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Kultur

T„Trump hat keine Fallhöhe“: Cartoonisten Hauck und Bauer im Interview

Dominik Bauer und Elias Hauck lesen im Pferdestall aus ihren Cartoons.

Dominik Bauer und Elias Hauck lesen im Pferdestall aus ihren Cartoons. Foto: Buchmann

Man darf nichts mehr sagen? Elias Hauck und Dominik Bauer widersprechen in Agathenburg. Trotzdem gibt es Leute, über die sie keine Witze machen - solange die noch leben.

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Von Steffen Buchmann
Sonntag, 05.04.2026, 13:50 Uhr

Im Internet verbreiten sich zunehmend KI-generierte Inhalte, auch Cartoons. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Hauck: Unsere Zeichnungen wurden ja leider noch nicht durch KI gejagt. Ich würde jetzt sehr gerne mal sehen, was sich so eine KI für Inhalte ausdenken und wie die Zeichnungen aussehen würden.

Wahrscheinlich haben dann auf einmal unsere Figuren fünf Finger an jeder Hand. Das wäre total verrückt.

Bauer: Man fühlt sich im Humorbereich noch so ein bisschen sicher, weil die KI da noch nicht so weit ist. Die Entwicklung ist ganz furchtbar für alle, die künstlerisch was machen.

Insbesondere Illustratoren werden ersetzt. Ich habe das letztes Jahr beim Kaufen von Adventskalendern gesehen. Die Kalender, die ich normalerweise für verschiedene Leute kaufe, konnte ich nicht mehr nehmen, weil die Illustrationen so furchtbar waren.

Hauck: Wir verlieren ganz viele Kollegen dadurch. Aber wir sind ja zum Glück nicht zu ersetzen.

In welchen Bereichen bemerken Sie das noch?

Bauer: Bei Fernsehmusik habe ich das schon erlebt. Die wird jetzt einfach durch KI gemacht. Man braucht keine Komponisten, keine Musiker, keine Illustratoren mehr. Das ist, glaube ich, eine schlimme Entwicklung.

Vor ihrem Auftritt im Schloss Agathenburg hat das bayrische Karikaturisten-Duo einen exklusiven Cartoon mit Lokalbezug gezeichnet.

Vor ihrem Auftritt im Schloss Agathenburg hat das bayrische Karikaturisten-Duo einen exklusiven Cartoon mit Lokalbezug gezeichnet. Foto: Hauck und Bauer

Hauck: Das betrifft auch Dolmetscher, Synchronsprecher, Drehbuchautoren oder Filmstudios. Du braucht eigentlich nur noch dein Handy, wo du reinsprichst, welchen Film du wie sehen willst und dann kriegst du das in einer Minute so hingekackt.

Bauer: Man braucht Menschen eigentlich nur noch zum Zuschauen.

Cartoons und Zeitungen sind eine Symbiose, die schon seit Ewigkeiten besteht. Was passiert denn mit Cartoons und Karikaturen, wenn das Zeitungssterben so weitergeht?

Bauer: Ein Cartoon-Sterben wird es nicht geben. Social Media ist ein gutes Feld für Cartoons. Höchstens vielleicht ein Cartoonisten-Sterben, weil es kein Geld mehr bringt.

Hauck: Aber wir kriegen mit, dass es viele Kollegen jetzt auf die Bühne zieht. Und Bücher gibt es immer noch.

Wie macht man denn heutzutage Witze über Personen wie etwa Donald Trump, die wie real gewordene Karikaturen wirken?

Bauer: Trump hat keine Fallhöhe. Er ist eine gestörte Person, über die man eigentlich keine Witze machen dürfte. Und jetzt ist er leider Präsident, aber für Witze trotzdem weiterhin ungeeignet.

Hauck: Eigentlich hat es mit Martin Sonneborn angefangen, der den Humor in die Politik gebracht hat. Jetzt haben wir den umgedrehten Fall, dass die Politik ein Witz geworden ist.

Bauer: Elias hat schon festgelegt, dass er Trump nicht mehr zeichnet. Beziehungsweise erst wieder zeichnet, wenn er tot ist. Genau wie bei Putin.

Gilt das auch bei deutschen Politikern?

Bauer: Bestimmte Verhaltensweisen oder Geisteshaltungen sind natürlich ein Thema. Ein Bundeskanzler oder eine Angela Merkel darf natürlich auch mal vorkommen.

Hauck: Wir müssen uns ja zum Glück nicht mit tagesaktuellen Sachen beschäftigen. Wobei man sich doch darüber freut, wenn Friedrich Merz sich über ein „Merz Leck Eier“-Plakat aufregt.

Bei den Live-Shows zeigen Sie auch viele frühe Werke. Ist man nach so vielen Jahren noch stolz oder verstecken Sie auch manches?

Bauer und Hauck: Doch, doch. Wir verstecken schon einiges. (lachen)

Hauck: Wir zeigen das Konzentrat der Cartoons, bei denen wir sicher sind: Das kommt gut an. Das ist aber nur ein Bruchteil, wir schmeißen auch viel weg.

Bauer: Es fällt aber auf, dass beispielsweise die Nasen früher viel länger und dünner waren. Die sind über die Jahre fleischiger geworden.

Hauck: Und vor allem kürzer, seitdem wir in der FAS die Strips machen. Da ist eben nicht so viel Platz.

Ein aktuelles Thema in Ihren Cartoons ist die polemische „Man darf ja nichts mehr sagen“-Floskel. Gibt es etwas, worüber Cartoonisten keine Witze mehr machen dürfen?

Bauer: Entscheidend ist ja, dass es Witze gibt, die wir nicht machen wollen, aber natürlich machen dürften. Mir würde wirklich kein Satz einfallen, den ich sagen will und nicht sagen darf.

Und bestimmte Witze darf man machen, muss man erst mal machen wollen, wenn man sich „Nuhr im Ersten“ anschaut. Das muss man halt wollen, aber man darf es.

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