TTernede lässt den BSV jubeln: Erster Punkt seit Oktober
Isa Ternede erzielte sechs Treffer gegen Göppingen. Foto: Jan Iso Jürgens (Archiv)
Drama in Göppingen: Isa Ternede trifft nach der Schlusssirene per Siebenmeter und sichert dem BSV vor den Augen einer Handballlegende nach langer Zeit wieder einen Punkt.
Buxtehude. Nur noch 18 Sekunden auf der Uhr. Nicolaj Andersson nimmt eine Auszeit. Der BSV ist in Ballbesitz, liegt mit 31:32 zurück. Der Trainer greift zur Taktiktafel und gibt den letzten Spielzug vor. „Komm, wir machen dieses Scheißtor“, brüllt eine Buxtehuderin.
Der BSV spielt die Zeit herunter, bis Isa Ternede das entscheidende Foul zieht - Siebenmeter. Die Niederländerin tritt selbst an die Linie, der Ball springt vom Innenpfosten ins Tor. Die Buxtehuderinnen feiern im Kreis, 32:32.
Zwar wartet der BSV auch nach dem 14. Saisonspiel weiter auf den ersten Sieg, doch der Punktgewinn ist der erste seit Anfang Oktober - ausgerechnet seit dem Hinspiel gegen Göppingen (34:34). „Wir sind unglaublich stolz, dass wir den Punkt geholt haben“, sagte BSV-Kreisläuferin Jolina Huhnstock freudestrahlend, mit acht Treffern die beste Werferin ihres Teams. „Ich bin unglaublich stolz, in so einem Team zu spielen. Es geht jetzt bergauf. Wir haben nicht aufgehört, zu kämpfen.“

Jolina Huhnstock zeigte einen überzeugenden Auftritt. Foto: Jan Iso Jürgens (Archiv)
Carina Senel kam nach langer Verletzungspause zu ihrem ersten Kurzeinsatz. Die Kreisläuferin mit der Nummer 44 wechselte im Sommer nach Buxtehude und sammelte am Samstag erste Bundesliga-Minuten im BSV-Trikot.
BSV-Fans drücken aus der Ferne die Daumen
Trotz der sportlichen Krise war der BSV mit Zuversicht nach Göppingen gereist. In den Tagen vor der Partie betonte Trainer Andersson, dass die Mannschaft „siebenmal pro Woche Blut, Zeit und Emotionen“ investiere und der Knoten bald platzen werde. Zugleich machte der Däne klar: „Ohne Sieg haben wir irgendwann ein Problem.“
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Um optimal vorbereitet zu sein, war die Mannschaft bereits am Freitag angereist. Nach einer Nacht im 100 Kilometer entfernten Bad Friedrichshall ging es tags darauf in die Göppinger EWS-Arena, ein Kessel mit einem impulsiven Publikum, doch diesmal nicht zur Hälfte gefüllt.
Die Dritte Halbzeit
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Die BSV-Fans gaben der Mannschaft reichlich Motivation mit - Videos, Fotos, Texte - und feuerten sie beim Public Viewing im Raum Petriplatz bei der Sparkasse in Buxtehude an.

Public Viewing bei der Sparkasse in Buxtehude: Der Fanclub Has' und Igel unterstützte den BSV aus der Ferne. Foto: privat (nomo)
Und sie sahen, wie der BSV früh in Führung lag und Torhüterin Annie Linder kaum einen Ball durchließ. Vorne verpassten es jedoch Isabelle Dölle, Isa Ternede und Teresa von Prittwitz, nachzulegen. Immerhin überstand der BSV eine doppelte Unterzahl, da Linder erneut glänzte.
Torhüterin Linder zeigt starke Leistung
Göppingen kam zunächst nicht richtig ins Spiel, mühte sich nicht nur an der Schwedin im BSV-Tor ab (sechs Paraden in den ersten elf Minuten), sondern auch an einer aggressiven und beweglichen Abwehr. Als Jolina Huhnstock per Innenpfosten das 6:2 (14.) erzielte, nahm Frisch-Auf-Trainer Nico Kiener eine Auszeit und wurde laut.
Der BSV spielte die Angriffe geduldig aus und verhinderte das gefürchtete Tempospiel des Gastgebers.
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Mitte der ersten Halbzeit häuften sich dann jedoch die Fehlwürfe, Göppingen erzielte den Ausgleich (8:8). Doch Buxtehude blieb konzentriert und legte wieder vor. Maj Nielsen erzielte - ausgerechnet - in der Heimatstadt des Kempa-Erfinders Bernhard Kempa mit eben diesem Trick das 11:9 (22.).
Weltmeister Zeitz lobt Buxtehuder Auftritt
Zudem richtete der BSV sein Spiel auf Kreisläuferin Jolina Huhnstock aus, die immer wieder an den Ball kam und im ersten Durchgang alle fünf Möglichkeiten nutzte. Das gefiel auch dem 2007er-Weltmeister Christian Zeitz, der das Spiel auf sporteurope.tv kommentierte: „Buxtehude hat sich gut auf Göppingen eingestellt. Göppingen spielt zu behäbig und macht zu viele Fehler.“
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Mit einer 17:14-Führung ging es in die Pause, begleitet von der Frage: Wie geht der BSV diesmal damit um? Schon vor einer Woche hatte Buxtehude eine Führung zur Halbzeit verspielt und knapp gegen Neckarsulm verloren.
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Was folgte, war kein Einbruch, doch der BSV wirkte vorne wie hinten nicht mehr ganz so souverän. Göppingen kam vor 1930 Zuschauern häufiger zu einfachen Toren, während der BSV entweder an Celina Meißner (16 Paraden) oder am Pfosten scheiterte. Wenig später lag Göppingen erstmals in Führung. Andersson setzte die siebte Feldspielerin ein, verwarf diesen Plan jedoch schnell wieder.
BSV bekommt Japanerin nicht in den Griff
Vor allem die japanische Nationalspielerin Haruno Sasaki (11 Tore) bereitete dem BSV Probleme. Eine Viertelstunde vor Schluss hatte sie bereits neun Treffer erzielt und zeigte auch bei sechs Siebenmeter-Versuchen keine Nerven. Göppingen führte 28:25 (50.). Doch der BSV blieb dran. War zumindest noch ein Unentschieden möglich, so wie im Hinspiel?
Der BSV kämpfte weiter. Die eingewechselte Oliwia Kaminska war gleich zweimal zur Stelle, Anika Hampel verkürzte anderthalb Minuten vor Schluss auf einen Treffer. Die reguläre Spielzeit war abgelaufen - und Isa Ternede traf zum Ausgleich. Durch das Remis verkürzt Buxtehude den Rückstand auf den Tabellenvorletzten Halle-Neustadt auf drei Punkte.
Für den BSV geht es bereits am kommenden Mittwoch (19.30 Uhr) weiter. In der Halle Nord steht dann das Nordderby gegen den VfL Oldenburg auf dem Programm.
BSV-Tore: Kaminska (4 Paraden), Linder (15 Paraden); Nielsen 5, Frey, Hampel 4, Dölle 4, Andresen 2, Kaufmann, von Prittwitz 3, Ternede 6/1, Senel, Huhnstock 8, Lück.
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