Zähl Pixel
Ökologie

TUngewöhnliche Idee: So schützen Islandpferde im Stader Schwingetal die Natur

Seit Montag weiden Islandpferde im Stader Schwingetal. Dahinter steckt eine ungewöhnliche Idee zum Naturschutz.

Seit Montag weiden Islandpferde im Stader Schwingetal. Dahinter steckt eine ungewöhnliche Idee zum Naturschutz. Foto: Haardt

Auf eine Weide im Schwingetal sind elf neue Bewohner gezogen. Die Islandpferde grasen die Fläche ab und tragen damit zum Naturschutz bei. Das steckt dahinter.

Von Rebecca Haardt Sonntag, 31.05.2026, 15:55 Uhr

Stade. Zehn Islandpferde und eine Holsteinerstute grasen im Schwingetal, auf einer Fläche, auf der sonst Rinder weiden. Die Fläche zwischen der Loger Weide und dem Kattenbeck ist etwa 5 Hektar groß und gehört der Stadt Stade.

Die Pferde sind Teil eines ungewöhnlichen Naturschutzprojekts der Ökologischen Station Stade (ÖSS) und der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreis Stade. Ziel ist die Bekämpfung der sogenannten Rasen-Schmiele, wie Janina Heins von der ÖSS erklärt.

Organisiert wurde das Projekt von Jenny Cohrs vom Pferdehof Cohrs, Inga Neunaber von der Unteren Naturschutzbehörde und Janina Heins von der Ökologischen Station Stade.

Organisiert wurde das Projekt von Jenny Cohrs vom Pferdehof Cohrs, Inga Neunaber von der Unteren Naturschutzbehörde und Janina Heins von der Ökologischen Station Stade. Foto: Haardt

Die Rasen-Schmiele ist ein Gras, das von Rindern nicht gefressen wird. Deshalb konnte es sich auf der Weide im Schwingetal ungestört ausbreiten und hat andere Pflanzenarten verdrängt. „Die Rinder standen mitten im grünen Gras und fanden nichts zu fressen”, erzählt Janina Heins.

Da es sich bei der Weide um ein Landschaftsschutzgebiet handelt, schieden klassische Methoden, der Schmiele beizukommen, wie Pflanzenschutzmittel, aus. Janina Heins will das Problem nun auf naturschutzkonforme Weise lösen.

Projekt letztes Jahr gestartet

Sie erklärt, dass es in der Region bereits andere Beweidungsprojekte gäbe, wie die Wasserbüffel am Elmer Berg im Kreis Bremervörde. Wasserbüffel eigneten sich jedoch nicht für das Projekt im Schwingetal, denn sie hätten dort die Grasnarbe zerstört. Stattdessen hatte Heins die Idee, auf Islandpferde zu setzen.

„Das ist eine robuste Pferderasse und es gibt in der Region viele Züchter”, sagt sie. Über den Islandpferde Zucht- und Sportverein Nord (IPZV) hat sie eine Pferdehofbesitzerin gefunden, die sich sofort für das Projekt begeistert hat: Jenny Cohrs aus Jesteburg im Landkreis Harburg.

Ihre Islandpferde standen bereits letztes Jahr für 19 Tage auf der Stader Weide. Nach dem kurzen Testlauf gab es für Janina Heins eine gute Nachricht: Die Tiere fraßen die zähe Rasen-Schmiele tatsächlich. Deshalb wird das Projekt jetzt mit einer längeren Weideperiode fortgesetzt: Jenny Cohrs' Islandpferde werden vier Wochen in Stade sein.

Jenny Cohrs entlässt ihre Pferde in einen vierwöchigen „Urlaub”.

Jenny Cohrs entlässt ihre Pferde in einen vierwöchigen „Urlaub”. Foto: Haardt

Mit zwei Transportern hat Cohrs die elf Pferde ins Schwingetal transportiert. Zehn davon sind Islandpferdstuten, eines eine Holsteinerstute. Die Tiere sind noch jung und etwa zwischen zwei und vier Jahren alt. „Die machen jetzt vier Wochen Urlaub”, sagt Cohrs.

Ziel ist die Flachlandmähwiese

Die ÖSS plant, die Fläche im Schwingetal periodisch von den Islandpferden abweiden zu lassen. Aktuell sind Weideperioden bis 2027 geplant. Janina Heins wünscht sich, dass das Projekt auch nach 2027 eine Zukunft hat. Im besten Fall werde die Fläche dadurch zu einer Flachlandmähwiese, erklärt sie.

Die Flachlandmähwiese ist ein Schutzgebiet, das sich durch eine bestimmte Bodenbeschaffenheit und das Vorkommen bestimmter Pflanzen- und Vogelarten auszeichnet. Dazu gehören zum Beispiel der Wiesen-Fuchsschwanz und das Wiesen-Schaumkraut. Unter anderem diese Pflanzenarten sollen von der Beweidung durch die Islandpferde profitieren.

Die Pferde werden die nächsten vier Wochen Tag und Nacht auf der Weide sein. Zum Schutz vor Wind, Wetter und Insekten wurde auf der Weide ein Schutzzelt errichtet. Insgesamt sei die Versorgung der Pferde einfach, so Heins. Sie kommt einmal täglich zur Weide und kontrolliert, ob es den Pferden gut geht und dass keines fehlt. Nach den vier Wochen kehren die Pferde zunächst nach Jesteburg zurück. Die nächste Weideperiode für Ende Juli ist bereits geplant.

Copyright © 2026 TAGEBLATT | Weiterverwendung und -verbreitung nur mit Genehmigung.

Die Redaktion empfiehlt
Weitere Artikel