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Arbeitsleben

TTariftreue und Airbus-Arbeitspakete: Was Stader Betriebsräte umtreibt

Die Betriebsräte Heiko Funck und Frank Echternkamp von der Karl Meyer Abfallentsorgung.

Die Betriebsräte Heiko Funck und Frank Echternkamp von der Karl Meyer Abfallentsorgung. Foto: Richter

Laut einer aktuellen Studie wächst die Angst der Deutschen um ihre Arbeitsplätze. Auch bei einem Essen mit Betriebsräten war das Thema. Eingeladen hatte die Stader SPD.

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Von Anping Richter
Donnerstag, 16.04.2026, 22:58 Uhr

Landkreis. Energiekrise, Zölle, Stellenabbau in der Industrie: Die Zahl der Menschen, die sich um ihren Arbeitsplatz Sorgen machen, wächst. 16 Prozent der Deutschen schätzen ihren Job einer repräsentativen Umfrage der Unternehmensberatung EY zufolge derzeit als gefährdet ein.

Das beschäftigt auch Betriebs- und Personalräte aus der Region. Der Stader SPD-Ortsverein hatte sie zum gemeinsamen Essen und Austausch eingeladen. Das TAGEBLATT hat sich dort umgehört.

Aufträge nur noch an tariftreue Unternehmen

„Das Tariftreuegesetz ist zurzeit unser wichtigstes Anliegen“, sagt Frank Echternkamp, Betriebsrat beim Abfallentsorgungsunternehmen Karl Meyer. Zum Hintergrund: Mit dem neuen Tariftreuegesetz will die Bundesregierung dafür sorgen, dass öffentliche Aufträge und Konzessionen künftig nur noch an Unternehmen gehen dürfen, die tarifvertragliche Arbeitsbedingungen gewähren. Bundesweit soll das für Aufträge ab 50.000 Euro gelten, bei Aufträgen des Landes Niedersachsen ab 20.000 Euro.

Verabschiedet wurde das Tariftreuegesetz schon, in Kraft getreten ist es noch nicht. „Das ist nicht nur für uns wichtig. Es betrifft ganz viele Bereiche. Es kann ja nicht sein, dass mit Steuergeldern Firmen bezahlt werden, die Lohndumping machen“, sagt Frank Echternkamp. Für sie sei das wichtig, um abzusichern, dass auch die Generation nach ihnen anständig bezahlt werde.

Erst ein Impulsvortrag, dann Austausch bei Häppchen: Der Landtagsabgeordnete Nico Bloem spricht bei einem Abend für Betriebsräte im De Luxxe am Fischmarkt. Die SPD hat eingeladen.

Erst ein Impulsvortrag, dann Austausch bei Häppchen: Der Landtagsabgeordnete Nico Bloem spricht bei einem Abend für Betriebsräte im De Luxxe am Fischmarkt. Die SPD hat eingeladen. Foto: Richter

Kritiker befürchten durch das Gesetz einen höheren bürokratischen Aufwand, Wettbewerbsnachteile besonders für kleinere und mittelständische Unternehmen und Kostensteigerungen bei Infrastrukturprojekten. „Eines nervt mich schon: Immer geht es um die Wirtschaft. Aber über die Beschäftigten wird viel zu wenig gesprochen“, sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Nico Bloem in einem kurzen Impulsvortrag.

Betriebs- und Personalräte als Krisenmanager

Betriebs- und Personalräte seien in der aktuellen Situation Krisenmanager. Er forderte dazu auf, sich unterzuhaken, um im aktuellen Wandel der Arbeitswelt für Sicherheit zu sorgen. Das können Müllwerker offenbar gut: „Bei uns liegt der gewerkschaftliche Organisationsgrad bei 99,9 Prozent“, berichtet Betriebsrat Frank Echternkamp von Karl Meyer, wo die Mitarbeiter - mit einer einzigen Ausnahme - bei Verdi organisiert sind.

„Mir ist es peinlich, das zu sagen, aber bei uns sind es nur knapp über 50 Prozent“, sagt Antonio Morais, Betriebsrat bei Mercedes Benz in Hamburg und selbst IG-Metall-Mitglied. Statistisch gesehen ist das allerdings nicht ungewöhnlich: Die Mehrheit der im Deutschen Gewerkschaftsbund organisierten Gewerkschaften verzeichneten in den vergangenen zehn Jahren einen Verlust an Mitgliedern, bei Verdi und IG Metall im oberen einstelligen Prozentbereich.

Airbus-Betriebsräte: Mona Michaelis, Torsten Ropers, Tamer Yüksel und Torsten Steiger.

Airbus-Betriebsräte: Mona Michaelis, Torsten Ropers, Tamer Yüksel und Torsten Steiger. Foto: Richter

„Unser wichtigstes Thema ist zurzeit: Wer bekommt die Arbeitspakete der neuen Fliegergeneration? Der Kuchen wird nämlich jetzt verteilt“, sagt Tamer Yüksel, Betriebsratsvorsitzender bei Airbus in Stade. Ein Problem sei, dass Arbeitgeber immer nur noch produktiver und kostengünstiger werden wollen, das aber nicht ganzheitlich betrachten.

Torsten Ropers, ebenfalls Airbus-Betriebsrat, pflichtet ihm bei: „Wer über hohe Krankenstände schimpft, sollte erst mal gucken: Wo kommen die denn her?“ Bei Airbus in Stade gebe es ein hohes Durchschnittsalter. Er selbst habe 28 Jahre lang Schichtarbeit gemacht, 18 Jahre davon im Drei-Schichten-Dienst. „Das geht auf die Gesundheit, und dadurch steigen auch die Krankenstände“, erklärt er.

Heutzutage haben Betriebsräte nicht nur die Arbeits- sondern auch die Standortbedingungen im Blick, erklärt Dirk Wilhelmi, Betriebsrat bei AOS. Der AOS-Betriebsratsvorsitzende Oliver Elsen und einige andere Kollegen aus dem Chemiepark in Stade-Bützfleth besuchten einen Tag nach dem Treffen in Stade Wirtschaftsminister Grant-Hendrik Tonne in Hannover. Tonne hatte Betriebsräte, Gewerkschaft und Unternehmervertreter zum Chemiedialog gebeten. Es ging um den hohen Druck auf die chemische Industrie angesichts rasant steigender Energiepreise, anspruchsvoller Umweltauflagen und Bürokratie. Kurz: um Arbeitsplätze.

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