - und ist nun aus dem Expertengremium nicht mehr wegzudenken.
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Sie steht für Amazon Prime, für Sky und auch für Magenta am Spielfeldrand und gibt ihre Meinung zu den Geschehnissen auf und abseits des Platzes zum Besten. „Die Erfahrungen, die ich im Sport gemacht habe, gebe ich nun selbst weiter“, sagt sie. Mittlerweile liebt sie diese Art des Entertainments, reist Woche für Woche in eine andere Stadt und redet im Stadion über Fußball.
Es ist das finanzielle Standbein der 34-Jährigen, aber nur eine von vielen Aufgaben in ihrem Leben. Kemme ist mittlerweile Podcasterin, Mentorin und auch Investorin bei Victoria Berlin. Sie macht das, was ihr Spaß bereitet. „Manchmal bezeichne ich mich auch als Lebenskünstlerin oder Lebefrau“, sagt sie lachend.
Hof am Ostedeich: Tabea Kemme liebt die Natur
Sie gestaltet ihren Terminplan komplett selbst, hat in den vergangenen Jahren gelernt, Nein zu sagen. Das muss sie auch - trotz ihres unbändigen Tatendrangs. Die Balance in ihrem Leben ist ihr ganz wichtig. Das Thema Regeneration begleitet sie schon ihre gesamte Profifußballkarriere. Auf dem heimischen Hof am Ostedeich liegt ihr Fokus auf den Lebenserhaltungsmaßnahmen. „Es geht darum, das Haus warm zu bekommen, und auch die Schafe wollen versorgt werden“, sagt sie.

Auf dem elterlichen Hof in Geversdorf kann Tabea Kemme abschalten und Kraft tanken. Die Schafe helfen ihr dabei. Foto: Kemme
Kemme liebt die Natur, aber vor allem die Abwechslung zwischen Hofleben und TV-Entertainment. Zu Hause kann sie abschalten, ist aber auch froh, wenn sie dann wieder die weite Welt bereisen darf. In wenigen Wochen geht es für sie mit dem „Team D“ als eine Art Botschafterin zu den Olympischen Winterspielen nach Italien, im Sommer steht dann die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer an, bei der sie als TV-Expertin für Magenta live dabei sein wird. In der Zwischenzeit soll der elterliche Hof umgebaut werden.
„Wir müssen Olympia nach Deutschland holen“
In einem ehemaligen Stallgebäude soll Wohnraum entstehen, damit die ganze Familie mehr Platz hat. Ein Gemeinschaftsprojekt mit ihren beiden Schwestern Nele und Anna sowie ihren Eltern Magdalena und Hans. Tabea Kemme ist glücklich, wieder zu Hause zu sein. Auch wenn sie sagt, dass ihre Heimat dort ist, wo sie sich gerade aufhält. „Ich fühle mich auch in Potsdam und Köln zu Hause“, sagt sie.

Tabea Kemme liebt die Natur. Das Fahrrad ist ihr Fortbewegungsmittel Nummer eins. Foto: Kemme
Wichtig sind die Leute drum herum, ihre Werte und auch der Sport. „Wir müssen den Sport als das Fundament der Gesellschaft sehen“, sagt Tabea Kemme. Vor wenigen Tagen erst äußerte sie sich anlässlich des Falls Stefan Kuntz im „Spiegel“ über die Schattenseiten ihres Berufs. Kemme berichtete, was sie selbst im Fußball erlebt habe - Sexismus, sexualisierter Gewalt, Stalking und Morddrohungen - und forderte unter anderem externe Anlaufstellen, Strafanzeigen und ein Alkoholverbot in Sportstätten.
Die Dritte Halbzeit
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Ihr Traum in der Zukunft: Olympische Sommerspiele in Deutschland. Sie hat selbst 2016 den Olympischen Geist in Brasilien gespürt, ist vor zwei Jahren zwei Wochen lang mit ihrem VW-Bulli durch Frankreich getourt. „Wir müssen Olympia nach Deutschland holen. Das wird die Wirtschaft ankurbeln und vor allem etwas mit der Gesellschaft machen“, sagt Kemme.
Ihr Aktionsdrang ist ansteckend. Kemme möchte etwas bewegen - auf ihre Art und mit ihren Werten. „Und ich bekomme die Energie zurück“, sagt sie und ergänzt: „Ist das nicht schön?“
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