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TStromnetz-Saboteure oder Metalldiebe: Polizei auf der Pirsch in Dollern

Die Bereitschaftspolizei sucht das Gelände von Tennet und Avacon am Umspannwerk Dollern ab.

Die Bereitschaftspolizei sucht das Gelände von Tennet und Avacon am Umspannwerk Dollern ab. Foto: Vasel

Waren Buntmetall-Diebe oder Stromnetz-Saboteure in Dollern am Werk? Diese Frage sollte die Bereitschaftspolizei am Donnerstagmorgen klären.

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Von Björn Vasel
10.09.2026, 16:59 Uhr

Dollern. Während Monteure in luftiger Höhe an einer Hochspannungsleitung arbeiten, rückt zu ihren Füßen am Donnerstag auf dem Hagener Weg ein Großaufgebot der Bereitschaftspolizei aus Osnabrück an. Der Konvoi stoppt auf der Höhe des Umspannwerks des Stromnetzbetreibers Tennet in Dollern. Das Führungsfahrzeug, vergleichbar mit einem Einsatzleitwagen der Feuerwehr, positioniert sich vor dem Haupteingang.

Polizei vor dem Umspannwerk in Dollern.

Polizei vor dem Umspannwerk in Dollern. Foto: Vasel

Landwirte und Handwerker beobachten den Aufmarsch vom gegenüberliegenden Hühnermaststall aus. Polizeidirektor Wilfried Reinke ist als Leiter Einsatz der Polizeiinspektion in Stade vor Ort. Hinter verschlossenen Türen findet kurz vor 10 Uhr eine Lagebesprechung mit Mitarbeitern von Tennet und Avacon AG statt.

Bereitschaftspolizei sucht Beweismittel

Polizeisprecher Rainer Bohmbach beruhigt an Ort und Stelle. Die Stromversorgung ist nicht in Gefahr. „Wir haben Kräfte der Bereitschaftspolizei am Umspannwerk zusammengezogen, um Beweismittel zu finden“, erklärt Bohmbach gegenüber dem TAGEBLATT.

Die Einsatzkräfte suchen entlang des Zauns den Außenbereich ab, sie werfen auch einen Blick in die Baumkronen.

Die Einsatzkräfte suchen entlang des Zauns den Außenbereich ab, sie werfen auch einen Blick in die Baumkronen. Foto: Vasel

Wie berichtet, waren Unbekannte - möglicherweise bereits im Sommer - auf das Gelände gelangt. Auf dem Gelände des Umspannwerks hätten sie Erdungskabel einer Anlage durchtrennt, die laut Tennet-Sprecher Mathias Fischer nicht in Betrieb war. „Wir gehen davon aus, dass es entweder eine Vorbereitungshandlung für einen Metalldiebstahl oder eine Sachbeschädigung war“, erklärt der Polizeisprecher. Um das zu klären, hatten die Ermittler der Polizeiinspektion ihre Kollegen um Unterstützung gebeten.

Einsatzkräfte suchen Umspannwerk und Umgebung ab

Das Wort Sabotage nimmt Rainer Bohmbach nicht in den Mund. Dabei suchen seine Kollegen auch nach Abschussvorrichtungen, die einem möglichen Sabotageakt dienen könnten.

Dann gehen die Schiebetüren der Mannschaftstransporter auf. Die Polizisten setzen sich in Bewegung. Sie bilden eine Suchkette. Die Stimmung ist entspannt. Offenbar geht keiner der Beamten davon aus, dass ihnen ein Krimineller über den Weg laufen wird.

Auch der Bereich unter den Hochspannungsleitungen wird nach Abschussvorrichtungen durchkämmt.

Auch der Bereich unter den Hochspannungsleitungen wird nach Abschussvorrichtungen durchkämmt. Foto: Vasel

Systematisch und nahezu lückenlos durchkämmen die Bereitschaftspolizisten unter anderem Teile des Betriebsgeländes von Tennet und Avacon. Auch angrenzende Wiesen, Wege und Wäldchen entlang der Zäune nehmen die Einsatzkräfte unter die Lupe. Immer wieder werfen sie einen Blick auf eine Karte. Selbst Baumkronen werden in Augenschein genommen.

Keine Raketen-Abschussvorrichtung entdeckt

Bis kurz vor 12 Uhr suchen sie zwischen dem Naturschutzgebiet Feerner Moor und dem Hagener Weg nach Spuren einer Straftat. Doch sie finden bei ihrer Suchaktion offenbar weder Werkzeuge von Metalldieben noch Abschussvorrichtungen für Feuerwerksraketen.

Polizisten rücken im angrenzenden Wald vor.

Polizisten rücken im angrenzenden Wald vor. Foto: Vasel

Offenbar schließt die Polizei nicht aus, dass Unbekannte die Stromversorgung sabotieren wollten. Erst am Dienstag war ein 48-jähriger Klimaschutzaktivist am Kohlekraftwerk der RWE Power AG in Eschweiler-Weisweiler festgenommenen worden. Dieser soll in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen versucht haben, mit selbst gebauten Raketen einen dünnen Draht über Leitungen zu schießen, um einen Kurzschluss zu verursachen. In Bergheim bei Köln und in Turnow-Preilack soll er Umspannwerke ins Visier genommen haben.

In den vergangenen Wochen und Monaten gab es bundesweit Anschläge oder Anschlagsversuche auf Umspannwerke, Hochspannungsleitungen, Schaltkästen an Bahnlinien wie Neu Wulmstorf oder Drohnensichtungen - wie am Flughafen Leipzig oder den Industrieanlagen in Stade oder Brunsbüttel. Diese werden Klimaschutz-Extremisten und ausländischen Geheimdiensten (Russland) zugeschrieben.

Ansitz unter Hochspannungsmast gelegt

Auch der örtliche Jäger Ralf Kimmel aus Dollern ist vor Ort. Er hatte Anfang September die Polizei Horneburg eingeschaltet. Unbekannte hatten seinen Ansitz in der Feldmark nördlich des Hagener Wegs zerstört und „unter einen Hochspannungsmast geschoben“. Warum, das ist offen. Vielleicht, so Kimmel, wollten sie eine Abschussvorrichtung bauen. Möglicherweise seien es auch Vandalen oder Jagdgegner gewesen, so eine weitere Vermutung.

Umspannwerk gilt als kritische Infrastruktur

Von einem Loch im Zaun war am Donnerstag nicht mehr die Rede. Wie und wann die unbekannten Kabel-Schneider auf das Gelände gelangt sind ließen Tennet und Polizei offen. Sicherheit gehe vor, das Umspannwerk gehöre schließlich zur kritischen Infrastruktur. Tennet-Sprecher Mathias Fischer begrüßt deshalb die erhöhte Aufmerksamkeit der Polizei auch in diesem Fall „ausdrücklich“.

Großaufgebot der Polizei vor dem Umspannwerk.

Großaufgebot der Polizei vor dem Umspannwerk. Foto: Vasel

Ein versuchter Sabotageakt sei nicht auszuschließen. Allerdings sei die Wahrscheinlichkeit laut Polizei hoch, dass Metalldiebe die Erdungskabel auf dem Vorgelände des Umspannwerks Dollern durchtrennt hätten, um - wie bereits in der Vergangenheit - an Kupfer zu gelangen. Bohmbachs Suchbilanz: „Gefunden haben wir nichts.“

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Auch ein Lagerplatz wird in Augenschein genommen.

Auch ein Lagerplatz wird in Augenschein genommen. Foto: Vasel

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