TUltrarennen: Sein Mantra bringt den Buxtehuder Airbus-Ingenieur ins Ziel
Im Flow: Der Gedanke an seinen verstorbenen Sohn hat den Buxtehuder Immanuel Buchholz über die ultralange Radstrecke getragen. Foto: Buchholz
Seine Gregor-Gedenkfahrt ist geglückt: 51 Stunden und 1100 Kilometer auf dem Rad, fast kein Schlaf - so hat Immanuel Buchholz das Ultrarennen durch Deutschland erlebt.
Buxtehude. Der Buxtehuder hat das Race Across Germany geschafft. Anfang Juli ging es über 1100 Kilometer von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen. Das Rennen hat dem Airbus-Ingenieur ultra Spaß gemacht.
In Niedersachsen macht der Buxtehuder die erste Pause
Immanuel Buchholz startet „Unsupported“ - ohne Begleitfahrzeug im Rücken. Eine zusätzliche Herausforderung, die er schnell spüren wird. Denn Nachschub an Wasser und Verpflegung zu organisieren, kostet wertvolle Zeit.
Auf seinem Weg erlaubt sich der 44-Jährige nur wenige, kurze Stopps. Erst im niedersächsischen Wichmannsburg legt er die erste Pause ein. Zum Flaschen auffüllen. Buchholz weiß, dass es bei Kirchen und Friedhöfen in der Regel Trinkwasser gibt. Die steuert er auf der Strecke gezielt an.

Radrennen am absoluten Limit: Um das Race Across Germany im vorgegebenen Zeitrahmen zu schaffen, konnte Immanuel Buchholz auf den mehr als 1100 Kilometern nur wenige kurze Stopps einlegen. Foto: Buchholz
Die erste Etappe fährt er mit einem Schnitt von 30 km/h durch Norddeutschland. Im Sonnenuntergang zieht das Flachland an ihm vorbei. Dann wird das Wasser knapp.
Aber der ambitionierte Airbus-Ingenieur will nicht extra einen Ort anfahren und zieht weiter durch. „50 Kilometer ohne Wasser - das zehrt wirklich“, erzählt er. Irgendwann ist die nächste Kirche in Sicht und nachts gegen 2.30 Uhr schließlich Checkpoint 2 erreicht.
Beim zweiten Checkpoint ist Partystimmung
In Bilderlahe können Fahrer wie Immanuel Buchholz ein Paket mit Nachschub deponieren. Auf ihn warten Gels, Kohlenhydrate und eine frische Powerbank. „Die Dorfbewohner machen richtig Party an der Station“, erzählt der Extremsportler von der außergewöhnlichen Begrüßung.
An Schlafen ist hier nicht zu denken. Trotzdem steigt er für 25 Minuten vom Rad und trinkt zum Wachwerden eine Cola. Denn Kasseler Berge und Rhön liegen nun vor ihm. „2100 Höhenmeter auf 170 Kilometer - das ist sozusagen die Königsetappe der Strecke.“
Für den 44-Jährigen gehört dieser Teil zu den schönsten des Rennens. „Durch die Berge zu fahren, ist mein Ding.“ Dabei kann er sogar noch manchen überholen.
Buchholz fährt durch die Nacht. Am Morgen - nach 24 Stunden ohne Schlaf - legt er sich hin. Nur zweimal macht er das - im Nirgendwo auf einer Bank, den Wecker auf 30 Minuten gestellt. Das ist wichtig, um den Kopf zu erholen.
Der Airbus-Ingenieur hat heftige Schmerzen
Bis zur Hälfte der Strecke hat er kaum mehr als zwei Stunden Standzeit auf der Uhr. Am Ende sind es 6,7 - inklusive einer für Baustellen und Ampeln. Den einzigen Supermarkthalt nahe Checkpoint 3 bereut er noch immer. Das Anstehen an der Kasse frisst wertvolle Zeit. Dazu brennt die Sonne inzwischen bei 35 Grad auf den schwarzen Asphalt.
„Mit 800 Kilometern in den Beinen ist die große Hitze dann der Killer.“ Sie verstärkt das Brennen in den Füßen, mit dem er kämpft. Am Ende hilft nur das Aufschneiden vom Schuh, um im Fahren mit Wasser zu kühlen.
Am zweiten Abend - in Kitzingen circa 300 Kilometer vor dem Ziel - ist es schon eng mit dem großen Traum von unter 49 Stunden Fahrzeit. Immanuel Buchholz tritt weiter in die Pedale.
Sohn Gregor macht ihn zur lächelnden Maschine
Der Gedanke an seinen verstorbenen Sohn und die Spendenaktion tragen ihn. „Ich fahr mit Gregor und bin eine lächelnde Maschine“ - dieses Mantra hilft ihm auch über die letzte, sich elendig langziehende Etappe.
„Bis auf die heftigen Fuß- und Knieschmerzen ist alles gut gelaufen“, so sein Resümee. Genossen hat er vor allem die Strecken ganz allein auf weiter Flur, ganz im Flow. Einen Wermutstropfen gibt es aber.

Bei dem Ultrarennen. Foto: Buchholz
Immer wieder wird dem Familienvater traurig bewusst, dass Kinder wie Gregor nie die Chance haben, so etwas zu erleben. Die finalen Kilometer über eine öde Bundesstraße sind dann noch ein „Dämpfer zum Schluss“. Der Empfang durch die Familie macht den aber schnell wieder wett. Nach 51 Stunden und 2 Minuten kommt Immanuel Buchholz als Finisher ins Ziel.
Begeistert ist er vom Mitfiebern der Leute. Seitenweise Nachrichten hat er bekommen. „Die alle zu lesen, ist megacool.“
Buxtehuder erfährt 2000 Euro für Knack den Krebs
Tage später stellt sich dann das Hochgefühl ein, es geschafft zu haben. Es wird wohl nicht sein letztes Ultrarennen sein. „Jetzt habe ich richtig Blut geleckt“, verrät Buchholz.

Finisher aus Buxtehude: Immanuel Buchholz hat das Race Across Germany gemeistert und eine ordentliche Spendensumme für "Knack den Krebs" eingefahren. Foto: Buchholz
Die erträumte Qualifikation für das Race Across America hat er zwar verpasst. Trotzdem macht ihn sein Ergebnis zufrieden. In der Altersgruppe bis 50 Jahre belegt der Mittvierziger Platz 21 und hat deutlich jüngere Fahrer hinter sich gelassen. Und das ist nicht der einzige Erfolg.
Seine Spendenfahrt hat mehr als 2000 Euro für „Knack den Krebs“ eingesammelt. Unter www.kinderkrebs-hamburg.de kann unter Angabe von „Team Gregorized“ weiter mit Bezug zu seiner Aktion gespendet werden. Mehr dazu findet sich auf Instagram (gregorandimmanuel). Alle Finisher-Ergebnisse sind unter www.raceacrossgermany.de zu sehen.
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