Trotz Überzahl nach Rot-Premiere: Türkei scheidet aus
Merih Demiral ärgert sich. Foto: Eugene Hoshiko/AP/dpa
Die WM ist für die Türkei nach der Vorrunde vorbei. Auch eine neue Regel, die erstmals angewendet wird, hilft Arda Güler und seinen Teamkollegen nicht.
Santa Clara. Trotz langer Überzahl nach einer Rot-Premiere hat die Türkei gegen Paraguay verloren und scheidet nach der WM-Vorrunde aus. Die Mannschaft um Superstar Arda Güler von Real Madrid unterlag den Südamerikanern mit 0:1 (0:1). Nach zwei Niederlagen steht die Mannschaft von Trainer Vincenzo Montella schon vor dem letzten Vorrundenspiel gegen den nun als Gruppensieger feststehenden Co-Gastgeber USA als Tabellenletzter in Gruppe D fest, die erste WM-Teilnahme seit 2002 ist eine riesige Enttäuschung.
Im San-Francisco-Bay-Area-Stadion in Santa Clara erzielte Matías Galarza (2. Minute) das entscheidende Tor für Paraguay, das lange nur zu zehnt spielte. Schiedsrichter Ivan Barton schickte Miguel Almirón in der Nachspielzeit der ersten Hälfte vom Platz, weil er sich im Disput mit Gegenspieler Mert Müldür die Hand vor den Mund gehalten hatte. Damit wendete der Unparteiische aus El Salvador erstmals eine bei dieser WM neue Regel an. Paraguay hat nun drei Punkte und kann die K.o.-Runde in der Partie gegen Australien aus eigener Kraft erreichen.
Paraguay trifft mit erster Chance
Seine Mannschaft wolle auf dem Platz zurückschlagen, hatte Montella nach der von ihm als übertrieben aufgefassten Kritik im Anschluss an das 0:2 zum Auftakt gegen Australien gesagt. Doch die Türkei wurde früh geschockt. Paraguay eroberte den Ball im türkischen Aufbau, spielte Galarza frei und der 24-Jährige traf aus gut 20 Meter platziert ins Eck.

Matías Galarza sorgte für einen Traumstart Paraguays. Foto: Eakin Howard/AP/dpa
Die paraguayischen Fans, die Trommeln ins Stadion mitgebracht hatten und damit zunächst den Rhythmus bestimmten, waren begeistert. Die Türkei mühte sich, ins Spiel zu kommen. Ein erster Abschluss von Güler aus aussichtsreicher Position flog weit über das Tor. Nach einer halben Stunde hatten die Türken zwar fast 80 Prozent Ballbesitz, viel anfangen konnten sie damit aber nicht.
Schiedsrichter rückt in den Mittelpunkt
Und Glück hatten sie auch nicht. Nach einem Freistoß setzte sich Müldür im Kopfballduell durch. Der Ball sprang erst an die Latte, dann an den Pfosten - aber nicht ins Tor.
Wie viel auf dem Spiel stand, war im ganzen Stadion greifbar. Immer wieder wurde es hektisch. Schiedsrichter Barton hatte oft Mühe, die erhitzten Gemüter zu beruhigen und stand dann komplett im Mittelpunkt. Nach Ansicht der Videobilder zeigte er Almirón Rot. Durch die neu eingeführte Regel soll diskriminierendes Verhalten verhindert werden.

Almirón flog mit der Roten Karte vom Platz, sein Team brachte den Sieg aber ins Ziel. Foto: Jeff Chiu/AP/dpa
Mit einem Mann mehr wurde der Druck der Türken immer größer. Das Montella-Team hatte auch Abschlüsse. Es fehlte jedoch entweder die Präzision oder Paraguays Torwart Orlando Gill verhinderte den Gegentreffer. Paraguay verteidigte leidenschaftlich und brachte den knappen Sieg über die Zeit.

Miguel Almirón erlebte die zweite Hälfte nicht mehr auf dem Platz. Foto: Jeff Chiu/AP/dpa