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TStart-up aus Buxtehude: Smarte Überwachung für Deutschlands Brücken

Paul Krüger (von links), Constantin Schnabl und Merlin Betzler betreiben das Technologie-Unternehmen Modern Safety Engineering. Sie sind spezialisiert auf die Erhaltung des Brückenbestands in Deutschland.

Paul Krüger (von links), Constantin Schnabl und Merlin Betzler betreiben das Technologie-Unternehmen Modern Safety Engineering. Sie sind spezialisiert auf die Erhaltung des Brückenbestands in Deutschland. Foto: Sulzyc

Hält sie noch oder muss sie zügig ersetzt werden? Um diese Frage für Brückenbauwerke zu beantworten, haben drei junge Männer ein Unternehmen gegründet. Was und wer steckt dahinter?

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Von Thomas Sulzyc
Dienstag, 02.12.2025, 18:33 Uhr

Buxtehude. Das Problem ist gewaltig. Und seine Lösung lebenswichtig für die deutsche Wirtschaft. Die Rede ist von maroden Straßenbrücken. Viele Transportadern reißen und bröckeln. Der Investitionsbedarf für den Ersatzneubau von Brücken im deutschen Straßennetz ist riesig: Die Organisation Transport & Environment (T&E) schätzt ihn in einem Bericht aus diesem Jahr auf bis zu 100 Milliarden Euro.

Deshalb ist es wichtig zu wissen: Welche Brücke muss dringend saniert werden - und welches Bauwerk kann noch 10 bis 20 weitere Jahre betrieben werden? Eine präzisere Antwort darauf, als bisher üblich ist, will ein Start-up aus Buxtehude geben.

Die Modern Safety Engineering (MSE) ist in diesem Jahr mit dem Preis Gründerstar im Landkreis Stade ausgezeichnet worden. Das junge Unternehmen bringt eine Überwachungsmethode an Bestandsbauwerken auf den Markt, die bisher als nicht alltagstauglich galt: faseroptische Messtechnik.

Der Pokal für den Gründerstar-Preisträger 2025: das Technologieunternehmen Modern Safety Enginneering mit Sitz in Buxtehude.

Der Pokal für den Gründerstar-Preisträger 2025: das Technologieunternehmen Modern Safety Enginneering mit Sitz in Buxtehude. Foto: Sulzyc

Faseroptische Messtechnik hat die Universität Stuttgart an der Mainbrücke bei Hochheim eingesetzt. Bisher blieb die Technologie in der Regel den Universitäten zur Forschung überlassen. Das Problem daran: Zu große Mengen Messdaten fallen an. So groß, dass das gängige Programm Excel sie nicht darstellen könne, sagt Paul Krüger. Der 26-Jährige ist einer der drei Gesellschafter von MSE.

Moderne Messtechnik wird tauglich für den Alltag

Eine Methode, die riesige Menge Daten auszuwerten, hat der Bauingenieur Merlin Betzler aus Buxtehude entwickelt. Faseroptische Messtechnik werde damit praxistauglich, sagt der 27 Jahre alte geschäftsführende Gesellschafter.

Es geht um Risse im Beton oder Stahl - so winzig, dass sie mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Während übliche Messtechnik nur einzelne Stellen an einem Brückenbauwerk erfasst, ermöglicht Faseroptik die Überwachung auf der gesamten Länge.

So sieht faseroptische Messtechnik zur Überwachung der Bausubstanz aus.

So sieht faseroptische Messtechnik zur Überwachung der Bausubstanz aus. Foto: Schnabl

Moderne Überwachungsmethoden an Bestandsbrücken könnten ihre Lebenszeit verlängern. „Wir können eine Aussage treffen, wie sich das Bauwerk entwickeln wird“, sagt Merlin Betzler.

Deutsche Bahn gehört zu den Kunden

Die Deutsche Bahn und die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr haben das Buxtehuder Unternehmen bei einzelnen Projekten in diesem Jahr beauftragt. Auch deshalb sagt der geschäftsführende Gesellschafter Constantin Schnabl (27): „Unsere Projekte sind schon jetzt wirtschaftlich.“

Die MSE-Gesellschafter Constantin Schnabl (links) und Paul Krüger installieren die faseroptische Messtechnik

Die MSE-Gesellschafter Constantin Schnabl (links) und Paul Krüger installieren die faseroptische Messtechnik Foto: Schnabl

Obwohl erst Anfang des Jahres gegründet, sind Deutschlands Brückeneigentümer aufmerksam auf das junge Unternehmen aus Buxtehude geworden. Die Zahl der Auftraggeber in Deutschland ist überschaubar: Brückeneigentümer sind der Bund, die Länder, Kommunen, das bundeseigene Unternehmen Autobahn GmbH und die Deutsche Bahn.

„Es wird händeringend nach Unterstützung gesucht“, sagt Constantin Schnabl. Der Grund: 16.000 Brücken sind laut einem Bericht der Organisation Transport & Environment (T&E) aus diesem Jahr baufällig. Dabei handelt es sich um eine Schätzung. Denn die Zahl der Brücken in kommunaler Hand ist nicht bekannt, weil sie nicht zentral erfasst sind.

Das Geschäftsmodell ist also an den Markt angepasst. Aber wer sind die jungen Leute in dem jungen Buxtehuder Technologieunternehmen eigentlich?

Die drei Gründer sind beste Freunde

Die drei Gründer sind befreundet, kennen sich seit der Schulzeit. Kumpel, die ihre Freizeit miteinander verbringen. Gemeinsam werden sie in den Urlaub reisen - zum Skifahren.

Paul Krüger (26) und Constantin Schnabl (27) leben jeweils in Buchholz (Landkreis Harburg) und haben nach dem Abitur kaufmännische Ausbildungen abgeschlossen. Anschließend gründeten sie bereits ihr erstes Unternehmen.

Merlin Betzler (27) lebt in Buxtehude. Der Bauingenieur ist der Entwickler und Programmierer in dem Technologieunternehmen. Sein Vater ist der frühere Präsident der Buxtehuder Hochschule 21, Martin Betzler. Den Sohn zog es aber zum Studium an die Technische Universität in Darmstadt. „Ich fand es charmant, auf mich allein gestellt zu sein“, sagt er.

Ein Unternehmen zu gründen, ist nichts für Menschen, die Sicherheit suchen. Mit einem nach eigenen Angaben „mittleren fünfstelligen Betrag“ zur Finanzierung der Messtechnik und der ersten Projekte sind die drei in Vorkasse gegangen - unterstützt von Risikokapitalgebern. Abbezahlt sei das Invest noch nicht.

Hier hat das Start-up seinen Sitz

Tech-Gigant Elon Musk erzählt gerne, sein erstes Unternehmen in einer Garage gegründet zu haben. Ein Mythos, den auch andere Gründer gerne pflegen. Zumindest ähnlich unauffällig kommt der Sitz der MSE in Buxtehude daher: Die Gründer haben zusammen mit einem angestellten Informatiker ein Büro in einem überwiegend privat bewohnten Gebäude an der Harburger Straße bezogen.

Zusammen mit Modellen und Glasfaserspulen im Regal steht im Konferenzraum ein Pokal - die Auszeichnung zum Gründerstar. Und im Flur ein Klavier. Stoff genug also, im Fall einer Erfolgsgeschichte später eigene Mythen zu pflegen.

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